«Wieder richtig bayrisch reden»

Die deutsche Schauspielerin Eva Mattes über Kritik am Konstanzer «Tatort», ihre Lust auf provokantere Stoffe, warum sie in der neuen ZDF-Heimatfilmreihe «Lena Lorenz» mitspielt. Und welches ihr Lieblings-Heimatfilm ist.

Cornelia Wystrichowski
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Eva Mattes als Bäuerin Lena Lorenz in der gleichnamigen ZDF-Serie. (Bild: ZDF/Thomas R. Schumann)

Eva Mattes als Bäuerin Lena Lorenz in der gleichnamigen ZDF-Serie. (Bild: ZDF/Thomas R. Schumann)

Seit 13 Jahren ermittelt sie als «Tatort»-Kommissarin am Bodensee; doch die Tage von Eva Mattes als Konstanzer Ermittlerin Klara Blum sind gezählt: 2016 laufen die letzten beiden Folgen. In «Lena Lorenz – Willkommen im Leben» spielt die 60-Jährige eine grantige Bergbäuerin, deren Tochter Lena (Patricia Aulitzky), eine Hebamme, nach vielen Jahren in der Stadt unverhofft in die idyllische Heimat zurückkehrt.

Frau Mattes, Ihr «Tatort» wird 2016 eingestellt. Macht die Arbeit als Kommissarin auf Abruf überhaupt noch Spass?

Eva Mattes: Ja, natürlich. Selbst wenn ich manchmal nicht zufrieden war mit dem Drehbuch, hat mir die Arbeit immer Spass gemacht. Aber ich wollte trotzdem aufhören, ich muss auch mal loslassen und zu etwas Neuem übergehen. Es hat sich in den letzten Jahren angebahnt, und nun kam der Punkt, wo ich gesagt habe: Jetzt höre ich auf. Das hat sich gleichzeitig mit der Entscheidung des Senders ergeben.

Was hat Ihnen denn gefehlt am Konstanzer «Tatort»?

Mattes: Ich hätte manchmal gerne brisantere Fälle gehabt, die noch mehr ins Zeitgeschehen verwickelt sind. Und manchmal hätte ich mir gewünscht, dass stärker betont wird, was sich in Klara Blums Kopf abspielt, weil sich der Zuschauer dann noch mehr mit dem Fall identifizieren kann. Aber ansonsten muss ich sagen: Es hat mir Freude gemacht, ich verstehe mich auch so gut mit meinem Kollegen Sebastian Bezzel. Und es ist mir immer noch eine Herausforderung. Es ist nämlich gar nicht so einfach, immer wieder zu fragen: «Wo waren Sie gestern zur Tatzeit?» Das kommt einem irgendwann zu den Ohren raus, und dann denke ich mir immer: «Herrgott, wie sage ich das jetzt? Wie kriege ich das hin, dass es irgendeinen Witz hat?» Weil ich jede Art von Routine nicht mag.

Wie bewerten Sie die starke Kritik an einigen Folgen?

Mattes: Kritiker wollen lieber was Progressiveres, Schärferes, Aktuelleres. Sie haben ja auch oft recht, ich empfinde das manchmal ähnlich. Die andere Sache sind die Einschaltquoten, auf die ich zwar nicht so viel gebe, aber man kann die Zahlen auch nicht ausser Acht lassen. Das dritte sind die Zuschauer, die mir persönlich begegnen, Leute, die mich auf der Strasse oder nach meinen Lesungen ansprechen und mir sagen: Sie sind unsere Lieblingskommissarin.

2015 werden die letzten beiden Fälle gedreht. In welche Projekte wollen Sie die freiwerdende Zeit investieren?

Mattes: Mal sehen, was kommt. Ich würde wieder gerne mehr Theater spielen, das habe ich in letzter Zeit nicht so intensiv gemacht. Und wahnsinnig gerne Kino, was in meinem Alter aber nicht so einfach ist, es mangelt an Rollen für Frauen wie mich. Im Fernsehen würde ich gerne brisantere, provokantere, schräge Sachen machen. Wie früher, als ich für das Wilde bekannt war und wo es immer hiess, ich sei mutig. Danach sehne ich mich.

Und wie passt dazu die Heimatfilmreihe «Lena Lorenz», in der Sie nun eine Bergbäuerin spielen?

Mattes: In diese Sparte passt sie nicht wirklich hinein. Aber immerhin ist die Bäuerin, die ich spiele, grantig. Das habe ich noch nicht gespielt, es waren immer eher weichere Figuren. Auch Klara Blum hat ja sehr weiche Seiten. Ich mag das sehr an ihr, weil mich eine Kommissarin, die sich mit Weichheit durchsetzt, mehr interessiert. Die Bäuerin Eva Lorenz ist weit weg von mir persönlich, das hat mir gefallen. Und ich mochte sehr gerne mal wieder richtig bayrisch reden.

Sie stammen ja aus Bayern. Wie weit entfernt von daheim wurde denn gedreht?

Mattes: Ich bin in Tegernsee geboren und in München aufgewachsen. Das Berchtesgadener Land, wo gedreht wurde, ist nicht so weit, das sind so anderthalb Stunden mit dem Auto.

Was bedeutet Heimat für Sie?

Mattes: Heimat war immer da, wo ich arbeite. Ich habe ja sehr viel Theater gespielt und bin schon mit 17 von München nach Hamburg gegangen. Von da an war Hamburg mein Zuhause; die Theaterarbeit ist so intensiv, dann ist man an der Bühne daheim. Dann bin ich 1992 nach Berlin, auch wegen des Theaters, obwohl ich nie nach Berlin wollte. Aber es wurde rasch meine Heimat und ist es immer noch. Wichtig für uns Künstler, die wir so viel umherreisen, ist, dass wir die Heimat in uns haben.

Ist Konstanz Ihnen zu einer Heimat geworden?

Mattes: Ja, irgendwann ist das auch eine Art von Heimat, wenn ich zweimal im Jahr in Konstanz drehe und immer im gleichen Hotelzimmer wohne, wo der Bodensee zu meinen Füssen liegt.

Wie stehen Sie zu Heimatfilmen?

Mattes: Kommt darauf an, wie sie gemacht sind, das kann toll sein.

Haben Sie denn einen Lieblings-Heimatfilm?

Mattes: Möglicherweise ist ein Film wie «Fargo», der im Mittleren Westen der USA spielt, ja auch ein Heimatfilm. Dann würde ich «Fargo» sagen.

Lena Lorenz – Willkommen im Leben, ab Do 9.4., 20.15 Uhr, ZDF

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