Winterreise mit Britten

Ian Bostridge kombiniert an der Schubertiade Schwarzenberg Brittens «Winter Words» mit Schuberts «Winterreise»: Alles andere als frostig.

Bettina Kugler
Merken
Drucken
Teilen

Der Jubilaren-Contest 2013 geht zweifellos an Richard Wagner; schon Verdis Ruhm verblasst derzeit im schier endlosen Reigen an Wagner-Geburtstagsevents. Dass auch noch Britten-Jahr ist, mag mancher hierzulande noch nicht einmal gemerkt haben. Zumal der vor hundert Jahren in Suffolk geborene Komponist nicht mehr so populär ist wie zu Lebzeiten; man kennt vor allem sein monumentales «War Requiem».

Schubert, unvollendet

Umso mehr ist Ian Bostridge 2013 auf Britten-Mission; neben zahlreichen Liederabenden, die er Britten widmet, hat der blitzgescheite Tenor die wichtigsten Zyklen auch auf CD aufgenommen. Einen davon, «Winter Words», stellte er in Schwarzenberg der «Winterreise» gegenüber. Denn Schubertjahr ist immer an der Schubertiade. Bostridge mag die «Winterreise» hier oft genug gesungen haben; als auf Nuancen bedachter Interpret wird er nie fertig damit. Zudem zeigt die Verbindung beide Komponisten in neuem Licht, auch wenn Bostridge nur den ersten Teil der abendfüllenden «Winterreise» singt – dafür aber noch eine Auswahl skurriler, farbenreicher Miniaturen des Amerikaners Charles Ives; mit Julius Drake am Flügel kann er sich viel Freiheit nehmen.

Hitzig und unbehaglich

Gleichwohl lässt sich trefflich streiten über Bostrigdes Hang zu Übertreibungen und Exaltiertheit, oft auch auf Kosten der Intonation. Er mag es eben hitzig, gerade wenn's barfuss durch den Schnee geht. Behaglich am Kamin käme er seiner Welt abhanden.