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Vom Verbrecher zum Schauspieler - oder: Wie Literatur Leben verändern kann

In seinem Integrationsprojekt bringt Regisseur Pierre Massaux Salvatore Strianos erstes Buch «Der Sturm von Sasà» auf die Bühne des St. Galler Theaters 111. Dabei schlüpfen Asylbewerber in Rollen von Gefängnisinsassen, die Shakespeare proben. Striano schildert in seinem Buch sein Leben als Verbrecher und seine Wandlung zum Schauspieler.
Mirjam Bächtold
Asylbewerber als Gefängnisinsassen proben «Der Sturm» von Shakespeare. Für die Rolle Mirandas stiess eine Frau von aussen zur Theatergruppe. (Bild: Michel Canonica)

Asylbewerber als Gefängnisinsassen proben «Der Sturm» von Shakespeare. Für die Rolle Mirandas stiess eine Frau von aussen zur Theatergruppe. (Bild: Michel Canonica)

Ein Zungenbrecher, dieser Name: Chexbier. «Was hat das mit uns zu tun?», will Salvatore Striano, genannt Sasà, im Gefängnis von Regisseur Fabio Cavalli wissen. Dieser ist entsetzt, dass die Insassen Shakespeare, einen der grössten Autoren aller Zeiten, nicht kennen. Er wird ihn der Theatergruppe näherbringen, sie proben das Stück «Der Sturm», das sehr viel mit ihnen zu tun hat. Denn es handelt von Rache, Vergeben und Freiheit. Pierre Massaux bringt mit dem Stück «Der Sturm von Sasà» Salvatore Strianos erstes Buch auf die Bühne, in dem der ehemalige Verbrecher sein Leben schildert und seine Wandlung zum Schauspieler.

Striano wächst in den übelsten Vierteln Neapels auf, verkauft mit sieben Jahren Zigaretten, mit 14 klaut er Schminkartikel und verkauft sie an Prostituierte. Später sind es Drogen, mit denen er handelt. Schliesslich wird er in Spanien verhaftet und nach Italien überführt. Hier lernt er Fabio Cavalli kennen, der ihn im Hochsicherheitstrakt Shakespeare und andere Literaten verstehen und lieben lehrt. Eines der wichtigsten Stücke, das Cavalli mit den Insassen einstudiert, ist Shakespeares «Der Sturm». «Das Theater hat mich das Verstehen und das Vergeben gelehrt», schreibt Striano im Buch.

Gleich in zwei Rollen einfühlen

Das bisher erst auf Französisch und Englisch erschienene Buch Strianos, den man heute aus Filmen wie «Gomorrha» oder «Cäsar muss sterben» kennt, hat Pierre Massaux mit Asylbewerbern einstudiert. Viele von ihnen haben nur einfache Deutschkenntnisse, doch sie spielen Shakespeare mit einem Selbstvertrauen, das ihnen die Erarbeitung mit dem belgischen Regisseur ermöglicht hat. Bei seinem Integrationsprojekt geht es um die intensive Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache.

In diesem Stück mussten sich die Asylsuchenden gleich in zwei Rollen einfühlen: die des Gefängnisinsassen und jene aus Shakespeares Stück. Der Afghane Basir Imamzada spielt Sasà mit überzeugender Intensität und Dringlichkeit; er sehnt sich genauso nach Freiheit wie Ariel, den er im «Sturm» verkörpern soll. «Ich habe Strianos Buch auf Englisch gelesen, um mich auf die Rolle vorzubereiten. Keine Freiheiten zu haben, kenne ich aus Afghanistan. Meinen Traum vom Theaterspielen kann ich erst hier in der Schweiz ausleben», sagt er nach der gelungenen Premiere.

An Sprache und Kreativität gearbeitet

Pierre Massaux setzt einfache Stilmittel ein, die stark wirken. Etwa der helle Teppich, auf dem ein Insasse hin und her tigert wie in einem Gefängnisinnenhof. Oder die chorische Aufteilung von Strianos Texten, um allen eine Teilnahme am Theaterprojekt zu ermöglichen. Die Darsteller spielen mit vollem Körpereinsatz, tanzen den Sturm sogar in einer Choreografie zu Beethovens gleichnamiger Klaviersonate. Stark ist das Stück vor allem dann, wenn die Asylbewerber Gefängnisinsassen spielen.

«Der Sturm von Sasà» schildert auf eindrückliche Weise, wie Literatur einen Menschen verändern kann. Salvatore Striano hat sie geholfen, zu vergeben und vom Verbrecher zum Schauspieler zu werden. Die Asylbewerber haben durch das Theaterprojekt die Sprache intensiv kennen gelernt und an ihrer eigenen Kreativität gearbeitet.

Weitere Aufführungen bis Anfang Mai, jeweils 20 Uhr, www.theater111.ch.

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