Winter- Kapitulation

Im grünen Bereich

Bruno Knellwolf
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Vor kurzem noch standen der Bananenbaum, die Clivia, ein Amaryllisgewächs aus Südafrika, der Zitronenbaum und der grüne Palmfarn aus Italien draussen in Wind. Die An­drohung der ersten Frostnächte war dann Anlass genug, die Exoten aus dem Süden in die Garage zu zügeln. Nichts Angenehmes. Zum einen, weil die dazugehörenden Töpfe mit der feuchten Erde drin dem Rücken beim Tragen arg zusetzen. Noch schlimmer ist aber das psychische Leiden, welches der Transport auslöst. Denn dieser Umzug der Pflanzen in die stetig zwölf Grad warme Garage ist eine Kapitulation gegenüber dem Winter. Kälte und Dunkelheit haben gesiegt – man erkennt, dass eine wärmeliebende Kreatur bis im April nicht mehr natürlich existieren kann.

Doch nun ist es plötzlich wieder wärmer geworden. Da sieht man die Sommerpflanzen in der dunklen Garage stehen und sorgt sich um deren durch Lichtmangel gestörte Foto­synthese. Sieht die Blüten am Zitronenbaum und überlegt sich, die Pflanzen gleich wieder aus der Garage ans Licht zu bringen. Doch kaum ist der Gedanke gereift, wird es schon wieder dunkel und kalt.

Bruno Knellwolf