Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Willi Oertig: Perfekte Momente der Leere

Er male Bilder auch wegen der «reichen Welt» in sich, sagt der Thurgauer Künstler Willi Oertig, ein wichtiger Exponent der aktuellen zeitgenössischen Landschaftsmalerei.
Martin Preisser
Willi Oertig vor seiner Arbeit «Leeres Bild im Atelier» (Öl auf Leinwand). (Bild: Jonny Schai)

Willi Oertig vor seiner Arbeit «Leeres Bild im Atelier» (Öl auf Leinwand). (Bild: Jonny Schai)

Er male Bilder auch wegen der «reichen Welt» in sich, sagt der Thurgauer Künstler Willi Oertig, ein wichtiger Exponent der aktuellen zeitgenössischen Landschaftsmalerei. Dabei bildet er nie eine einfache Realität ab, sondern zeigt eigene Landschaften als ein Beeindrucktsein von speziellen Momenten. Es sind Momente der Leere, der Menschenleere, der Kühle und oft der Dunkelheit. In seinen Arbeiten zeigt sich Oertig als virtuoser Gestalter spannender Ausschnitte, ungewohnter Perspektiven und gewagter Diagonalen.

Scheinbar Bekanntes wirkt dadurch nicht selten beunruhigend. Wobei hinter seiner Bildsprache keine Strategie stecke, wie Oertig betont. «Ein Bild ist ein Bild», sagt er, dem unlängst auch eine Einzelausstellung im Kunstmuseum Thurgau gewidmet war. Oertig gestaltet mit viel malerischer Sorgfalt und einer fast geheimnisvollen Genauigkeit seine leeren Plätze, seine nächtlichen Blickwinkel, Tankstellen im Dunkel und ganz viel die Welt von Eisenbahnen, Hochgeschwindigkeitszügen oder U-Bahnen. «Ich sehe einfach eine bestimmte Situation, die ich zum Bild machen will. Es ist immer mit Zufall verbunden, was mich motivisch reizt», sagt er und bietet dem Betrachter seiner leeren, offenen, grosszügigen, manchmal surreal wirkenden Bilder quasi unbespielte Bühnen für noch ungeschriebene Szenen, Geschichten oder Choreographien an.

«Das Bild bin ich»

Oertigs Bilder (die Galerie Roellin zeigt eine dichte Werkschau der letzten dreizehn Jahre) könnten überall sein, auch wenn der Maler immer bestimmte Situationen in seiner näheren Umgebung oder auf Reisen festhält. «Das Bild bin ich», sagt Willi Oertig, der von seinem vollen Innenleben erzählt. Ein «bewegter Mensch» sei er. Und in diesem Sinne wirken die Arbeiten fast wie ein bewusstes Leer-Werden von Eindrücken dieses dichten Innenlebens. Die Bilder können auch als Chiffren für Einsamkeit und Melancholie in einer urbanen Welt gelesen werden.

Licht und Schatten

Autodidakt Willi Oertig hat als Naiver angefangen, manche Details seiner Bildräume erinnern noch entfernt daran. Mehr und mehr geht er den Weg der Abstraktion. In der Roellin-Ausstellung gipfelt diese Richtung in einem aktuellen Bild einer U-Bahn-Station, wo Gleise und Bahnsteige zu faszinierenden Studien leerer Fläche werden, zu ganz reduzierten Farbspielen aus Licht und Schatten – letztere eine weitere Facette von Willi Oertigs intensiven Blickweisen.

Bis 26.10.; Galerie Roellin (Talhofstrasse 11)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.