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WIEDERAUFBAU: Film, Flammen und ein Happy End

Der Film «Sternenberg» war seinerzeit ein Kinoerfolg. Ende Jahr brannte der «Sternen», Schauplatz im Film, bis auf die Grundmauern nieder. Doch die Wirtin am Drei-Kantone-Eck gibt nicht auf.
Richard Clavadetscher, Sternenberg
Marianne Brühwiler im Brandschutt des «Sternens». Im Hintergrund das Provisorium. (Bild: Ralph Ribi)

Marianne Brühwiler im Brandschutt des «Sternens». Im Hintergrund das Provisorium. (Bild: Ralph Ribi)

Richard Clavadetscher, Sternenberg

richard.clavadetscher@tagblatt.ch

Nein, Marianne Brühwiler lässt sich nicht unterkriegen. Schon ihre Grossmutter, ein Verdingkind, habe stets gesagt: «Was gscheh isch, isch gscheh. – Vorwärts luege!» Dies sei immer auch ihr Lebensmotto gewesen, so Marianne Brühwiler.

Was «gscheh isch»: In der Nacht vom 18. auf den 19. Dezember letzten Jahres ist eines der bekannteren Gasthäuser der Schweiz abgebrannt: Marianne Brühwilers «Sternen» in Sternenberg im Zürcher Oberland.

Bekannt war der auf fast 900 Meter über Meer gelegene «Sternen» über die Region hinaus nicht nur, weil man dort etwa nach einer Wanderung gern einkehrte und eine feine, auf regionale Produkte fokussierte Küche geniessen konnte. Bekannt war er vor allem auch wegen des Films «Sternenberg» von Christoph Schaub mit dem inzwischen verstorbenen Mathias Gnädinger. Denn der «Sternen», ein rund dreihundert Jahre altes Holzhaus, diente dem Film als Kulisse.

Unkomplizierter Mathias Gnädinger

«Es war eine lustige und interessante Zeit», erinnert sich Marianne Brühwiler an die Entstehung des Films. Weil neben den Dreharbeiten der Restaurantbetrieb weiterlief, musste immer mal wieder eine Szene wiederholt werden – wenn etwa ein Gast unverhofft die Tonaufnahme störte oder gar ungewollt ins Bild lief. «Gedreht wurde deshalb meist am Morgen, wenn noch wenig Betrieb war im Restaurant», so Marianne Brühwiler. Mathias Gnädinger wiederum hat die Wirtin als sympathischen und unkomplizierten Menschen in Erinnerung, der auch nach Abschluss der Dreharbeiten noch ab und zu bei ihr einkehrte.

«Sternenberg» wurde dann bekanntlich ein Kinoerfolg, und so war es in der Folge nicht selten, dass Besucher auch schon einmal carweise vorbeischauten und am Ort einkehrten, wo der Mitte des letzten Jahrzehnts gedrehte Liebesfilm in Szene gesetzt worden ist. «Als der Film in den Kinos der Region lief, hatten wir um 11 Uhr abends plötzlich volles Haus, was sonst hier oben nicht üblich war», erinnert sich Marianne Brühwiler. Die Gäste sagten auf entsprechende Nachfrage jeweils, dass man im Kino war und sich hernach entschlossen habe, gleich am Originalschauplatz den Schlummerbecher zu nehmen.

Von diesem «Sternen» ist heute nur noch ein Haufen Schutt übrig, die Feuerwehren aus Sternenberg und Umgebung, die vor rund vier Monaten gegen Mitternacht zum brennenden Haus gerufen wurden, mussten sich darauf beschränken, die umliegenden Häuser zu schützen, das Gasthaus selber war nicht mehr zu retten.

Die Bestürzung war darauf gross – nicht nur in Sternenberg. Zum Zeitpunkt des Brandes war Marianne Brühwiler in Österreich in den Ferien. Deshalb auch konnte sie nichts retten. Ihre persönliche Habe samt aller Erinnerungsstücke wurde ein Raub der Flammen. Nach der Rückkehr erreichten sie Sympathiebekundungen und Hilfsangebote von nah und fern, sagt sie gerührt. Und beim Schuttplatz hätten Sternenberger Einwohner mit Tränen in den Augen gestanden – «Männer, denen ich das gar nicht zugetraut hätte».

«Was gscheh isch, isch gscheh. – Vorwärts luege!»: Als Marianne Brühwiler, gelernte Köchin und Wirtin aus Leidenschaft, dann beim Schuttplatz vor versammeltem Personal stand, sprach sie allen Mut zu: «Hey, das bauen wir wieder auf!», rief sie – und machte sich bald schon an die Arbeit. War da wirklich nie eine Zeit der Resignation, ging alles so glatt, wie nun erzählt, Marianne Brühwiler? «Ich bin im ganzen Leben noch nie in eine Situation gekommen, wo ich dachte, aufgeben zu müssen. Auch diesmal ist das so.»

Heute, knapp vier Monate nach dem Brand, ist der «Sternen» zwar immer noch ein Schutthaufen, aber im Nebenhaus, das vor dem Feuer gerettet werden konnte, sind Handwerker emsig an der Arbeit. Wenn alles nach Plan läuft, wird dort schon Anfang Mai der provisorische «Sternen» eröffnet. Das Nebenhaus enthält nämlich einen Saal, der bisher für Hochzeiten und andere Anlässe genutzt worden ist. Er wird zur Gaststube.

Küche im Provisorium aus Holz

Die Küche befindet sich in einem jetzt angefügten Provisorium aus Holz, das auf Stahlstützen steht. Das 13 Tonnen schwere, 12,8 Meter lange und 5,5 Meter breite Ungetüm ist von einem Holzbauunternehmen im Zürcher Oberland vorgefertigt und kürzlich mit nächtlichem Schwertransport über die kurvenreiche Strasse nach Sternenberg gebracht worden. Gegenwärtig läuft der Innenausbau. Wenn Marianne Brühwiler bald wieder Gäste bewirtet, wird übrigens auch das Personal dasselbe sein wie vor dem Brand.

Was aber geschieht mit dem in Schutt und Asche gefallenen «Sternen» selber? «Der wird parallel dazu wieder aufgebaut – und zwar in aller Ruhe», sagt Marianne Brühwiler. In ihren Träumen sieht sie ihn schon heute: «Aussen sieht er aus wie früher, innen jedoch ist er zeitgemäss ausgebaut, damit optimale Arbeitsabläufe möglich sind.»

Drei Jahre Zeit bleibt für den Wiederaufbau; so lange darf das Küchenprovisorium stehen bleiben. So steht es in der entsprechenden Bewilligung. – «Vorwärts luege!»

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