Neuer Spielplan des Theaters St.Gallen:
Die «Letschti Rundi» ist schon angekündigt 

Gestern hat das Theater St.Gallen den neuen Spielplan vorgestellt: Franz Kafkas «Prozess» wird mit Puppenspielern inszeniert, Opernfreunde dürfen sich auf Dvořáks «Rusalka» freuen und  in «Letschti Rundi» feiert sich das Theater vor dem Umzug selbst.

Martin Preisser
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Geschäftsführender Direktor Werner Signer, Operndirektor Peter Heilker, Tanzchef Kinsun Chan und Schauspieldirektor Jonas Knecht. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Geschäftsführender Direktor Werner Signer, Operndirektor Peter Heilker, Tanzchef Kinsun Chan und Schauspieldirektor Jonas Knecht. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Das Theater St. Gallen gebe in seiner letzten Saison vor dem Umbau nochmals richtig Vollgas, verspricht Werner Signer, der geschäftsführende Direktor. Giftgrün und lila sind die Farben des neuen Gesamtprogramms von Konzert und Theater St. Gallen, und mit einem recht farbigen Angebot präsentieren sich auch die einzelnen Sparten.

Puppenspieler aus Berlin zu Gast in St. Gallen

Zwei Auftragsstücke und eine spezielle «Schlussrunde» stechen aus dem Theaterprogramm der neuen Saison 2019/20 heraus: Anita Augustin hat Franz Kafkas «Prozess» als Bühnenstück eingerichtet. Zehn Puppen werden die Schauspielcrew auf der Bühne ergänzen. Die Puppenspieler sind Studierende der renommierten Ernst-Busch-Hochschule in Berlin (10. Januar).

Wie geht es Menschen, die vor langer Zeit in die Schweiz eingewandert sind, wie erfolgreich konnten sie sich behaupten? Oder: «Welche Verletzungen kostet das Leistungsspiel Integration?» Diesen Fragen geht Ivna Žic in ihrem neuen Stück «Die Gastfremden» nach, das die Reihe junger Schweizer Dramatiker auf der St. Galler Theaterbühne fortsetzt. (Uraufführung: 23. April). Erstmals in der Schweiz zu sehen ist zudem das Theaterstück «Die Anschläge von nächster Woche», in dem der Autor Thomas Arzt danach fragt, was Angst mit den Menschen macht (12. September).

Ein letztes Stück im alten Haus

Das ganze Haus wird schliesslich im Projekt «Letschti Rundi» bespielt. Figuren aus 52 Jahren St. Galler Theatergeschichte beleben alle Räume des Theaters in einer farbigen Schlussrunde vor dem Umzug ins Provisorium (28. Mai 2020).

Sieben Opern-Premieren

Die sieben Premieren im Bereich Oper wollen alle «die Phänomen Hoffnung, Enttäuschung und Wahrheit immer wieder auf völlig andere Weise beleuchten», sagt Operndirektor Peter Heilker. Die Opernfreunde dürfen sich zum Start auf Dvořáks «Rusalka» freuen, auf die Fee, die sich in der Menschenwelt nicht zurechtfindet (21. September).

Charles Gounods «Faust» bringt in seiner Oper den Helden nicht schwer, sondern als französischen Liebhaber auf die Bühne (26. Oktober). Erstmals in St. Gallen zu sehen ist «Die schöne Helena» von Jacques Offenbachs, eine operettenhafte Oper (7. Dezember).

George Benjamins «Lessons in Love and Violence»

Erstmals in der Schweiz zu sehen sind die «Lessons in Love and Violence» von George Benjamin, dessen Oper «Written on Skin», 2015 in St. Gallen uraufgeführt, viel internationale Beachtung gefunden hat. Peter Heilker hat Benjamins neue Oper 2018 in Covent Garden gesehen und für hier eine spannende Neuinszenierung programmieren können (8. Mai 2020).

Verdis «Stiffelio» auf dem Klosterplatz

Für die St. Galler Festspiele 2020 ist wiederum eine unbekanntere Oper auf dem Klosterplatz geplant, Giuseppe Verdis «Stiffelio», ein Liebesdrama um einen evangelischen Pfarrer (26. Juni 2020). Und im Musicalbereich wird mit Spannung auf die Uraufführung der «Wüstenblume» gewartet, ein aufwühlendes Stück zum Thema weibliche Genitalverstümmelung und über die Geschichte des afrikanischen Supermodels Waris Dirie (22. Februar).

Gustav Mahlers fünfte Sinfonie

Die Latte hoch gelegt hat sich das Sinfonieorchester St. Gallen mit Gustav Mahlers fünfter Sinfonie (28. Mai 2020). «Das ist auch ein Testlauf für das Orchester und seine aktuelle Entwicklung», sagt Konzertdirektor Florian Scheiber. Das Orchester geht in die zweite Saison mit Chefdirigent Modestas Pitrenas. Zwei CDs wird es einspielen, eine mit Rachmaninow und der Pianistin Anna Fedorova, die andere mit der lettischen Sopranistin Marina Rebeka und Arien aus dem französischen Opernfach.

Das Orchester gastiert im Concertgebouw Amsterdam

Ein Höhepunkt für das Orchester dürfte sicher der Auftritt im Amsterdamer Concertgebouw sein, einem der akustisch besten Konzertsäle der Welt. Die St. Galler Tonhallekonzerte präsentieren in der nächsten Saison einen Mix aus dem traditionellen, schwerpunktmässig romantischen Repertoire und einigen Komponisten, die man vielleicht neu entdecken kann, wie etwa Arnold Bax oder den Letten Pēteris Vasks. Auch die intimere Meisterzyklusreihe wartet mit Überraschendem auf, etwa dem unlängst erst entdeckten Klavierquartett von Bartók.

Spielplan: www.theater.sg