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Wider die gehörnte Norm

Am Samstag wurde «Projekt Kuh – ein Alpenthriller» im Chössitheater uraufgeführt. Während die zwei Schauspieler die Beziehung zwischen Kuh und Stier sehr überzeugend spielen, könnte der Thriller etwas mehr Spannung vertragen.
Mirjam Bächtold
Wer hat den härteren Grind? Die Kuh (Seraina Kobelt), der Stier (Manuel Löwensberg) und eine Romanze im Alpenthriller. (Bild: Benjamin Manser)

Wer hat den härteren Grind? Die Kuh (Seraina Kobelt), der Stier (Manuel Löwensberg) und eine Romanze im Alpenthriller. (Bild: Benjamin Manser)

LICHTENSTEIG. Sie frisst, sie scharrt, sie muht und kratzt sich den Rücken am Baumstamm: Seraina Kobelt ist ganz Kuh. Ihre Tage bestehen aus wiederkäuen und schlafen, das Fressen ist ein Genuss, sie ist ganz im Moment. Die Toggenburger Schauspielerin mimt das Tier so überzeugend, dass man wirklich eine Kuh auf der Bühne erkennen kann. Im Chössitheater ist «Projekt Kuh – ein Alpenthriller» am Samstag uraufgeführt worden. Im Chössitheater deshalb, weil Seraina Kobelt, auf deren Initiative das Stück entstand, im Toggenburg aufgewachsen ist. Nicht zuletzt aber auch, weil Kühe einfach zum Toggenburg gehören.

Kuh von Welt, unsicherer Stier

Doch Leas Kuh-Idylle wird gestört. Etwas stimmt ganz und gar nicht auf der Lütisburger Weide. Kühe verschwinden, und wenn sie zurückkommen, haben sie keine Erinnerung mehr an das Geschehene und keine Hörner. Lea beschliesst, dem mysteriösen Spiel auf den Grund zu gehen, schliesslich ist sie «eine Kuh von Welt».

Im Gegensatz zum namenlosen Stier, der allein im Wald unterwegs ist. Ohne Selbstvertrauen irrt er zwischen den Bäumen umher und muss sich selbst gut zureden: «Ich bin mein eigener Torero, ich brauche kein rotes Tuch, um vorwärts zu kommen.» Manuel Löwensberg spielt den verunsicherten Stier, der keine Ahnung vom Leben hat, sehr feinfühlig und überzeugend.

Misstrauisches Beschnuppern

Als Lea, die nie zuvor einen Stier gesehen hat, auf ebendiesen trifft, ist ihr Idealbild eines Stiers zerstört. Doppelt so gross wie sie selbst, hat sie ihn sich vorgestellt, mit überdimensionalen Hörnern. Da ist erstmal ein gegenseitiges misstrauisches Beschnuppern angesagt. Sehr schön spielen Seraina Kobelt und Manuel Löwensberg die schrittweise Annäherung der Tiere. Sie umkreisen sich, reiben ihre Stirnen aneinander und reichen sich die Hufe – von den Schauspielern konsequent zu Fäusten geballte Hände. Obwohl eine Anziehung da ist zwischen den beiden, bleibt ein Misstrauen; sie verschweigen ihre Gefühle und die wahren Gründe, weshalb sie unterwegs sind. Unterwegs zu den sieben Kuhfürsten, die das Tal regieren. «Und überhaupt: Ich bin nicht in der Zeit!», wehrt Lea die Versuche des Stiers ab, sie zu küssen.

Die Liebesgeschichte zwischen Lea und Chonrad – von ihr so getauft – ist einfühlsam dargestellt, die Gefühle der Kühe vermenschlicht. Sie will über das Schleckvorspiel und Sex reden, was dem verklemmten Chonrad peinlich ist. Trotzdem kann er offen sagen: «Ich liebe deine Hörner.» Denn Leas Hörner sind anders als seine – nicht so perfekt geformt. Chonrad verliebt sich in Leas Individualität, ihre Echtheit, die ihm abhanden gekommen ist. Ob seine Hörner denn nicht echt seien, will Lea wissen. «Ich bin halt etwas genormter. Ich habe Idealhörner. Ideal wofür auch immer.» Wofür, weiss Chonrad nicht. Vergessen hat er auch, weshalb er seine echten Hörner nicht mehr hat.

Fast wie ein Roadmovie

Am Ende des Stücks kommen Lea und Chonrad dem Geheimnis auf die Spur. Entdecken, dass Säntis den Kühen die Hörner abnimmt. Er stiehlt ihnen die Individualität und setzt ihnen genormte Hörner auf, macht aus ihnen eine Einheitsgesellschaft.

Das Stück (Regie: Andrea Schulthess) überzeugt vor allem in der ersten Hälfte, auf der Heldenreise von Lea und Chonrad, die ein bisschen an ein Roadmovie erinnert. Gegen Schluss wird die Geschichte etwas verworren, die Ereignisse überschlagen sich zusammenhangslos und der Spannungsbogen wird etwas plump aufgelöst. Was daran liegen mag, dass das Thema zu komplex ist, um es mit Kühen darzustellen, die etwas Niedliches und Witziges an sich haben; stellenweise erinnert die Inszenierung an ein Kinderstück. Während das Thrillerthema mehr Spannung vertragen könnte, gelingt aber die Liebesgeschichte zwischen Kuh und Stier schön und sehenswert.

Weitere Aufführungen: Fr., 12., Sa, 13., je 20 Uhr, So, 14.2., 17 Uhr, Theater 111, St. Gallen; Fr, 26., Sa, 27.2., je 20 Uhr, Tanz-Traum, Herisau.

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