«Wir sind Stahlberger»

Weniger Worte, mehr Musik, so einfach könnte man die Albumtaufe von Stahlberger zusammenfassen. Doch da war noch mehr, im zweimal nacheinander ausverkauften Palace.

Marco Kamber
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Manuel Stahlberger (links) und seine Band präsentierten im Palace die Lieder des neuen Albums «Die Gschicht isch besser». (Bild: Urs Bucher)

Manuel Stahlberger (links) und seine Band präsentierten im Palace die Lieder des neuen Albums «Die Gschicht isch besser». (Bild: Urs Bucher)

Schon das erste Stück der neuen Platte, das trippige, von Synthesizer-Takten getragene «Vögel», macht klar, worum es hier geht. Nämlich um eine Band – ein homogenes Ganzes, und nicht um einen Künstler, der von seiner Gruppe getragen wird. «Wir sind Stahlberger. Das ist Michael Stahlberger, dort Dominik Stahlberger, Christian Stahlberger und hier steht Marcel Stahlberger», stellt Manuel Stahlberger nach dem ersten Lied klar.

War dies nun eine Pointe, wie man sie vom St. Galler Liedermacher kennt? Eine Pointe, bei der man sich dann fragt, ob es eine Pointe war oder eben nicht? Einige lachen, ja, aber es könnte auch ein dringlich gemeintes Statement sein. Denn was Manuel Stahlberger da sagt, wird unerklärt verdeutlicht, in den nächsten anderthalb Konzertstunden dieses Samstagabends.

Endlich mal ein Stampftakt

Diese sind erstmal vor allem gespickt mit neuen Liedern. Von neuer Musik: Stahlberger Hören fühlt sich anders an als bei der letzten Platte «Rägebogesiedlig». Seine Zeilen sind weniger ausgeschmückt als einst, es gibt weniger Worte. Und diese werden in ihrer Wirkung eins mit der Musik, quasi zum Instrument. Man kann sehr wohl, aber muss nicht unbedingt zuhören, was Manuel Stahlberger singt, sondern kann auch wippen, tanzen, sich vergessen, Textfragmente als solche auf sich wirken lassen.

So zum Beispiel beim «Rundume Rand»: Ein Wave-Punk Stück mit derartig gutem Stampftakt, wie man es sich schon ewig wünscht von einer Schweizer Band! Da passt sogar der Strobo-Scheinwerfer, in dessen Licht die Leute in den ersten Rängen ihre Haare durch die Luft schütteln.

Doch nur nicht zu wild – bei den nächsten Stücken ist das Bühnenbild wieder geprägt von einem gedämpfteren, düsteren Scheinwerferlicht. Was passt. Denn allgemein berühren Stahlberger das Publikum eher mit dunkleren Stimmungen, holen es ein bisschen von der Samstagnacht-Euphorie herunter.

Melancholisch-düsterer Glanz

Man hört klar die Einflüsse der einzelnen Musiker: So etwa Marcel Gschwend, besser bekannt als Bit-Tuner. Die elektronischen Elemente, wie simple Synthesizer-Akkordfolgen, die viele Stahlbergersongs mit einem melancholisch-düsteren Glanz schmücken, erinnern an ihn als Solo-Musiker. Dominik Kesseli wirft mit seinem grossartigen Schlagzeugspiel einige vielleicht noch weiter zurück: Nämlich in Teenager-Erinnerungen, in eine Zeit, als er für die Punk-Band «Masked Animals» in ziemlich jedem Mehrzweckgebäude im Rheintal trommelte.

In die richtige Richtung

Das Gefühl der Erinnerung ist vielleicht ein prägendes Element für diesen Abend. Und dass Erinnerungen immer auch irgendwie abgeschlossene Geschichten sind, die man sich anders erzählt, als sie sich abgespielt haben. Die Zeit lässt die Dinge sich entwickeln, und im Fall Stahlberger auch seine Lieder. Der wohlig warmen, freudigen Stimmung nach, die an diesen zwei Abenden im Palace herrschte, entwickelte sich das Ganze in die gute Richtung. Also wirklich: «Die Gschicht isch besser.»

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