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«Wir sind mit Herzblut dabei. Ich lebe das Musical», sagt Andréas Härry, Co-Leiter Le Théâtre, Emmen, und Co-Produzent des Musicals «Sister Act».

Das Le Théâtre in Emmen zeigt das Erfolgsmusical «Sister Act» in einer Eigenproduktion. Andréas Härry spricht über Sex-Appeal, Professionalisierung und Ohrwürmer. Er leitet zusammen mit Sonja Greber das Le Théâtre, mit der er auch «Sister Act» produziert.
Deloris van Cartier (Sidonie Smith, links) mit Nonnenensemble.Bild: PD

Deloris van Cartier (Sidonie Smith, links) mit Nonnenensemble.Bild: PD

Andréas Härry, bald ist die Premiere von «Sister Act», und im Frühling spielen Sie «Jesus Christ Superstar». Eine Art religiöse Phase im geläuterten Alter?

Nein, nein, das Ganze ist reiner Zufall (lacht). Wir bemühen uns seit einer Ewigkeit, «Sister Act» zu bekommen. Mindestens einmal im Jahr hat meine Frau und Sängerin Irène Straub beim Verlag angerufen, und immer sagten sie: «Sorry, keine Chance.» Im Winter 2017 hiess es plötzlich: «Einen Moment, bitte.» Der Rest ist Geschichte. Und wir haben es noch keine Sekunde bereut.

Was macht dieses Musical denn so toll?

Irène und ich haben «Sister Act» 2011 in Hamburg in seiner originalen Broadway-Produktion gesehen. Wir gingen ohne Erwartungen hin. Dachten vielleicht sogar: «Schade, kommt nicht die Musik des Films darin vor.» Dann hat uns die Aufführung jedoch völlig begeistert. Ich habe mir die CD gekauft und geschätzte 100-mal angehört. Die Produzentin des Musicals ist ja Whoopi Goldberg selber. Als ihr Film – entgegen allen Erwartungen und trotz des Kleinstbudgets – ein Erfolg wurde, wollte sie das Stück auch auf die Bühne bringen.

Also das Übliche, zuerst der Film, und dann wird daraus ein Merchandising-Produkt?

Hier eben gar nicht. Im Film besteht die Musik aus Cover-Stücken. Aber Frau Goldberg hat die Rechte nicht bekommen. Zum Glück. Denn die Musik wurde von Alan Menken neu komponiert. Er ist einer der Topshots der Branche. Mit seiner Filmmusik hat er schon acht Oscars gewonnen, unter anderem für «Die Schöne und das Biest». Die neue Musik ist viel besser als die im Film. Der Stil ist natürlich der gleiche. Aber alles ist raffinierter, packender. Und diese Ohrwürmer – unglaublich.

Es ist aber schon so, dass Sie eher Stücke präsentieren, bei denen der Erfolg auch garantiert ist?

Man macht uns manchmal unterschwellig den Vorwurf, dass wir eine bestimmte Produktion nur aus finanziellen Gründen bringen, die sichere Nummer. Das stimmt absolut nicht. In den letzten zwei Jahren haben wir Eigenproduktionen aufgeführt, bei denen wir nicht wussten, wie das Publikum reagieren würde («Summer of ’85» und «95 – Das Musical», Anm. d. Red.). Das Team und ich sind mit Herzblut dabei. Ich lebe das Musical. Ich schwatze als Produzent ständig allen drein und nerve mein Team (lacht). Es ist wirklich auch mein Kind. Aber es ist klar. Wir können hier keine Experimente machen. Dazu stehe ich. Wir müssen schwarze Zahlen schreiben. Wir sind privatwirtschaftlich organisiert. Etwas Psychodelisches liegt da nicht drin. Aber ich muss von einem Stück absolut überzeugt sein, sonst mache ich es nicht. Bei «Sister Act» stimmt in dieser Beziehung einfach alles.

Sehen Sie sich denn beim Le Théâtre in einer ähnlichen Rolle, wie sie die ebenfalls stark professionalisierte Operettenbühne in Sursee für ein ländliches Publikum übernimmt? Einfach für ein urbanes, durch Popmusik sozialisiertes Publikum?

