Wie Black-Power-Prediger: Das Trio Algiers

ST. GALLEN. Es passiert in der Popmusik zwar selten, doch immer wieder: Dass eine Band zwei Genres kreuzt, ganz Unterschiedliches aufeinanderprallen lässt – und eine überraschende Zündung entsteht. Etwas Neues, Ungehörtes.

Marc Peschke
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ST. GALLEN. Es passiert in der Popmusik zwar selten, doch immer wieder: Dass eine Band zwei Genres kreuzt, ganz Unterschiedliches aufeinanderprallen lässt – und eine überraschende Zündung entsteht. Etwas Neues, Ungehörtes. So bei der amerikanischen Band Algiers, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, mit Postpunk und Gospel zwei Musikstile zu verbinden, die sich ferner kaum sein könnten.

Rassismus unter Beschuss

Doch die Mischung aus Soul, Gospel, Indie-Rock, New Wave und Punk funktioniert erstaunlich gut. Zusammengeschnürt wird alles durch eine strikte Haltung: anders zu sein. Das strahlt grell aus ihrem Débutalbum, das keinen Titel trägt. Auf ihm erinnern sie an vergessene Bürgerrechtler, nehmen Kapitalismus und Rassismus unter Dauerbeschuss. Fast jeder Zeile merkt man an: Hier agiert eine überaus schlaue, ernsthafte Band.

Aus musikalischen Widersprüchen holt die Gruppe aus Atlanta ihre Kraft. Ihre Vorbilder sind Bands von früher: Public Enemy oder Suicide – Künstler mit einer schroffen, revolutionären Idee von Pop. Oder die ganze Soul- und Gospeltradition ihrer Südstaatenheimat. Eine dunkle, unheimliche Musik, der Sound eines anderen Amerika.

Amerikas schwarze Geschichte

Auch in ihren Texten blüht die Vergangenheit: Sie finden mythische Bilder aus der Bibel, wenn sie über aktuelle Politik singen. Woven Hand haben das vor einigen Jahren ähnlich gemacht. Algiers sind Black-Power-Prediger: Klammheimlich schmeicheln sich ihre Todesmelodien in die Ohren, ihr Düsterblues und Death Country, der in Jeffrey Lee Pierce, Nick Cave oder Screamin' Jay Hawkins weitere Vorbilder findet und doch ungehört klingt. «Blood» heisst ihre Single – sie lässt die schwarze Geschichte Amerikas, die von Rassismus, Unterdrückung und Protest handelt, in einem Song zusammenfliessen. Unmöglich, dieses so dringliche Début zu überhören, in seiner düsteren Wut zu erfassen. Algiers spielen die derzeit wohl intensivste Protestmusik, die man sich denken kann. Jetzt ist das Trio im Palace zu Gast.

Fr, 20.11., 22 Uhr, Palace; Fr. 22.–

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