Wie ein Luzerner mithalf, den Weltkrieg zu beenden – Carlo von Ah blüht in seinem Buch auf

Der Innerschweizer Autor Carlo von Ah erzählt in seinem Buch packend von der deutschen Kapitulation in Italien.

Arno Renggli
Drucken
Teilen

Die «Operation Sunrise» ist in den letzten Jahren wieder vermehrt ins öffentliche Interesse geraten. Es handelt sich um Kapitulationsverhandlungen zwischen den in Italien stationierten Wehrmachtsverbänden und den Alliierten im Frühjahr 1945.

Schriftsteller Carlo von Ah in der Bibliothek Zug.

Schriftsteller Carlo von Ah in der Bibliothek Zug.

Bild: Maria Schmid
(Zug, 18. September 2017)

Entscheidende Vermittlungen geschehen in der Schweiz, vor allem auch durch den Luzerner Offizier Max Waibel. Der Innerschweizer Autor Carlo von Ah hat die sich in atemloser Dramatik abspielenden Ereignisse zu einem packenden Roman verarbeitet. Und die Geschichte zudem in den grösseren Kontext eingebettet. So schildert er zum Beispiel auch, was sich in der letzten Phase des Krieges rund um Mussolini oder im Berliner Führerbunker abgespielt.

Die historischen Ereignisse gibt von Ah präzise, detailliert und dabei gut verständlich wieder. Dass er sein Buch doch als Roman bezeichnet, liegt an den Freiheiten, die er sich etwa in der Formulierung von ausführlichen Dialogen zwischen den Hauptakteuren nimmt. Oder in Szenen etwa wie jener, als Max Waibel (Foto von 1947) bei einem nächtlichen Spaziergang mit sich ringt, ob er sein Engagement für die Kapitulationsverhandlungen mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Denn er muss sie seinen Vorgesetzten verheimlichen, weil sie der Neutralität widersprechen. Doch das möglichst rasche Ende der opferreichen Kampfhandlungen ist wichtiger als Loyalität und Fahneneide. Eine ähnliche Entscheidung müssen auch deutsche Offiziere in Italien treffen. Allen voran Karl Wolff, SS- und Polizeiführer in Italien, der im Buch quasi zu einem der Helden wird, wobei er wohl auch aus Opportunismus handelt.

Wie schon in früheren seiner historischen Romane erweist sich Carlo von Ah als hervorragender Erzähler, dem auch die Balance zwischen präziser Schilderung und Fiktion glückt. Das Buch packt von der ersten Seite an, letztlich dann auch durch die Tragik, dass diese Verhandlungen durch die Komplexität der Situation und ungünstige Einflüsse immer wieder verzögert werden. Und den Blutzoll dieses grausamen Krieges weniger reduzieren können, als erhofft.

Carlo von Ah: Führer, Duce und aufrechte Schweizer. Pro Libro Verlag, 219 Seiten, 34 Franken.