Wie man basisdemokratisch baut

Das frühere Hotel Alpenhof auf dem St. Anton ist zum kulturellen Minergie-P-Haus geworden. Bauherrin war eine Genossenschaft mit Kulturschaffenden. Wie ist es, wenn Künstler bauen?

Daniel Klingenberg
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Seit vier Wochen ist der «Alpenhof» auf dem St. Anton nach einem einjährigen Umbau wieder geöffnet. Das ehemalige Hotel mit dem Flachdach hat eine wechselvolle Geschichte und dämmerte seit den 1980er-Jahren vor sich hin. Vor zehn Jahren wurde es von Kulturschaffenden als Rückzugsort entdeckt. Der Verein Alpenhof wurde gegründet (siehe Kasten), Präsident ist der Schriftsteller Peter Weber. Der Ort wurde ein Inspirationsort für Kulturschaffende.

Herd raus oder nicht?

Aber es war klar: Sollte der Alpenhof überleben, musste er saniert werden. Damit startete ein Bauprojekt der speziellen Art. Darüber gaben Peter Weber und einer der Architekten, Marco Köppel, am Montagabend im Architekturforum Auskunft. Bauherr war die Genossenschaft Alpenhof – und die besteht aus verschiedensten Mitgliedern mit unterschiedlichstem finanziellen Engagement. Beim Umbau hatte ihr Wort aber gleich viel Gewicht. Was zu vielen Diskussionen führte.

Während einer Bauphase seien 20 000 bis 30 000 Entscheidungen zu fällen, sagte Köppel. Zum Beispiel: Bleibt der alte Herd oder bleibt er nicht? Für die einen das Herzstück der Hauses, wurde er schliesslich aus «energetischen» Gründen entfernt. Damit Entscheidungen gefällt werden konnten, hat es laut Weber eine «laufende Strukturbildung» gegeben.

Es sei ein stetes Abwägen zwischen Idealismus und Realismus gewesen – umso mehr als der Ort zu «spekulativen» Ideen verleite.

So ungewohnt die Rolle des Bauherrn für Kulturschaffende war, so ungewöhnlich waren diese Auftraggeber auch für den Architekten. Er habe sich genau überlegen müssen, wie er bei einem Problem argumentiere, sagte Köppel. Die Zusammenarbeit sei phasenweise «sehr anstrengend» gewesen.

Stolz und Freude über das Ergebnis waren aber bei Weber und Köppel deutlich sichtbar: Annähernd ein Minergie-P-Haus, das 80 Prozent des Energiebedarfs aus Sonnenkollektoren schöpft und seine Seele behalten habe.

«Kulturfrachter» werden

Der Verein Alpenhof kann damit aber nicht die Hände in den Schoss legen. Solange der Umbau geplant und durchgeführt wurde, war die Aufgabe für die Kulturschaffenden klar.

Aber was verbindet jetzt, nach dem Bau? Wenn keine basisdemokratischen Entscheidungen über Innenausstattungen zu fällen sind? Für Peter Weber ist klar: Jetzt wird «weitergedichtet». Stichworte wie «Kulturfrachter», «Begeisterungsstätte» und «Mehrzweckherberge» sollen Kompass sein.

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