Wie Männer im Alltag überleben

«Vier sind Helden» nennen sie sich und wagen sich als gestandene Opern-, Lied- oder Oratoriensänger ins Genre der Popmusik, des Schlagers und des Volkslieds. Lustvoll wird mit Männerbildern umgegangen, ernsthaft wird gesungen.

Martin Preisser
Merken
Drucken
Teilen
Vier Helden, vier Sänger, vier Männertypen: Tijl Faveyts, Bernhard Bichler, Stefan Alexander Rankl und Jens Weber (v. l.). (Bild: Urs Bucher)

Vier Helden, vier Sänger, vier Männertypen: Tijl Faveyts, Bernhard Bichler, Stefan Alexander Rankl und Jens Weber (v. l.). (Bild: Urs Bucher)

«Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich», singt Herbert Grönemeyer. Das würden Bernhard Bichler (Bariton), Tijl Faveyts (Bass), Stefan Alexander Rankl und Jens Weber (Tenöre) sofort unterschreiben. Sonst singen sie in der Oper, in der Kirche, an einem Liederabend. Jetzt machen sie Musiktheater mit alten Schlagern und neuen Popsongs, lassen ihre Kehlen für Abba, Udo Jürgens, die Prinzen oder für Mani Matter erschallen. Und finden das wirklich heldenhaft. Statt eines Schubert-Liedes «Strangers in the Night», statt Verdi-Belcanto «Dancing Queen», statt sich durch eine Johannespassion zu singen, schmettern sie «Ein Freund, ein guter Freund».

Der Humor der vier ist ansteckend. Und wenn sie ihr Projekt «Vier sind Helden» vorstellen, erfährt man viel übers Mannsein, aber auch über die Schwierigkeiten des Mannseins. «Wir zeigen den Mann als Helden im Überleben des täglichen Scheiterns», lacht Stefan Alexander Rankl. «Vielleicht können wir dem Mann im Publikum Mut machen, ein Stück seines Heldentums zurückzugewinnen.»

Seriös und überzeichnet

Vier Sängertypen, vier Männertypen, das heisse auch vier Projektionsflächen, sagt das Quartett. Die vier Helden treten im Frack auf und singen vom Mannsein und vom Heldsein so ernsthaft wie kabarettistisch gebrochen, so seriös wie bewusst überzeichnet. Sie singen a cappella, unverstärkt, ohne Playback, und zeigen vier Strategien für den Mann, mit seinem täglichen Scheitern umzugehen. Und sie bewegen sich tanzend. «Vier sind Helden» sind sich der herausfordernden Gratwanderung zwischen dem Anspruch auf humorvolles Entertainment und perfekt gestaltetem Gesang sehr bewusst. Denn sängerische Qualität ist bei allem Humor über die Schwierigkeiten des Mannseins oberste Priorität und absolutes Muss.

Die Gruppendynamik ist stark, keiner ist der Chef, aber auch keiner die Mimose, wenn beim Proben gegenseitig an der Perfektion gefeilt wird. «Ich brauche die anderen, wenn ich mir meiner Fehler bewusst werden will. Wenn ich sie selbst merken würde, würde ich sie gar nicht erst machen», erzählt Stefan Alexander Rankl von der Feedbackkultur im Quartett.

Die Partnerinnen der vier Sänger sind stolz auf ihre Helden. «Sie finden, das Programm tue uns gut», erzählt Jens Weber. Eine Frau ist es auch, die so viel geballte sängerische Manneskraft in die richtigen Bahnen lenkt. Susanne Schemschies hat den Heldenabend choreographiert und die verbindenden Texte zwischen den Liedern geschrieben. «Sie hat einen Abend mit uns entwickelt, der uns allen auf den Leib geschnitten ist», loben die Helden ihren Coach. «Jede Frau braucht einen Held, und ich habe vier», schmunzelt die Regisseurin, die bis 2012 am Theater St. Gallen wirkte. «Die vier müssen mehr tanzen, als sie vielleicht gedacht haben.» Der Ton während der Probenarbeit sei vielleicht etwas direkter und rauher als in einem gemischten Ensemble, findet Schemschies und erzählt: «Teilweise haben die vier Helden auch vergessen, dass auch noch eine Frau anwesend war. Ich habe das manchmal auch als Kompliment genommen.»

Einer holt das Bier

Für einen Abend Männerbefindlichkeit auf der Bühne haben die vier ein Jahr geprobt. Zugute kommen ihnen für das anspruchsvolle Genre eines gelungenen Musiktheaterabends ihre grosse stimmliche Erfahrung und Professionalität. Augenzwinkernd haben die vier Helden ihre Männertypen untereinander verteilt: Da gibt es den «Kurzdenkenden, den Primitiven», dann den «Unbedarften, den idealen Schwiegersohn», gefolgt vom «Coolen philosophierenden Phlegmatiker, der immer das Bier holt» und dem «Liebenswerten, der aber voller Überraschungen steckt». Wer ist wer? Das Publikum wird es merken. Rolle hin oder her, für die vier Helden ist das Programm eine Horizonterweiterung in der sängerischen Laufbahn. «Und es ist ein total ehrliches Programm.» Sagt die Viererbande und ist sich für einmal völlig einig.

Mo, 1.7., Centrum St. Mangen, 19.30 Uhr (Abendkasse)