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Wiener Schmäh und Liebesweh

Die Liebesgeschichte, die Bruno Pellandini in seinem neuen Roman «Dieses altmodische Gefühl» erzählt, ist von besonderer Art. Und es ist auch die Geschichte einer Liebe zu Wien.
Andreas Härter
Der St. Galler Bruno Pellandini schreibt, als ob er seit jeher ein Wiener gewesen wäre. (Bild: Gisela Stiegler/PD)

Der St. Galler Bruno Pellandini schreibt, als ob er seit jeher ein Wiener gewesen wäre. (Bild: Gisela Stiegler/PD)

Mehr als zwanzig Jahre ist es her, seit Bruno Pellandini aus seiner Heimatstadt St. Gallen aufgebrochen und in Wien sesshaft geworden ist. Dass er seine Herkunft nicht vergessen hat, zeigte er 2008 mit dem für das Theater St. Gallen geschriebenen Auftragsstück «Bärenjagd», in welchem er der lokalen Kultur und ihrer Förderung zu Leibe rückte. Dass indessen nicht nur sein Lebens-, sondern auch sein Schreibmittelpunkt nach Osten gewandert ist, war bereits 2006 in seinem mährischen Schelmenroman «Malinovskij» nachzulesen.

Und nun «Dieses altmodische Gefühl»: Da schreibt einer aus dem Inneren der österreichischen Hauptstadt, als ob er seit je ein Wiener gewesen wäre. Sein Roman könnte nirgendwo sonst spielen – nicht wegen der komplikationsreichen Liebesgeschichte, wohl aber wegen des sehr spezifischen Kolorits, das die Geschichte trägt, wegen der Eigenart ihrer Figuren bis hin zum Tonfall ihrer Dialoge. Dass Bruno Pellandini, dem Zugewanderten, diese Glaubhaftigkeit des Handlungsortes gelungen ist, ist schon beachtlich. Überzeugt hat er damit auch den renommierten Residenz Verlag in Salzburg, bei dem der Roman erschienen ist.

Eine diffizile, reizvolle, traurige Liebesgeschichte

Illo, eigentlich Ildefons Krehmayr, ist ein Mann mittleren Alters und mittlerer Lebensziellosigkeit, geschieden, er hat eine Tochter im schwierigen Alter und ist Inhaber eines Baugeschäfts mit schwindendem Auftragsbestand. Eine Schluderei am Bau ist der Anlass, dass er sich in eine um zwei Jahrzehnte ältere Frau verliebt. Ganz buchstäblich bricht er in das Leben der Pernilla Brigido ein, der einst gefeierten Wiener Schauspielerin: Er lässt im Dachboden über der Dame einen Fussboden betonieren; der Beton ist zu schwer, durchbricht die Decke und verwüstet das Zimmer des verstorbenen Ehemanns der Brigido. Sie räumt das Zimmer leer und schafft damit bildhaft Platz für die Möglichkeit einer neuen Bekanntschaft. Illo, hingerissen und auf Distanz gehalten von Pernilla, verliert zunehmend sein bisschen bürgerliche Lebensorientierung.

Eine diffizile, reizvolle, beglückende, traurige Liebesgeschichte hebt an, in deren Verlauf Illo in die Welt der Brigido tritt, nicht immer geschickt, aber tief fasziniert. Das Verhältnis erinnert von weitem an die Liaison zwischen der Feldmarschallin und Octavian in Hofmannsthals Rosenkavalier, nur dass Verehrer und Verehrte deutlich weiter in die Jahre gekommen sind und stets ein Abstand bleibt: In der – auch in Wien – nacharistokratischen Welt des beginnenden 21. Jahrhunderts bleibt die Liebe schmerzlich, aber anders als Octavian wird Illo nicht in ein jüngeres Glück geschickt, sondern darf in Sichtweite der verehrten Pernilla älter werden. Ohne Blessuren geht der herbstlich gedämpfte Aufruhr der Leidenschaften indessen nicht vonstatten.

Heiliger Nepomuk als Zentralmotiv

Architektur ist einer der Subtexte des Romans. Er endet denn auch, wie er begonnen hat: mit einem Bauthema. Am Anfang war es der Deckeneinbruch in Pernillas Wohnung, der die Geschichte in Gang gesetzt hat; am Ende ein Besuch der berühmten Wallfahrtskirche des heiligen Johannes Nepomuk auf Zelená Hora, dem Grünen Berg im Westen Tschechiens. Mit hoher Beschreibungskunst wird die Kirche in den Roman gesetzt, als komplexes Bild der Liebesgeschichte vielleicht, des Romans selbst womöglich, ein Bild, das um das mehrfach genannte Zentralmotiv des Heiligen Nepomuk gebaut ist: tacui, ich habe geschwiegen. Was für ein Schweigen steckt in dem Roman?

Das Lesevergnügen ist gross

Es ist ein melancholisch heiterer Roman, der, ganz zum Schluss, in beschaulich-verspielter Fröhlichkeit endet. Der Humor ist Pellandini in «Dieses altmodische Gefühl» nicht abhanden gekommen, er ist leiser geworden als in dem deftigen, schwejkhaften «Malinovskij», grundiert aber auch diesen Roman mit einer freundlichen Nachsicht gegenüber den Schwächen und Eitelkeiten, in die sich die beiden Hauptfiguren immer wieder verstricken. Ihnen selbst, den Hauptfiguren, ist nicht immer zum Schmunzeln zumute; nicht immer gelingt ihnen die heitere Souveränität, die der Roman ausstrahlt. Aber sie sind schliesslich das Romanpersonal, dessen Umtriebe und Begehrlichkeiten der Erzählung Farbe verleihen, für Ernsthaftigkeit und Unterhaltsamkeit sorgen. Kurz gesagt: Das Lesevergnügen ist gross.

Bruno Pellandini hat einen mit Genuss zu lesenden, anspielungsreichen, sprachlich souveränen Roman geschrieben. Dass im Buchstabenbestand des Autornamens Bruno Pellandini sowohl Illo wie Pernilla stecken, mag ein Indiz sein – aber wofür? Auch dies ein schwebendes Rätsel.

Bruno Pellandini: Dieses altmodische Gefühl, Residenz- Verlag 2016, 295 S., ca. Fr. 31.90 Lesung: 23.11., 20 Uhr, Buchhandlung zur Rose, St. Gallen

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