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Liedermacherin Uta Köbernick: Wie ein Elefant im Matratzenladen

Die Liedermacherin Uta Köbernick, Gewinnerin des Salzburger Stiers 2016, legte am Mittwochabend bei der Premiere ihres fünften Bühnenprogramms im Luzerner Kleintheater den Massstab an eine sich masslos gebärdende Welt. Eine leise, aber kompromisslose Suche nach Verhältnismässigkeit.
Julia Stephan
Liedermacherin Uta Köbernick am Mittwochabend im Kleintheater Luzern. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 17. Oktober 2018))

Liedermacherin Uta Köbernick am Mittwochabend im Kleintheater Luzern. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 17. Oktober 2018))

Sie ist noch lange nicht fertig. Mit sich. Mit der Welt. Sie singt Lieder und sagt Sachen. Seit Jahren tut sie das, nur wenige hören hin. Die in Zürich lebende Liedermacherin, die den Stadtteil ihrer Berliner Adoleszenz (Köpenick!) im Künstlernamen trägt, ist trotz des Erhalts des Salzburger Stiers 2016 ein Geheimtipp geblieben.

Vielleicht liegts daran, dass diese Frau so leise ist, sich so leise gebärdet. Mit Ukulele, Gitarre und Geige, mit behelfsmässiger Zettelwirtschaft, erzählt sie in Aphorismen von ihrem kondensierten Erfahrungswissen. Wer ihr aber einmal zugehört hat, dem liegt sie noch lange in den Ohren.

Zwischen Quantenphysik und Poesie

Wo der 2015 ebenfalls in Luzern erstmalig aufgeführte Liederabend «Grund für Liebe» politisch-angriffiger war, ist das am Mittwoch im Luzerner Kleintheater präsentierte Programm «Ich bin noch nicht fertig» eine tiefe Daseinsergründung zwischen Quantenphysik und Poesie. Köbernick fragt: Was ist ein neutraler Standpunkt? Warum geht Erfahrung tiefer als jedes zusammengelesene Wissen? Köbernick geht es um den Massstab in einer masslos sich gebärdenden Welt. Deshalb stellt sie den Menschen neben den Mond, damit er wieder einen Begriff von seiner Winzigkeit hat.

Die Küchenphilosophin erkennt diese Zusammenhänge in ihrer Küche sitzend, mit Blick auf die Zürcher Kalkbreite, wo sie Autos beobachtet, die irgendwo hinfahren, «weil sie müssen». Köbernick hingegen sitzt da rum, weil sie es kann. «Effizienzbremsen» nennt sie ihre Zuschauer. Sie hat viel mit ihnen gemein.

Aus Langeweile schreibt sie eine Ode, etwas ans Zögern. Oder über den Ruhmhunger auf Social-Media-Kanälen, auf denen man nicht die Stimme erhebt, um etwas zu sagen, sondern um sich zu versichern, dass man noch ist.

Eine grollfreie Zone zum Nachdenken

Köbernick fischt in dieser Rhetorik des «Warum nicht?», des «Endlich sagt’s mal einer» und des «Hab ich auf dem Schirm». Phrasen, die von der Realitätsferne ihrer Benutzer zeugen. Die lügen und doch nicht lügen und die jeder kennt. Köbernick probiert sie aus, dreht und wendet sie, und lässt sie an der Realität auflaufen.

Köbernick agiert dabei wie jener Elefant, der in einer ihrer Geschichten am Porzellangeschäft vorbeigeht und sich im benachbarten Bettenladen auf eine Matratze schmeisst. Da geht nichts zu Bruch. Eine grollfreie Zone ist das, die Nachdenken erst möglich macht. Wahrscheinlich würde sogar ein Donald Trump dieser Berlinerin wie ein zahmes Tier aus der Hand fressen.

Uta Köbernick, «Ich bin noch nicht fertig». Kleintheater Luzern. Fr, 19.10. sowie Sa, 20.10. Ab Dezember auch im Theater am Hechtplatz, Zürich. www.kleintheater.ch

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