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WETTBEWERB: Ein Herz für Streuner

Die 68. Berlinale wurde mit dem Animationsfilm «Isle of Dogs» eröffnet. Darin sprechen Stars wie Bill Murray und Bryan Cranston Hunde. Kultregisseur Wes Anderson über seine bisher bissigste Filmfabel.

Ganz Berlin sucht derzeit nach einem Hund. Er hat ein weisses Fell mit schwarzen Punkten, hellblaue Augen und ein silbernes Halsband mit seinem Namen drauf: Spots. «Finderlohn», steht auf den Plakaten mit seinem Gesicht, die überall hängen. Bei der Vermisstmeldung handelt es sich um eine Promoaktion. Der Film, um den es geht, hat am Donnerstagabend die 68. Internationalen Filmfestspiele von Berlin eröffnet, als erster Animationsfilm überhaupt. Er heisst «Isle of Dogs». Wer nun seichte Trickfilmunterhaltung für Hundeliebhaber erwartet, irrt gewaltig. «Isle of Dogs» ist der neueste Streich von Wes Anderson. Der 48-Jährige aus Texas gilt als einer der aussergewöhnlichsten Filmemacher der Welt.

«Isle of Dogs» spielt in einer dystopischen japanischen Grossstadt namens Megasaki. Der katzenliebende Bürgermeister hat sämtliche Hunde auf die benachbarte Müll-Insel verbannt. Die mit einem Virus infizierten Tiere seien eine Bedrohung für die Menschen. Zunächst ist es nur der 12-jährige Atari, der sich dagegen auflehnt. Unterstützung erhält er von den Mischlingshunden Rex, Boss, King, Duke und Chief. Fünf Alphatiere, die sich in Wes-Anderson-Manier ständig zanken. Zwei Fragen wurden dem Filmemacher in Berlin mehrfach gestellt: Warum Japan? «Weil ich ein grosser Liebhaber des japanischen Kinos bin», antwortete er. Filmklassiker von Akira Kurosawa und Hayao Miyazaki hätten einen Einfluss auf «Isle of Dogs» gehabt, ebenso die Malereien und Holzschnitte von Hokusai. Warum Hunde? «Weil Hunde für mich wie Menschen sind. Sie haben eine eigene Persönlichkeit.»

Das gilt im Film erst recht – dank der Schauspieler Bill Murray, Bryan Cranston, Edward Norton, Jeff Goldblum und Liev Schreiber, die den Tieren ihre Stimme leihen. In «Isle of Dogs» floss über viereinhalb Jahre Handarbeit. Der Film entstand im Stop-Motion-Verfahren. Sprich: mit handgefertigten Puppen und Modellen, deren Position zwischen jedem Standbild leicht verändert wurde, um den filmischen Bewegungseffekt zu erzeugen. Bereits 2009 verfilmte Anderson so den Kinderbuchklassiker «Fantastic Mr. Fox» von Roald Dahl. «Isle of Dogs» sei ein weitaus grösseres Unterfangen gewesen: «Wir hatten doppelt so viele Kulissen, dreimal so viele Figuren – aber auch viel mehr Erfahrung als damals.» Natürlich steckt in «Isle of Dogs» alles, was einen Wes-Anderson-Film ausmacht: lakonischer Humor, Situationskomik, Charme. Seine Helden sind Aussenseiter, Streuner und Waisen, die sich eine Patchworkfamilie basteln. Als die Vorführung vorbei war, hiess es in Berlin: «Isle of Wes Anderson!»

Lory Roebuck

ab 10. Mai in den Kinos

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