Osterfestival Andermatt eröffnet mit dem «grössten Geiger Europas»

Vor dem Ende des Oster-Festivals in Luzern begann am Samstag jenes in Andermatt. Dieses löste den Anspruch, junge Musiker mit Starpotenzial zu präsentieren, im Eröffnungskonzert prominent ein.

Gerda Neunhoeffer
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Ungewöhnlicher Mozart: der Geiger Dmitry Smirnov als Solist der Festival Strings Lucerne in der Pfarrkirche Andermatt. (Bild: Peter Fischli)

Ungewöhnlicher Mozart: der Geiger Dmitry Smirnov als Solist der Festival Strings Lucerne in der Pfarrkirche Andermatt. (Bild: Peter Fischli)

Wie würde Wolfgang Amadeus Mozart sein Violinkonzert A-Dur wohl spielen, wenn er heute leben würde? Natürlich kann man das nicht wissen, wenn man aber dem jungen Geiger Dmitry Smirnov zuhört und zusieht, kann man sich Mozart vorstellen: ungestüm, dabei durchaus besonnen, ideenreich und unglaublich spontan. Immerhin schrieb Mozart einmal an seinen Vater: «Ich spielte, als wenn ich der grösste Geiger Europas wäre.»

Das Gala-Eröffnungskonzert am Samstagabend löste damit den Anspruch des Oster-Festivals Andermatt, junge Künstler mit Starpotenzial zu präsentieren, auf hohem Niveau ein. Der 25-jährige Smirnov erwies sich als grosser Geiger. In der Kirche St. Peter und Paul hörten die zahlreichen Konzertbesucher einen ungewöhnlichen Mozart mit fliessenden Tempowechseln, eigenwilligen Phrasierungen und höchst facettenreicher Tongebung. Das war äusserst spannend, und wie die Festival Strings Lucerne sich mit diesem aussergewöhnlichen Solisten vereinten, zeigte einmal mehr die Flexibilität und hohe Qualität des Kammerorchesters.

Bravourös an die Grenzen

Als Smirnov nach der federnden Einleitung des Orchesters, das Daniel Dodds flexibel vom Konzertmeisterpult aus leitete, mit dem hohen Dreiklang schwebend einsetzte, schienen selbst die Heiligenfiguren in der Kirche zu staunen. Bei seiner wie improvisierten eigenen Kadenz liess er sich auch durch das Glocken­geläut nicht stören. Er zauberte kristalline Klangfarben, dann wieder entlockte er seiner Geige samtene Tiefe in stetem Kontakt mit dem Orchester.

Dieser Mozart klang so beseelt wie erfrischend, so sensibel wie intensiv. Seine hochkarätige Technik bewies Smirnov auch in der Carmen-Fantasie (für Violine und Streichorchester bearbeitet von Caspar Diethelm) von Pablo de Sarasate, einem Prüfstein für jeden Geiger. Diesem mehrfach preisgekrönten jungen Russen schien das aber vor allem Freude zu machen, und er scheute sich nicht, an Grenzen zu gehen. Auch dank der Begleitung der Festival Strings wurde dieses Bravourstück zu einem Highlight, das wie vorher das Mozartkonzert mit Standing Ovations gefeiert wurde.

Berühmte Vorläufer in Andermatt

Eröffnet worden war das Konzert mit der Ouvertüre zu Mozarts Oper «Don Giovanni». Gleich mit den ersten dramatischen Klängen war man gefesselt, und die unheimlichen Töne schienen sich in jeden Winkel der ausgeleuchteten Kirche auszubreiten, um sich dann in spielerische Helligkeit zu wandeln. Die drastischen Stimmungswechsel wurden von Daniel Dodds und seinen Musikern charakterstark ausgekostet.

In der Begrüssungsansprache zitierte Regierungsrat Beat Jörg aus Briefen berühmter Andermatt-Besucher wie Charles Dickens und Felix Mendelssohn-Bartholdy. Andermatt sei ein guter Ort für «höchste Vollendung der Kunst». Intendant Jörg Conrad sieht zuversichtlich in die Zukunft des Festivals (siehe Interview vom Freitag in unserer Zeitung).

Am Ende kündigte Moderatorin Sabine Dahinden die Haffner-Sinfonie mit Mozarts Angaben dazu an: «Die Tempi sollten eher forsch sein, das erste Allegro muss recht feurig gehen, das letzte so geschwind, als es möglich ist.» Und die Festival Strings erfüllten nicht nur diese Forderungen, sie spielten mit federnder Leichtigkeit, lebendig, feurig und so geschwind als möglich. So schnell wie möglich? Als Zugabe war dieser Satz noch mal ein wenig schneller. Mozart hätte seine helle Freude ebenso gehabt wie die Zuhörer in Andermatt, die beim Apéro im Hotel The Chedi den Abend mit den Musikern zusammen ausklingen lassen konnten.

Das Festival dauert bis 22. April. www.swisschamber-musiccircle.ch

Das Festival dauert bis 22. April.www.swisschamber-musiccircle.ch