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Wie sich das Gedenken an den Holocaust verändert hat

Kollektive Erinnerung Als wir uns im letzten November in Bern zum Gespräch treffen, wo sie zusammen mit ihrem Mann einen der Balzan-Wissenschaftspreise erhält, kennt Aleida Assmann die Arbeiten Simon Fujiwaras (siehe oben) nicht. Doch besteht kein Zweifel: Die Kulturwissenschafterin wird dankbar aufgreifen, was dieser Künstler aus dem ­dunkelsten Kapitel menschlicher ­Geschichte macht. Sein Anne-Frank-Haus ist nicht nur Zeugnis gegenwärtiger Kultur. Es zeigt auch, wie Vergangenheit weiterlebt. Denn, sagt Aleida Assmann, «nicht nur Menschen haben ein Gedächtnis, auch Gruppen oder Nationen machen es sich.»

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg geboren, ist Aleida Assmann in einer Zeit wirtschaftlichen Aufbruchs mit grossen Zukunftsutopien aufgewachsen. «Geschichte und Vergangenheit spielten in dieser Gesellschaft keine Rolle.» Dann aber ist ihr das Thema der kollektiven Erinnerung in den Achtzigerjahren «regelrecht auf die Füsse gefallen»: Zum einen war da jene Rede des deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zum 40. Jahrestag des Kriegsendes, zum andern der Historikerstreit im Jahr darauf.

Mit dem Abstand verändert sich Erinnerung

Seither zeigt sich: Der Holocaust kann niemals vergessen werden. Aber es zeigt sich auch: Mit dem Abstand verändert sich von Generation zu Generation die Erinnerung. Und zwar auch dort, wo sie besonders stark ist: an Gedächtnisorten wie dem Anne-Frank-Haus oder den ehemaligen Konzentrationslagern. «Wer dort etwas zu finden meint, hat es wohl schon im Gepäck mitgebracht», zitiert Aleida Assmann Rüth Klüger, eine der Überlebenden dieser Konzentrationslager. Denn indem ein Ort bewahrt wird, «wird er bereits verändert und durch etwas anderes ersetzt».

Darf man den Holocaust überhaupt darstellen?

Es gibt also eine riesige Diskrepanz zwischen dem Erleben der Opfer und der Erinnerung nachfolgender Generationen, die auch immer wieder Debatten ausgelöst hat. Elie Wiesel etwa hat 1978 die amerikanische Fernsehserie «Holocaust» mit schärfsten ­Worten verurteilt, denn der Holocaust könne weder erklärt noch visualisiert werden. Und Anfang der 90er-Jahre hat Claude Lanzmann in seiner Kritik am Spielfilm «Schindlers Liste» vom «Flammenkreis» gesprochen, «einer Grenze, die nicht überschritten werden darf. Es ist meine tiefste Überzeugung, dass jede Darstellung verboten ist.»

Die ganze Wahrheit der Geschichte ist unzugänglich, davon ist auch Aleida Assmann überzeugt. Doch, fügt sie an, «deshalb zwingt sie uns gerade, immer wieder neue Zugänge zu suchen. Die Zukunft der Erinnerung wird wesentlich davon abhängen, ob der Impuls lebendig bleibt, dies zu tun.» Das schliesst die Kunst ein. Das schliesst aber auch eine Medialisierung «bis hin zur Kommerzialisierung» ein. Henry M. Broders «zynische Formel» vom «Shoah-Business» greife zu kurz, «denn Geschäft und Erinnerung sind in einer medialisierten Welt immer schon verkoppelt.»

Rolf App

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