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Arno Troxler - Leiter des Jazz Festival Willisau - im Gespräch: «Wichtig ist, dass die Dramaturgie stimmt»

Das Jazz Festival Willisau ist ein Anziehungspunkt für überraschende Musik. Arno Troxler ist zum zehnten Mal in leitender Funktion dabei.
Interview: Pirmin Bossart
Festivalleiter Arno Troxler.

Festivalleiter Arno Troxler.

Sie machen das Festival nun bereits zum zehnten Mal, da drängt sich ein erster Rückblick auf. Wie zufrieden sind Sie damit, was aus dem Jazz Festival Willisau geworden ist?

Arno Troxler: Das Festival ist nicht grösser oder pompöser geworden, die Besucherzahlen der besten Jahre sind Geschichte. Aber in Anbetracht der äusseren Umstände, wie sich das Musikgeschäft und die Festivallandschaft entwickelt haben, darf ich sehr zufrieden sein. Es ist erfreulich, dass es das Jazz Festival Willisau immer noch gibt.

Was fällt Ihnen besonders positiv auf?

Es gib inzwischen einen wachsenden Teil des Publikums, der darauf vertraut, was wir programmieren. Sie kaufen ein Ticket für einen bestimmten Programmblock, obwohl sie die Namen der Künstler nicht unbedingt kennen. Auch eher unbekannte Bands ziehen immer noch ein stattliches Publikum an. Ich bekomme oft Rückmeldungen, dass die Leute es super finden, in Willisau Musik entdecken zu können, die sie sonst kaum gehört hätten.

Gibt es Sachen oder Entwicklungen, die Sie eher beunruhigen? Oder die anders als erwartet gelaufen sind?

Das gibt es immer. Der wirtschaftliche Teil des Festivals ist viel schwieriger, als ich das am Anfang gedacht hatte. Auch inhaltlich diskutieren wir viel. Wir planen ein Jahr lang für fünf Tage. Ein Festival ist kein übliches Tagesgeschäft, wo du laufend Anpassungen machen kannst und dann merkst, was es noch braucht oder nicht mehr braucht. Wenn wir gewisse Retuschen vornehmen, sehen wir nicht gleich, ob das die Verbesserungen bringt, die wir uns erhoffen.

Joshua Redman, der das Festival eröffnet, gehört zu den wenigen grossen Namen des Jazz, die dieses Jahr in Willisau vertreten sind. Ist das Konzept oder eine Geldfrage?

Die grossen Namen im Jazz sind mehrheitlich gestandene ältere Musiker, die der jüngeren Generation weniger bekannt sein dürften. Es interessiert mich mehr, was heute und morgen passiert. Deswegen bringe ich lieber vielversprechende Musikerinnen und Musiker nach Willisau, die man noch nicht so kennt. Das kostet etwas weniger, aber zieht auch weniger Leute an. Trotzdem bin ich überzeugt: Diese Programmierung gibt dem Festival ein Profil.

Wie entstehen die einzelnen Programmblöcke, was ist das für ein Prozess?

Verschiedene Kriterien spielen eine Rolle: Die Grösse einer Band, die Instrumentierung, stilistische Kriterien. Wir bringen auch regelmässig Musikerinnen, die Bandleaderinnen sind. Das alles soll am Ende eine gute Vielfalt ergeben. Es ist ein feines Austarieren, damit sowohl der Bogen über alle fünf Tage, als auch die einzelnen Konzertblöcke interessant und abwechslungsreich zusammengesetzt sind. Bei uns sind Schweizer Bands auch nicht automatisch Vorbands. Wichtig ist, dass die Dramaturgie stimmt. Darauf legen wir Wert.

In den letzten Jahren konnten Sie das Festival mit einem breiten Spektrum an vielen kleineren Sponsoren und Gönnern finanzieren. Ist die Suche nach einem Hauptsponsor noch immer ein Thema?

Für potente Firmen aus der Privatwirtschaft ist das Festival marketingmässig zu wenig interessant. Andererseits bedeutet ein Hauptsponsor immer auch ein Klumpenrisiko. Springt einer mal ab, weil die Prioritäten eben wechseln können, fehlt sofort viel Geld. Deswegen arbeite ich lieber mit der öffentlichen Hand, mit Stiftungen, Gönnern und der regionalen Wirtschaft zusammen. Ich habe seit Anfang mehr oder weniger immer noch die gleichen Sponsoren, die uns unterstützen. Dass uns lokale Firmen beim Aufbau der Infrastruktur Rabatte gewähren, hilft auch extrem.

Im Zelt gibt es jeden Tag Gratis-Konzerte. Was tragen diese zum Festival bei?

Hier denke ich vor allem an die einheimischen Leute, die einmal am Festival vorbeischauen und vielleicht etwas essen wollen, ohne gleich ein Konzert zu besuchen. Wenn ich schon von der Stadt Willisau unterstützt werde und wir hier fünf Tage etwas Rambazamba machen, möchte ich auch etwas zurückgeben. Wenn das nur ein elitärer Anlass für Jazz-Freaks wäre, würde mich das sehr stören. Es ist diese Mischung und die Atmosphäre, die das Festival Willisau zu dem machen, was es ist.

Das Jazz Festival Willisau beginnt heute und endet am Sonntag, 1. September. Infos zum Programm und Tickets unter www.jazzfestivalwillisau.ch

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