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Roman Signer streut Sand und mäht Stäbe

Im Kunstmuseum St. Gallen zeigt Roman Signer Zeichnungen, Super-8-Filme und eine Installation, die er 1999 an der Biennale in Venedig präsentiert hat. Ausserdem ist schon im Treppenhaus ein nigelnagelneues Werk zu entdecken.
Christina Genova
Roman Signer ist bereit, die Holzstäbe mit dem blauen Fass niederzumähen. (Bild: Ralph Ribi)
Fahrzeugspuren im Sand und im Raum. (Bild: Ralph Ribi)
Roman Signer mit «Sandtreppe», seiner neusten Installation. (Bild: Ralph Ribi)
Ein ganzer Raum ist den Super-8-Filmen gewidmet, die Roman Signer Anfang der 1980er Jahre im Kunstmuseum St.Gallen gedreht hat. (Bild: Kunstmuseum St.Gallen/Sebastian Stadler)
4 Bilder

Roman Signer streut Sand und mäht Stäbe

Mit Sand kennt sich Roman Signer aus: «Je gröber er ist, desto steiler sind die Kegel. Feiner Sand verhält sich fast wie eine Flüssigkeit», sagt er, auf seine neuste Sandskulptur deutend. Quarzsand mit einer Körnung von 1,5 bis 2,2 Millimeter hat er dafür verwendet. «Sandtreppe» lautet der Titel der ebenso poetischen wie vergänglichen Arbeit, die wunderbar einstimmt auf Roman Signers Einzelausstellung «Spuren»: Sie besteht aus einer symmetrischen Sandspur, die der Künstler auf den Treppenstufen hinterlassen hat.

250 Balken in Reih und Glied

Roman Signer verwendete Sand schon für seine frühen Skulpturen Anfang der 1970er-Jahre und nutzt das ­Material seither immer wieder. In der aktuellen, akribisch durchkomponierten Ausstellung bildet es passend zum Ausstellungstitel einen roten Faden. Der andere ist die Senkrechte, die durch Latten, Stäbe und Balken repräsentiert wird – ein überraschender Aspekt in Signers Schaffen. Schon beim Eingang in den ersten Raum versperren 250 Holzbalken den Weg. Ein Stoss würde genügen, um sie wie Dominosteine zu Fall zu bringen. Dieses Potenzial wollte der Künstler aufzeigen. Gleichzeitig wirkt die Installation seltsam unfertig. Auch die Arbeit «Fass-Schüsse», ein blaues Fass, bei welchem die Durchschüsse eines Karabiners mit Holzstäben nachgezeichnet sind, gehört nicht zu den stärksten Werken der Schau.

Mit dem Velo im Museum Kurven drehen

Das Kunstmuseum ist Roman Signer so vertraut wie sonst kaum einem anderen Künstler. Denn im von 1970 bis 1987 wegen Baufälligkeit geschlossenen Museum führte er verschiedene Projekte durch. Er schätzte es wegen der räumlichen Möglichkeiten: «In welchem Atelier kann man denn schon mit dem Velo herumkurven?» Das Velo von damals mit dem gelben Band auf dem Gepäckträger lehnt an der Säule im Foyer. Die legendäre Aktion von 1982, festgehalten auf einem Super-8-Film, hat er für die ­aktuelle Ausstellung wiederholt. 13 Mal ist er mit dem Velo um die Säulen gefahren, was an der gelben Bänderspur abzulesen ist. Obwohl Roman Signer gerade 80 Jahre alt geworden ist, hat er sich das nicht nehmen lassen. Auch andere Super-8-Filme drehte er damals im Museum. Ihnen ist ein ganzer Raum gewidmet – ein Höhepunkt der Ausstellung. Schön, sie am Ort ihrer Entstehung wiederzusehen. Für den Film «Sandsäule» hat Roman Signer Eimer ohne Boden anfertigen lassen, übereinander gestapelt und mit Sand gefüllt. Einen nach dem andern zieht er weg, und der Sand rinnt zu Boden.

Beinahe verhaftet

Nur vier Jahre liegt die letzte Werkschau des Künstlers in St. Gallen zurück. Anlass für die aktuelle Ausstellung ist eine grössere Schenkung aus der Sammlung von Ursula Hauser – einer frühen Förderin des Künstlers. Eine Werkreihe von Zeichnungen gehört dazu. Darunter sind mehrere Skizzen zur Aktion anlässlich der Wiedereröffnung des Kunstmuseums 1987, die den ganzen Stadtpark mit einbezogen hat: Dank wohldosierter Portionen von Sprengstoff spritzten aus Planschbecken Fontänen, jagte es Blecheimern den Deckel weg, stürzten Fässertürme zusammen. Roman Signer arbeitete drei ­Varianten aus – wegen der Polizei, die anscheinend nur darauf wartete, dass dem ausgebildeten Sprengmeister Signer ein Fehler unterlief: «Sie hätte mich vom Platz weg verhaftet.»

Auch die Installation «Blaues Fass: Schneise im Feld» ist eine Schenkung Ursula Hausers. ­Roman Signer hat die Arbeit 1999 für den Schweizer Pavillon der Venedig-Biennale geschaffen. Nun bildet der Oberlichtsaal den überaus passenden Rahmen für das ikonische Werk. Beim Rundgang drei Tage vor der ­Eröffnung stehen die Holzstäbe jedoch noch bolzengerade. Vom blauen Fass werden sie erst am Nachmittag niedergemäht. Ob es schon beim ersten Versuch klappt? Museumsdirektor Roland Wäspe bleibt vorsichtig: «Es kann funktionieren, muss aber nicht. Wie immer bei Roman Signer.»

Hinweis

Kunstmuseum St.Gallen, bis 12.8.

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