Wie Wissen sich sammelt

LESBAR SACHBUCH

Rolf App
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Bild: Rolf App

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LESBAR SACHBUCH

Wie hat sich das Wissen über den Menschen und über die Welt entwickelt? Man kann eine solche Frage in grossen Zusammenhängen beantworten, meist resultiert daraus dann ein dickes Buch. Man kann es auch, wie William Bynum, in Form kurzer Schlaglichter tun. Das macht die Sache besser verdaulich und ausserdem unterhaltsamer. Bynum ist Medizinhistoriker, er versteht also von vielem etwas. Vor allem versteht er es, komplizierte Entwicklungen in vierzig spannende Geschichten zu kleiden, in denen auch die Mühen der Forschung mit Erfolgen und Irrwegen zum Thema werden. Wie viel eintönige Arbeit musste etwa in die Erforschung des Genoms investiert werden? Wie hat diese Forschung überhaupt funktioniert? Wir erfahren auch dies. Bynums Streifzug beginnt mit den Babyloniern und ihren Tontafeln. Rechnen, Astronomie, Medizin: das hat damals interessiert. Dann kommt Gebiet um Gebiet hinzu, das Interesse und die Möglichkeiten weiten sich aus ins ganz Grosse und ganz Kleine: in die Teilchenphysik, in die Genetik, und in die Erforschung des Universums.

William Bynum: Die kürzeste Geschichte der Wissenschaft, Atlantik-Verlag 2014, 350 S., Fr. 28.80

Die Welt vor Galilei

Es ist ein allzu einfaches Bild, das noch immer in vielen Köpfen herumgeistert: Dass mit dem Untergang des Römischen Reiches im 5. Jahrhundert eine dunkle Zeit über Europa hereingebrochen ist, in die erst die Renaissance wieder Licht gebracht hat. Die Wissenschaft zum Beispiel hat nach dieser Vorstellung in ihrer modernen Form von Galileo Galilei, Nikolaus Kopernikus und Isaac Newton ihren Ausgang genommen. Diese Ansicht ist so einfach wie falsch. In «Aristoteles in Oxford» spürt der Wissenschaftshistoriker John Freely den Wurzeln dieser modernen Wissenschaft im Mittelalter nach, und wird in reichem Masse fündig – zum Beispiel bei jenen Mönchen, die etwa in St. Gallen das Wissen gesammelt und gehütet haben.

John Freely: Aristoteles in Oxford, Klett-Cotta 2014, 395 S., Fr. 37.90

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