Wie Tibets Hochtäler entstanden

Wissenschafter der ETH Zürich stellen mit Computerberechnungen bisherige Theorie in Frage. Die Erkenntnisse zur Bildung von Tibet können auch auf das Engadin angewendet werden.

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Lange gingen Geologen davon aus, dass flache, aber in grossen Höhen gelegene Landschaften auf Meeresniveau entstanden waren. Dann sollen sie von der Plattentektonik in die Höhe gehoben worden sein. Das Tibetische Hochplateau liegt zwischen 2000 und 5000 Meter hoch.

Eine Studie von Erdwissenschaftern der ETH Zürich stellt nun aber diese Entstehungsgeschichte in Frage. Ihre Computersimulationen zeigen, dass sich die Hochtäler vor Ort und bereits in der Höhe entwickelt haben müssen, wie sie im Fachjournal «Nature» berichten.

Flüsse wurden abgeschnitten

«Die Täler sind keinesfalls Relikte ehemaliger Tiefländer», sagte Mitautor und ETH-Professor Sean Willett in einer Mitteilung der Hochschule. Vielmehr seien sie entstanden, weil das Hin- und Herschieben der Kontinentalplatten Flüsse abgeschnitten hat, die in gewissen Tälern dann weniger Wasser führten und die Täler weniger erodierten. Dass Gletscher die Formen schufen, schliesst Willett aus. Für die Täler seien Flüsse verantwortlich.

Gilt auch für das Engadin

Auch in der Schweiz gibt es mindestens ein solches Hochtal: das Engadin. Vieles spreche dafür, dass es sich wie die Hochtäler des südöstlichen tibetischen Hochlandes vor Ort in der Höhe gebildet haben könnte, sagte Willett. Der Talboden liege auf grosser Meereshöhe, sei aber flacher, als man es von einem reinen Gletschertal erwarten würde. «Der Malojapass ist ja kein richtiger Pass, da er auf der Engadiner Seite kein Gefälle aufweist», fügt Willett hinzu. Ob das Engadin tatsächlich dem aktuellen Modell entspricht, wollen die Forscher mit einer neuen Studie klären. (sda)