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Wilhelm Tell schiesst auf die Banane

So richtig Fahrt nimmt das Clown-Stück "Foottit und Chocolat" des Theaters Konstanz nach der Pause auf. Die Premiere endete Mitte Juni wegen Sturms nach dem ersten Teil. Der zweite beweist, wie gelungen dieses Zirkusspiel mit dem Thurgauer Clown Olli Hauenstein ist.
Martin Preisser
Ramsès Alfa und Olli Hauenstein. Bild: Bjørn Jansen/Theater Konstanz

Ramsès Alfa und Olli Hauenstein. Bild: Bjørn Jansen/Theater Konstanz

Clowns sind tragisch und man lacht über sie, heisst es in «Foottit und Chocolat». Das Stück um den ersten schwarzen Clown ist tragisch und man lacht darüber. Oft bleibt einem das Lachen im Hals stecken. Nicht erst, wenn Chocolat stirbt, sondern schon dann, wenn er polizeiliche Gewalt erlebt. Und Erniedrigung und Spott sowieso, immer wieder, und oft ganz versteckt.

Das Premierenpublikum hat nur den ersten Teil gesehen, wegen eines Gewitters musste die Vorstellung Mitte Juni abgesagt werden. Richtig Fahrt nimmt das Stück des Theaters Konstanz im zweiten, längeren Teil auf. Den Regisseuren Christoph Nix, Mark Zurmühle und Olli Hauenstein ist ein wunderbares Zirkusstück gelungen. Kraftvoll, fantasievoll, direkt. Mit viel Power geht da Theaterwelt in echte wie gespielte Zirkuswelt über. Echte Clown-Einlagen wechseln mit solchen im Theaterstück. Das ist am Ende gar nicht mehr zu unterscheiden, und soll es nicht.

Beide Clowns wachsen über sich hinaus

Und es ist das Stück der beiden Hauptdarsteller Olli Hauenstein und Ramsès Alfa. Beide wachsen im zweiten Teil über sich 
hinaus, auch in der perfekten Tell-Nummer, erst mit Apfel, dann mit Banane. Olli, der weisse Clown, entwickelt echte schauspielerische Qualitäten, so als würde die Theateratmosphäre den erfahrenen Clown zu vor allem auch poetischen Höchstleistungen anspornen.

Sein togolesischer Partner spielt mit beachtlichem Deutsch den ersten schwarzen Clown, der auch erster schwarzer Othello sein will. Und er spielt die Angst. «Sie kommt immer wieder», sagt er. Es ist auch die Angst, überhaupt nicht als Persönlichkeit wahrgenommen zu werden.

Wie gehen wir selbst mit Afrikas Flüchlingen um?

«Foottit und Chocolat» ist ein echtes Christoph-Nix-Stück, prall und ganz unmittelbar. Man geniesst die Tiere des Zirkus Bügler und seine Akrobatik-Nummern; man geniesst oft fast fellinihaftes Theater, man lacht über Foottit als «dummen August». Und doch klopft in dieser Theater-Zirkus-Melange die Gegenwart (ohne erhobenen Zeigefinger) immer wieder an. Wie gehen wir selbst mit Afrika und seinen Flüchtlingen um?

Zu den eindrücklichen Clowns gesellt sich herrlich flüssig und engagiert das Ensemble des Theaters Konstanz. Besonders haften bleibt da Harald Schröpfer als arroganter, rassistischer Varieté-Direktor. Ein besonderes Kränzchen möchte man der vierköpfigen Zirkusband winden. Musik in lebendiger Vielfalt, perfekt aufs Geschehen abgestimmt. Da sitzt jeder Fusstritt, den Foottit abbekommt, mit genauem musikalischen Becken-Schlag. Und dass der immer auch weh tut, ist nur ein Teil 
dieses sehenswerten Theaters.

Martin Preisser

Hinweis

Weitere Vorstellungen: 15., 17., 19., 21., 22., 27. 7., je 20 Uhr, Klein Venedig, Konstanz; theaterkonstanz.de

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