Hollywood
Wie sich Hollywood-Star George Clooney im Polit-Thriller schlägt

Im US-Politthriller «The Ides of March» von Starschauspieler George Clooney und Ryan Gosling ist ein elegantes Wechselspiel um Verführung und Erpressung.

Birgit Roschy, SDA
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George Clooney ist nicht nur attraktiv, sondern auch schlau. Der Schauspieler nutzt seine Millionengagen, um eigene Filme über jene Themen zu drehen, die ihm am Herzen liegen. Im Politdrama «The Ides of March» führt er Regie und spielt zugleich eine Nebenrolle. Clooney verkörpert Mike Morris, einen charismatischen Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur in den USA. Gouverneur Morris gilt als integer. Die Hauptrolle überlässt Clooney Ryan Gosling, der als Berater Stephen Meyers im Haifischbecken ausgebuffter Wahlkampfprofis um sein berufliches Überleben kämpft.

Doch als sich der unerfahrene Meyers auf ein Treffen mit dem gegnerischen Wahlkampfmanager Tom Duffy einlässt, beginnt sich das Intrigenkarussell zu drehen. Während er von verschiedenen Seiten belauert wird, wirft Praktikantin Molly Stearns ein Auge auf den Jungspund. Doch warum wird die junge Frau nachts um drei von Gouverneur Morris angerufen?

Konzentriertes Wechselspiel

Unversehens findet sich Meyers in einem politischen Mikadospiel wieder, in dessen Verlauf er Idealismus und menschlichen Anstand buchstäblich begräbt, um seine Karriere voranzutreiben. Wie viele Politthriller ist auch dieser das Protokoll einer Korrumpierung. Clooney, Vorzeigefigur des liberalen Hollywood, wollte den auf einem Theaterstück basierenden Film schon 2007 drehen. Doch mit der Wahl Barack Obamas «erschien uns ein zynischer Politikerfilm fehl am Platz». Ein Jahr später aber, als Obama die in ihn gesetzten Hoffnungen zunehmend enttäuschte, «war das Timing perfekt».

In seinem vierten Film hält sich Clooney als undurchschaubarer Kandidat Morris im Hintergrund und überlässt seinen Co-Stars den Vortritt. Philip Seymour Hoffman und Paul Giamatti werfen ihr ganzes Gewicht in die Waagschale, um neben Hollywood-Aufsteiger Ryan Gosling zu bestehen. Wie einst bei Bill Clinton ist auch in Clooneys Drehbuch die Praktikantin die Achillesferse. Das Verhalten von Evan Rachel Wood als labile Schönheit erscheint unmotiviert – eine unausgegorene Figur, die nur dazu dient, die Geschichte voranzutreiben.

Finten und Erpressung

Obwohl dieser rote Faden etwas dünn ist, dirigiert Clooney ein elegantes und konzentriertes Wechselspiel aus Verführung, Finten und Erpressung. Wenn in den Wahlkampfkulissen mit verdecktem Visier um die Macht gekämpft wird, entfaltet sich eine shakespearsche Dynamik, die auch den Zuschauer ins Schwitzen bringt. Zwar veranschaulicht das Drama lediglich den Spruch «Politik verdirbt den Charakter» – doch wenn Stephen Meyers die Illusionen über sein Idol verliert, ist dies ergreifend. Gosling selbst wurde mit dieser Rolle zum Anwärter auf einen Golden Globe – und später vielleicht auch auf den Oscar.

The Ides of March (USA 2011) 98Min. Regie: George Clooney. HHHII