Westwärts: Ein musikalischer Streifzug durch Amerika

ST. GALLEN. Dolby Surround, das gehört in modernen Kinosälen längst zum guten Ton. Im klassischen Konzertsaal dagegen passiert es selten, dass sich die Musiker von ihren angestammten Plätzen auf dem Podium entfernen, dass sie ihr Publikum von allen Seiten mit Klang umhüllen.

Bettina Kugler
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ST. GALLEN. Dolby Surround, das gehört in modernen Kinosälen längst zum guten Ton. Im klassischen Konzertsaal dagegen passiert es selten, dass sich die Musiker von ihren angestammten Plätzen auf dem Podium entfernen, dass sie ihr Publikum von allen Seiten mit Klang umhüllen.

Anders das Kammerorchester St. Gallen am Samstagabend im Palace – das schliesslich mal ein Kino war und nun zu seinem ersten «klassischen» Konzert kam. Wobei die Schubladen an diesem Abend keine allzu grosse Rolle spielten; «es gibt nicht E oder U, es gibt nur schlechte oder gute Musik», soll Leonard Bernstein einmal gesagt haben; so sehen es auch Dirigent Mathias Kleiböhmer und das Orchester. Warum nicht Duke Ellingtons «C-Jam-Blues» mit Streichern, Saxophon und Schlagzeug, warum nicht Wiegenlieder von Gershwin und Peter Lenzin, die ruhig und froh, aber keineswegs müde machen?

Klangmuster von allen Seiten

Da sassen die rund zwanzig Musiker dann auch wieder brav vorne auf der Bühne; allenfalls die bunten Scheinwerfer auf Geigen, Bratschen und Celli verlockten im Saal dazu, etwas tiefer im gepolsterten Sitz zu versinken, als man es wohl bei Beethoven in der Tonhalle für angebracht hielte. Ungewöhnliche Spielorte, kein klassisches Programm, als Gast der famose Saxophonist Peter Lenzin: soviel Entdeckungslust wirkte ansteckend, vom ersten Stück an, Terry Riley Minimal-Music-Manifest «In C». Eine Herausforderung für ein semiprofessionelles Ensemble, weniger im technischen Anspruch denn im raumgreifenden Zusammenspiel von allen Seiten – Dolby surround eben, ein Angriff auf die Linearität der Musik.

Streicher plus Saxophon

Pünktlich zum 201. Geburtstag von Adolphe Sax stand sein vielseitiges Instrument im Mittelpunkt. Peter Lenzin spielte die weite Ausdruckspalette schon in den drei Sätzen des Saxophonkonzerts von Sir Malcolm Arnold genüsslich aus: sangliche Linien, rhythmischen Drive, launische Wechsel, freches Marschieren an den Grenzsteinen der Tonalität. Packend dann Piazzollas Tango, Lenzins grooviges «New Max», das zwei Zugaben nötig machte. Wir hätten auch die Maximalversion von Rileys Klangbaukasten akzeptiert. Gerne mit Saxophon!