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Zur Eröffnung der Art Basel - «Wir retten den Kunstmarkt», sagt App-Entwickler Magnus Resch

Magnus Resch hat eine App entwickelt, die uns sagt, vor welchem Kunstwerk wir stehen und wie viel es kostet. Kürzlich ist gar der Hollywoodstar Leonardo DiCaprio als Investor eingestiegen. Doch nicht alle Galeristen sind vom Nutzen der App überzeugt.
Christina Genova
Wenn man das Kunstwerk mit der App fotografiert, erfährt man den Preis. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone (Basel 12. Juni 2018))
90 Prozent der Besucher der Art Basel kauften keine Kunst, sagt Magnus Resch. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone (Basel, 12. Juni 2018))
Die Installation «I miss Socialism, maybe» von Nedko Solakov ist an der Art Unlimited zu sehen. (Bild: Art Basel)
3 Bilder

«Wir retten den Kunstmarkt»

Tiefzustapeln ist nicht seine Sache: «Wir retten den Kunstmarkt», sagt Magnus Resch selbstbewusst. Und er weiss auch wie: «Wir müssen den Markt transparenter machen.» Das heisst konkret, dass Resch die Preise für Kunstwerke offenlegen will. Die dazu nötige Wunderwaffe hat er bereit: Es ist eine kostenlose App, die er nach sich selbst benannt hat.

«Magnus» funktioniert ganz einfach: Man macht mit der App ein Foto des Kunstwerks, dessen Preis man erfahren will. Ist es in der Datenbank vorhanden, erhält man innert weniger Sekunden die gewünschten Informationen. Die App funktioniert für Gemälde und Papierarbeiten; Skulpturen zu identifizieren ist technisch noch nicht möglich.

Wir treffen uns an der Vorbesichtigung der Art Basel, die heute offiziell eröffnet. Die wichtigste Kunstmesse der Welt ist so etwas wie der natürliche Lebensraum des jungen Unternehmers. Magnus Resch, 34-jähriger Doktor der Betriebswirtschaft, hat in St. Gallen, Harvard, Hongkong und London studiert. Er scheint an der Art bekannt zu sein wie ein bunter Hund: Ständig wird er angesprochen. Resch, der in New York lebt, ist denn auch nach Basel gereist, um sein Netzwerk zu pflegen.

Bald eine Million Downloads - Leonardo DiCaprio als Investor

Ein Rundgang durch die riesigen Messehallen der Art Basel, wo 290 Galerien Werke von 4000 Künstlern präsentieren, zeigt: An keinem Gemälde und keinen Installationen und Skulpturen ist ein Preisschild ist zu sehen, und es liegen auch keine Preislisten offen auf. Das stört Magnus Resch: «Es wird einem ­unglaublich schwer gemacht, ein Kunstwerk zu kaufen.» Es sei überholt, aus dem Preis ein Geheimnis zu machen: «Unsere Generation tickt anders», sagt er mehrmals. Es sei unangenehm, den Galeristen nach dem Preis zu fragen, man wolle selbst entscheiden: «Ist das meine Preisklasse oder nicht?»

Magnus Resch hat in seine App sehr viel eigenes Geld gesteckt. Verdient hat er es mit einer von ihm entwickelten Fitness-App, die er erfolgreich an Pro 7/Sat 1 verkauft hat. Mit der «Magnus»-App, die seit zwei Jahren erhältlich ist, verdient er noch kein Geld, mittelfristig soll jedoch ein kostenpflichtiger Premium-Account für Sammler eingerichtet werden. «Magnus» kommt an: Bald wird die App die Grenze von einer Million Downloads knacken.

Ausserdem wurde im Februar bekannt, dass der Hollywoodstar und Kunstsammler Leonardo DiCaprio als Investor in das Unternehmen eingestiegen ist. 40 Mitarbeiter beschäftigt Resch mittlerweile, doch um die Datenbank zu vergrössern, ist er auf die Nutzer seiner App angewiesen. Sie füttern sie laufend mit den noch fehlenden Informationen, Crowd-Sourcing, nennt man das.

Schwellenängste abbauen, Kunstverkäufe ankurbeln

Fabian Walter ist Präsident des Verbandes Schweizer Galerien. Seit 35 Jahren führt er eine Galerie in Zürich. Von der «Magnus»-App hat er noch nie etwas gehört. Der Argumentation von Resch kann er wenig abgewinnen. An einer Messe wie der Art Basel könne man jeden Preis erfragen, man müsse sich halt darum bemühen: «Wer fragt, beweist auch eine gewisse Ernsthaftigkeit.» Ausserdem ergebe sich dadurch die Chance auf einen Dialog mit dem Galeristen.