Damit vergleichen wir uns gar nicht, das ist ein anderes Segment. Aber wir finden es gut, dass diese Ensembles sich auch professionalisieren. Das Publikum hat heute mit dem Internet einen so leichten Zugang zu allem, dass es hohe Erwartungen hat. Wären wir heute noch auf dem Niveau wie vor sechzehn Jahren, ich würde es nicht wagen aufzutreten. Wir merken das deutlich an den Zuschauerzahlen. Die stiegen klar, als wir uns professionalisiert hatten.

Diese Professionalisierung ist auch am Plakat ablesbar. Sex sells?

Das Stück hat natürlich an sich schon einen starken Sex-Appeal. Es lebt ja von dieser Spannung zwischen der Enthaltsamkeit der Nonnen und der Hauptdarstellerin aus dem Nachtlokal. Auch sind die Sprüche im Stück teils reichlich frech. Zum Glück sind sie rasch vorbei, sonst müsste man den Kindern in den Zuschauerrängen so einiges erklären (lacht). Billige Sexwerbung ohne Kontext wäre jedoch gar nicht mein Ding.

Sie spielen zum zweiten Mal im Le Théâtre in Emmenbrücke, zuvor war der Standort Kriens. Hat sich der Wechsel gelohnt?

Ganz klar. Das erste Jahr blieb zwar hinter den Erwartungen zurück, das Restaurant und das Theater wurden weniger gebucht als budgetiert. Wir dachten, wir könnten sofort ein Wachstum einfahren. Es ging aber weiter wie in Kriens. Nur sind die Kosten pro Abend natürlich viel höher. Jetzt ist das plötzlich ins Positive gekippt. Die Restaurantzahlen zeigen rasant nach oben, und von Mitte 2018 bis Mitte 2019 ist der Saal 200-mal belegt. Eine Zahl, die wir erst nach fünf Jahren zu erreichen glaubten. Auch der Vorverkauf läuft super. Es ist nach «Flashdance» im Jahr 2013 die am besten verkaufte Produktion unserer bisherigen Geschichte. Interessant ist, dass 70 Prozent der Bestellungen von Frauen kommen. Ruft ein Mann an, kommt oft am Schluss: «Meine Frau hat Geburtstag.»

Und künstlerisch?

Hier kann unser Regisseur Silvio Wey aus dem Vollen schöpfen. Die Bühne ist ja wesentlich grösser als zum Beispiel im Luzerner Theater. Wir können richtig Broadway-mässig arbeiten. Gerade am Wochenende haben wir für «Sister Act» eine grosse LED-Wand installiert, neun Meter hoch und fünfzehn Meter breit. Ich habe mich gefreut wie ein Kind. Als alle gegangen waren, schaute ich alleine Ferienfotos an. Die aktuelle Produktion findet auch auf zwei höheren Ebenen statt. Wir haben Showtreppen, unsere Balletttänzer haben endlich Platz. Kurz gesagt: Der Raum gibt uns eine Dimension und Möglichkeiten, die wir vorher nicht hatten.

Kommen die Sänger wieder aus der halben Welt?

Auf unsere Ausschreibung hin haben sich 700 Künstler gemeldet. 150 von ihnen haben wir eingeladen. Die Amerikanerin Sidonie Smith in der Hauptrolle ist gesanglich und optisch natürlich ein absoluter Glücksfall für uns. Aber auch Aris Sas («Hair») macht wieder mit. Einen Crack wie ihn könnten wir uns eigentlich nicht leisten, aber ihm gefällt es zum Glück bei uns. Da das Stück weniger tanzlastig ist, konnten wir auch acht Schweizer Sängerinnen engagieren, so zum Beispiel Tiziana Gulino, «The Voice of Switzerland» 2014, oder Chanelle Wyrsch, Fünfte bei Dieter Bohlen, die mit ihrem Image als Sexbombe auch auf der Bühne völlig locker spielt. Auch dabei: Ronja Borer, die Tochter von Bo Katzman, oder Maja Lu­thiger aus Zug. Aus Luzern und Umgebung kommen natürlich wieder die Kinder, die dieses Jahr Ministrantinnen spielen.

Roman Kühne

Premiere: Samstag, 15. Dezember, 19.30

«Sister Act» im Le Théâtre in Emmen. Vorführungen bis und mit Sonntag, 27. Januar. Vorverkauf: www.le-theatre.ch, Tel. 041 348 05 05.

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