«Wir müssen die Veranstaltungen im Palace nicht komplett neu denken»: Das St.Galler Kulturlokal öffnet nach halbjähriger Pause wieder

Am 3. September startet das St.Galler Palace in die neue Saison. In den kommenden Monaten finden dort wieder Konzerte statt – mit weniger Gästen und mehr Schweizer Bands als sonst.

Roger Berhalter
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Die Musikerin Joell Nicolas alias Verveine stellt am 19. September ihr erstes Album im Palace vor.

Die Musikerin Joell Nicolas alias Verveine stellt am 19. September ihr erstes Album im Palace vor.

Bild: Jade Varidel

Nach der Corona- kam die Sommerpause: Nur an einem einzigen Abend war das Palace St.Gallen seit Mitte März geöffnet. Das Frühlingsprogramm fiel ins Wasser, und Johannes Rickli und Fabian Mösch von der Programmleitung waren wochenlang damit beschäftigt, Konzerte zu verschieben und abzusagen. Jetzt freut sich Mösch, endlich «zurück ins Machen» zu kommen. Heute öffnet das Palace wieder; am 19. September findet mit dem Schweizer Doppel Buvette und Verveine das erste Konzert seit langem statt.

Natürlich muss sich auch das Palace der Pandemie anpassen. Ein volles Haus bleibt bis auf weiteres undenkbar, sagt Johannes Rickli:

«Wir werden weniger Leute hereinlassen. Unsere Gäste sollen Platz haben und sich wohlfühlen.»

Zudem müssen sich alle Besucher registrieren. Abgesehen davon sollen die Abende im Palace aber möglichst vertraut wirken.

«Wir müssen die Veranstaltungen im Palace nicht komplett neu denken», sagt Fabian Mösch. In den letzten Monaten, als das Tagesgeschäft wegfiel, sei viel Zeit geblieben, um «über das grosse Ganze zu reden» und grundsätzlich über den Kulturbetrieb nachzudenken.

Mit anderen Clubs zusammenspannen

Die Palacebetreiber haben aber kaum mit neuen Veranstaltungsformen experimentiert (abgesehen von ein paar Ausgaben der Diskussionsreihe «Erfreuliche Universität», die während des Lockdowns als Stream gesendet wurde). Sie stärkten lieber im Hintergrund die Kontakte zu anderen Schweizer Konzertlokalen.

Fabian Mösch (links) Johannes Rickli, die beiden Programmchefs des Palace.

Fabian Mösch (links) Johannes Rickli, die beiden Programmchefs des Palace.

Bild: Benjamin Manser (17. Oktober 2018)

Gemeinsam holen sie diesen Herbst nun deutsche Bands ins Land. Auch viele Schweizer Musikerinnen und Musiker geben sich im Palace die Ehre. Eine US-amerikanische Band hingegen wird wegen Corona nicht so bald auf der Palacebühne stehen.

Jeans for Jesus: Statt im April jetzt im Oktober

Ein Blick in den Herbstkonzertkalender führt zu einigen Déjà-vus: So hätten zum Beispiel die Berner Jeans for Jesus, die am 16. Oktober angesagt sind, schon im April auftreten sollen. Die zwei Programmleiter betonen aber, dass es sich beim aktuellen Herbstprogramm keineswegs nur um ein «verwurstetes Frühlingsprogramm» handle. «Wir sind sehr zufrieden mit dem Programm und hätten alle Abende auch ohne Corona so gemacht», sagt Johannes Rickli.

Zum Beispiel der 24. Oktober mit Alien Transistor, dem Label der beiden Brüder Markus und Micha Acher von Notwist. Die deutsche Indieband ist im Palace gern gesehen; jetzt bringen die Musiker die Bands Fehler Kuti, Schnitt und Saroos nach St.Gallen.

Sitar mit DJ

Besonders quirlig dürfte der 26. September werden, wenn der pakistanische Sitarspieler Ashraf Sharif Khan zusammen mit dem Hamburger DJ Viktor Marek auftritt. Am 3. Oktober tauft die Rorschacher Pop-Band Panda Lux ihr zweites Album «Fun Fun Fun» – inklusive Streicher-Ensemble!

Die bekannten Reihen «Erfreuliche Universität», «Hey Hey Bar» und «Soul Gallen» gehen weiter, auch Bassist Patrick Kessler führt seine Klangexperiment-Serie mit dem Chuchchepati Orchestra weiter.

«Teamfeminist9000» für mehr Diversität

Innerhalb des Palace hat sich zudem eine feministische Gruppe gebildet, um einen Gegenpol zur männerdominierten Musikindustrie zu setzen. Das «Teamfeminist9000» rund um die St.Galler Musikerin Claude Bühler möchte, dass sich beim Organisieren und Durchführen von Konzerten mehr Frauen beteiligen. Am 24. September ist die Gruppe erstmals hinter und vor der Bühne aktiv.

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