Magnus Resch betont, dass seine App das Gespräch mit dem Galeristen nicht ersetze und auch nicht dessen wichtige Aufgabe, die Künstler auszuwählen. Der smarte Unternehmer ist ­jedoch überzeugt davon, dass Preis­transparenz helfe, Schwellenängste abzubauen und die Kunstverkäufe anzukurbeln. Das sei bitter nötig, denn: «Es gibt zu wenig Käufer.» Resch, der seine Dissertation über das Management von Kunstgalerien geschrieben und damit eine Bestseller gelandet hat, kennt die Zahlen: Von 2006 bis 2016 hätten die weltweit verkauften Werke um 20 Prozent abgenommen. Der Umsatz in diesem Zeitraum sei nur gleich geblieben, weil die Preise im Premiumsegment gestiegen seien.

"Eine App für Voyeure"

Zumindest darüber, dass der Konkurrenzkampf um die Gunst der wenigen Sammler und erfolgreichen Künstler in einem globalisierten Kunstmarkt immer härter wird, sind sich Resch und die Galeristen einig. Der Verband Kunstmarkt Schweiz (VKMS) schätzt, gestützt auf Zahlen von «The Global Art Gallery Report» von 2015, dass gegen 60 Prozent aller Kunstgalerien weltweit unrentabel wirtschaften, und vermutet, dass diese Zahlen auch für die Schweizer Galerienszene gelten dürften. Der VKMS geht davon aus, dass in der Schweiz in den letzten fünf Jahren gegen 50 Galerien ihr ­Geschäft geschlossen haben, und nimmt an, dass dieser Schrumpfungsprozess weiter anhalten werde. Heute gibt es in der Schweiz 100 bis 120 professionell arbeitende Galerien.

Fabian Walter sieht in der Offen­legung der Preise für Kunstwerke vor ­allem Nachteile. Es bestehe die Gefahr, dass sich Fehler einschlichen und dadurch die Käufer verunsichert würden. Es sei ausserdem schwierig, den Leuten zu vermitteln, dass ein Preis sich je nach Angebot und Nachfrage und Bedeutung des Künstlers oder des Kunstwerks entwickle. Sein abschliessendes Urteil über die App ist vernichtend: «Ich denke, es ist etwas für Voyeure.» Für Magnus Resch jedoch sind Walters Aussagen ein Beweis für die extreme Resistenz des Kunstmarktes gegen jeglichen Wandel. Trotzdem erhält er von bereits 40 an der Art Basel vertretenen Galerien unaufgefordert deren Preislisten. Obwohl man ihm prophezeit hat, dass er die Preise nie kriegen werde. Es gebe kein Zurück: «Der Tornado ist jetzt in Fahrt.»

Kunst nicht nur in der Messehalle, sondern auch in der Stadt

Die 1970 gegründete Art Basel ist mit ihren Ablegern in Miami Beach und Hongkong die bedeutendste Kunstmesse der Welt. Im Hauptsektor «Galleries» stellen 290 Galerien aus 35 Ländern ­moderne und zeitgenössische Kunst aus. An der «Art Unlimited», die sich dieses Jahr erstmals im Obergeschoss der Halle 1 befindet, werden Werke gezeigt, die aufgrund ihrer Grösse die Dimensionen eines traditionellen Messestandes sprengen.

An die Art Basel ist ein Filmprogramm gekoppelt, das im Stadtkino Basel läuft. Es beinhaltet 16 Film- und Videoarbeiten. Die Gesprächsreihe «Conversations» bietet Künstlern, Galeristen, Kuratoren und Kritikern eine Diskussionsplattform.

Bei «Art Parcours» werden 23 ortsspezifische Kunstwerke rund um den Basler Münsterplatz aufgestellt. Auf dem öffentlichen Messeplatz präsentieren Lara Almarcegui, Isabel Lewis und Recetas Urbanas das Projekt «Basilea». Es soll zum Nachdenken über die Möglichkeiten der Stadt ermutigen. (gen)

Hinweis: Art Basel, Messeplatz, Hallen 1 und 2, Do bis So, 11–19 Uhr.

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