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Ein Thurgauer spielt Sam Hawkens

Fünf Ostschweizer machen bei den dritten Winnetou-Freilichtspielen «Winnetou und der Ölprinz» in Engelberg mit.
Dieter Langhart
Wilder Westen zuhinterst im Engelberger Tal: Thomas Götz, David M. Zurbuchen, Michael Enzler, Jean Grädel (v. l.). (Bild: Dieter Langhart)

Wilder Westen zuhinterst im Engelberger Tal: Thomas Götz, David M. Zurbuchen, Michael Enzler, Jean Grädel (v. l.). (Bild: Dieter Langhart)

Engelberg ist noch ausgeschildert, hinter dem Dorf beginnt der Wilde Westen, dahinter liegt der Tätschbachwasserfall, der schlicht «Wasserfall» genannt wird, und das Restaurant heisst ebenfalls Wasserfall. Das Tal steigt noch weiter an, die schmaler werdende Engelberger Aa verliert sich zwischen den Felsen – hinter einer riesigen Tribüne, die sich in den Weg stellt. Davor stehen Tipis, Baracken, Saloon, daneben ein Stall für die Pferde. Wir sind an einem herrlichen Ort angelangt und bei Winnetou III. Bei Karl May, der mit seinen Büchern in etwa einem Dutzend Festspielen weiterlebt – die bekanntesten sind in Bad Segeberg und Elspe. Und seit 2017 in Obwalden.

Nach einem fulminanten Start floppte die zweite Auflage in Engelberg. Das lag nicht an Jean Grädels Regie, das lag an schwindenden Zuschauerzahlen. Manche werden sich gedacht haben, «da war ich doch schon letztes Jahr». Der erfah­rene Thurgauer Theatermann wollte es wissen, sagte für «Winnetou und der Ölprinz» erneut zu, stellte aber Bedingungen, bei den Veranstaltern wie bei Tom Volkers, Produzent und Hauptdarsteller: «Mehr Action, mehr Reitszenen, mehr Komik, mehr Pyrotechnik – aber kein Risiko.»

Neun Vorstellungen mit 
drei gebrochenen Rippen

Theaterregisseur Jean Grädel (Bild: Reto Martin)

Theaterregisseur Jean Grädel (Bild: Reto Martin)

Grädel hat intensive Erfahrung mit Festspielen, etwa «Faust» in Zürich, «No e Wiili» in Stein am Rhein, arbeitet wie ein Filmregisseur, statt Szenen aneinander zu reihen. Der 76-Jährige ist 33 Jahre geritten, das kommt ihm in Engelberg zugute. Und er hat in Engelberg drei erfahrene Ostschweizer mit dabei: David Matthäus Zurbuchen, Michael Enzler, Thomas Götz. Es wären deren vier gewesen; Collin Siegfried zog einen Filmauftrag vor.

David Zurbuchen als Sam Hawkens. (Bild: PD)

David Zurbuchen als Sam Hawkens. (Bild: PD)

Der Frauenfelder David Zurbuchen war vom ersten Engelberger Jahr an dabei, spielte kleinere Rollen («neun Vorstellungen mit drei gebrochenen Rippen») und half bei der Organisation mit. In den Achtzigern hatte er im Theater an der Winkelwiese gearbeitet, dann ein Theater im Tessin gegründet und Jean Grädel als Coach beigezogen, in weiteren Truppen mitgespielt. Dann kam Engelberg; seit Winnetou II spielt er den skurrilen Sam Hawkens («wenn ich mich nicht irre»).

Thomas Götz als Scout Poller. (Bild: PD)

Thomas Götz als Scout Poller. (Bild: PD)

Den Weinfelder Thomas Götz kennt jeder Thurgauer und fast jeder Ostschweizer – sein Satireprogramm «Ergötzliches» ist seit Jahren ausverkauft; er spielt regelmässig bei der Bühni Wyfelde mit und tritt gern in seiner Paraderolle als Napoleon Bonaparte auf. Grädel fragte Götz für Winnetou III an – nicht die erste Zusammenarbeit. «Ich spiele gern in einem Ensemble mit», sagt Thomas Götz. In «Winnetou und der Ölprinz» mimt er Scout Poller in der Auswanderergruppe – und läuft zu den Banditen über.

Michael Enzler als Bankier Rollins. (Bild: PD)

Michael Enzler als Bankier Rollins. (Bild: PD)

Michael Enzler ist in St. Gallen aufgewachsen, war als Clown mit einem Zirkus unterwegs und veranstaltete Theaterspaziergänge, lernte Drehbuchautor. Heiligabend 2018 kam er ans Vorsprechen zum dritten Winnetou-Stück. Enzler spielt den Bankier Rollins, dem der Ölprinz mit Hilfe seines Stiefbruders und Bandenanführers eine dubiose Ölquelle andrehen will.

Näher am Buch als an der Verfilmung

Szene aus «Winnetou und der Ölprinz». (Bild: PD)

Szene aus «Winnetou und der Ölprinz». (Bild: PD)

«Das ist ein richtiger Western mit einer Unmenge an komischen Szenen», sagt Jean Grädel zu seiner Inszenierung. Er bezeichnet sie als Welturaufführung, schiebt bestehende Bühnenfassungen locker zur Seite, sagt: «Wir sind näher am Buch als am Film, auch wenn wir die vierhundert Seiten eindampfen mussten.»

Regisseur Grädel fordert seine Mannen. Das beinhaltet naturgemäss auch «befohlenes Warten», sagt Thomas Götz, und David Zurbuchen ergänzt: «Das ist Knochenarbeit: vor der grossen Bühne legen wir einige Kilometer zurück.» Auch der Regisseur – während der Proben waren es laut App 16000 Schritte jeden Tag. Und David Zurbuchen hat gelernt, Pferde zu satteln, eine Beziehung zu den Tieren aufzubauen, die eine wichtige Rolle im Stück spielen. Über ein Dutzend sind es, darunter sechs Freiberger, die auch schon des Nachts ausgebrochen sind. Der Bayer Lajos Drén führt sie als Stuntleiter, auch in Bade Segeberg. «Vor zwanzig Jahren konnten viel mehr Schauspieler noch reiten», wirft Grädel ein.

«Wir sind verrückt – aber wir sind eine gute Bande», sagt David Zurbuchen. Und im Gespräch fällt noch ein fünfter Ostschweizer Name: Verena Vaucher aus Weinfelden. Sie ist Jean Grädels Assistentin.

Hinweis

Bis 10.8., www.winnetou.ch

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