Interview

«Wir sind deine Bühne»: die Thurgauer Plattform Thurgaukultur will regionale Künstlerinnen und Künstler streamen

Öffentlich darf Kultur nicht mehr stattfinden, wegen Corona müssen alle Veranstaltungen abgesagt werden. Wie kommen regionale Kunstschaffende so noch zu Sichtbarkeit und zu einem Publikum? Die kantonale Kulturplattform Thurgaukultur hilft: Sie will Kulturangebote streamen, damit lokale Künstler nicht vergessen gehen.

Julia Nehmiz
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Publikum und Künstler müssen draussen bleiben: Blick in die leere Kunsthalle Arbon. Der Ausweg: Ein Streaming der Kulturangebote

Publikum und Künstler müssen draussen bleiben: Blick in die leere Kunsthalle Arbon. Der Ausweg: Ein Streaming der Kulturangebote

Bild: Ladina Bischof

Auf Facebook und Twitter macht der Aufruf die Runde: Schickt Eure Angebote, Thurgaukultur schaut, wie man sie streamen kann. Warum es auch in der Corona-Krise lokales Kunstschaffen braucht, weiss Michael Lünstroth, Redaktionsleiter der kantonalen Plattform Thurgaukultur.

Warum will Thurgaukultur Kunstschaffen streamen?

Michael Lünstroth: Wir haben uns mit der Corona-Krise auseinandergesetzt, was heisst das für uns und für die Kulturschaffenden? Und wir haben gefunden, wir wollen helfen, wir wollen etwas dazu beitragen, dass es Künstlerinnen und Künstlern in dieser schweren Phase leichter macht. Wir können unsere Plattform zur Verfügung stellen, um Sichtbarkeit zu erzeugen. Also einerseits den Künstlern helfen, die keine Bühnen mehr bespieln können. Und andererseits dem Publikum helfen, um ein Kulturangebot aufrecht zu erhalten, dass es sonst nicht mehr gibt.  

Michael Lünstroth, Redaktionsleiter Thurgaukultur

Michael Lünstroth, Redaktionsleiter Thurgaukultur

Bild: PD

Wer darf mitmachen? Nur Thurgauer Künstlerinnen und Künstler?

Unser Angebot richtet sich primär an Thurgauer Kulturschaffende und soll darauf fokussieren, was im Thurgau passiert. Das ergibt sich ja schon aus unserem Namen. Aber: Während die Grenzen geschlossen werden, bleiben wir offen. Wir haben schon Anfragen aus Konstanz erhalten. Und wir wären offen für Künstlerinnen und Künstler aus den an den Thurgau angrenzenden Gebieten wie St. Gallen oder Winterthur.

Wie ist denn die Resonanz auf Ihr Angebot?

Wir haben sehr gute Rückmeldungen erhalten. Unser Aufruf wird als Wertschätzung wahrgenommen, und genau das soll es ja auch sein. Was letztlich dabei rauskommt, werden wir sehen. Aber das Zeichen «Wir sind für Euch da, auch in schwierigen Zeiten», das ist gesetzt.

Gibt es schon konkrete Streamingpläne?

Wir haben ein paar Ideen und sind im Gespräch mit dem Kunstmuseum in der Kartause Ittingen, mit dem transitorischen Museum Pfyn, was wir da für Angebote entwickeln können. In den kommenden Tagen wollen wir ausarbeiten, wie viel wir machen können. Alles werden wir nicht abdecken können, aber wer Lust hat, soll sich bei uns melden.

Die Sparte ist egal?

Alle sind willkommen! Wir werden keine Sparte ausschliessen. Musik, Theater, Kunst, Literatur – alles kann gestreamt werden.

Die holländische Band DeWolff  spielte am 14.3.2020 in einer leeren Halle in Maastricht und streamte das Konzert auf Facebook.

Die holländische Band DeWolff  spielte am 14.3.2020 in einer leeren Halle in Maastricht und streamte das Konzert auf Facebook.

Marcel Van Hoorn / EPA

Und wie soll das technisch umgesetzt werden?

Auf relativ einfacher Basis: Mit Smartphone, Stativ, Selfie-Stick und einem guten Mikrofon sind Sie gut gerüstet für einen Live-Stream. Es wird keine Hochglanzproduktionen geben, ehre eine raue Ästhetik, aber das passt ja ganz gut zur aktuellen Lage. Das Angebot werden wir über unsere Facebookseite streamen.

Im Lockdown werden Live-Streams schwierig sein.

Das werden wir alles eruieren. Wenn unsere Korrespondentinnen und Korrespondenten nicht filmen und streamen können, könnten das die Institutionen vielleicht selber machen und wir verlinken das dann.

Wie finanzieren Sie das?

Wir haben ein monatliches redaktionelles Budget. Das werden wir vermehrt für Streams anstatt für Texte einsetzen. Was mir noch wichtig ist: Wir bieten den Künstlerinnen und Künstlern an, am Ende des Streams einen Spendenaufruf zu lancieren, die Zuschauer könnten so eine Art Hutgeld für die Künstler zahlen. 

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