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Lyrik: «Wie ein Ball aus der Hand rolle ich vor mir hin»

Am 19. Juni wäre Hans Christoph Binswanger 89 Jahre alt geworden. Der im Januar verstorbene Umweltökonom und HSG-Professor hat für sein letztes, nun erschienenes Buch Jugendgedichte und späte Kurztexte zu einer Lebensbilanz zusammengefasst.
Hansruedi Kugler
Hans Christoph Binswanger (Bild: Urs Bucher)

Hans Christoph Binswanger (Bild: Urs Bucher)

«Ich atme, also bin ich» – Hans Christoph Binswangers verblüffend knappe Quintessenz des Lebens, geschrieben im Spital, schon schwer krank, steht gegen Ende seines schmalen Bandes. Man kann in diesem Satz auch ein Konzentrat seines Schaffens und Denkens erkennen. Denn das rein rationale «Ich denke, also bin ich» hat er zeitlebens kombiniert mit einer umfassenden Berücksichtigung des Natürlichen und der Poesie.

Der im Januar verstorbene Ökonom und liberale Anwalt der bedrohten Umwelt hat die Texte des postum erschienenen Buchs «Auf dem Weg. Rückblicke, Einblicke, Ausblicke» noch selbst ausgewählt. Sein Freund, der Literaturvermittler Richard Butz, hat sich um die Veröffentlichung gekümmert.

Literatur und Wirtschaftswissenschaft im Dialog

Das Buch enthält Jugendgedichte, Reisegedichte und Kurztexte, die sein Denken noch einmal zusammenfassen. Man mag anhand der Gedichte und Texte einiges vom späteren Hauptwerk besser verstehen. So brachte Binswanger Literatur und Wirtschaftswissenschaft befruchtend und erhellend in Dialog und deutete etwa Goethes «Faust» geldtheoretisch als Magie und erläuterte damit die moderne Geldwirtschaft. Auch seine Wachstumskritik und die Kritik am ökonomischen Raubbau an der Natur bekommen vor allem durch die frühen Gedichte eine persönliche Vorgeschichte.

Aus einer Künstlerfamilie stammend, verlebte der junge Binswanger die Kriegsjahre 1939 bis 1941 in einem kroatischen Fischerdorf, hatte schulfrei und deshalb viel Zeit für die Naturbeobachtung und das Lesen. Natur und Poesie seien ihm damals zur zweiten Heimat geworden, schreibt er. Einfache, aber formschöne Gedichte schrieb er damals, schon der Elfjährige wusste, wie man ein Sonett verfasst. Geprägt sind sie von romantischer Naturbeschwörung, die später in den Jugendgedichten übergeht in die bildhafte, lyrische Schilderung des Suchenden, des Wandernden: «Wie ein Ball aus der Hand, rolle ich vor mir hin, und verwundert betrachte ich Wege und Sinn.» Das wirkt ernsthaft und sensibel – man liest die Gedichte durchaus gerührt.

Im dritten Teil kommt Binswanger in knappen Texten zu seinen Hauptthesen seiner wissenschaftlichen Arbeit: Geld als sakraler Wert und Raub als Teil der Wirtschaft. Zum Schluss gibt er dem Leser ein paar lockere Anstösse zum Weiterdenken mit auf den Weg: über das Atmen, das Schöne, den Zufall, die Imagination, die Macht und den Kirchenhimmel.

Hans Christoph Binswanger: Auf dem Weg.
Verlagsgenossenschaft St.Gallen, 53 S., Fr. 16.–

Denn ich kenne mich nicht

Denn ich kenne mich nicht.
Wie ein Sprung durch die Nacht
Auf die Erde gesetzt,
Bin ich aus mir erwacht.

Wie ein Ball aus der Hand
Rolle ich vor mir hin,
Und verwundert betrachte
Ich Wege und Sinn

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