Westschweizer Serie mit Claudia Cardinale: Wann zeigt sie SRF?

«Bulle» und «Helvetica» sind der Beweis dafür, dass Serienfans häufiger einen Blick über die Sprachgrenze hinweg wagen sollten.

Daniel Fuchs
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In «Bulle» eine Urgrossmutter: Claudia Cardinale (81).

In «Bulle» eine Urgrossmutter: Claudia Cardinale (81).

Bild: Solothurner Filmtage

Im Italowestern «Spiel mir das Lied vom Tod» verkörperte sie die Überlebende einer ausgelöschten Farmerfamilie in der Prärie, bald ist Claudia Cardinale in «Bulle» als Nonna einer Schweizer Bauernfamilie am Fernsehen zu sehen. Die neue Serie des Westschweizer Fernsehens RTS handelt von der Bauernfamilie Aubert im ländlichen, aber von rasanten wirtschaftlich Veränderungen getroffenen Greyerzerland.

Mit «Bulle» ist nicht nur der Hauptort dieser Freiburger Region gemeint, «bulle» bedeutet auf Französisch auch Blase. Und einer solchen Blase gleicht das Familienleben, das durch eine Krebserkrankung der Enkelin von Matriarchin Marthe (Claudia Cardinale) jäh durcheinander geschüttelt wird. Regie führte Anne Deluz, die vergangenen Herbst selbst ihren Kampf gegen den Krebs verlor.

«Bulle» ist sehr bedächtig erzählt und in den ersten Folgen wird die Familiengeschichte aus der Optik dreier verschiedener Akteure beleuchtet. Marthe ist eine dieser zentralen Figuren. Sie, die Migrantin, macht aus ihrer Ablehnung gegenüber der neuen albanischen Freundin des Urenkels, keinen Hehl. Und weist so auf ein typisches Muster hin: Die «Tschinggen» von früher sind heute die guten Italiener. Die Ablehnung trifft nun andere Einwanderergruppen.

Zwei Episoden der sechsteiligen Serie «Bulle» hatten an den Solothurner Filmtagen Premiere. In der Westschweiz wird sie im März ausgestrahlt, nach dem Heimspiel am Fribourg International Film Festival.

Daneben sorgte in Solothurn eine zweite Fernsehserie aus der Westschweiz für Furore. «Helvetica» ist ein spannender Polizeithriller über eine Schweiz im Strudel geopolitischer Verwerfungen.

Hier geht es zum Trailer von «Helvetica»

Setting ist die Bundesstadt Bern, die Fäden laufen zusammen in der Politik, in der Terrorabwehr und bei einer Putzfrau im Bundeshaus, die gegen ihren Willen zur Geheimagentin wird (gespielt von ­Flonja Kodheli). Gegensätzlicher zu «Bulle» könnte «Helvetica» nicht sein, hier muss immer etwas geschehen, die Geschichte ist temporeich und mehrschichtig erzählt.

In der Westschweiz wurde «Helvetica» bereits ausgestrahlt. Die Rechte in der Deutschschweiz hatte sich der Pay-TV-Anbieter Teleclub geangelt. SRF ist nun daran, die Serie für das Deutschschweizer Publikum auf Mundart zu synchronisieren.

SRG-Serien sollen in der ganzen Schweiz laufen

Schade, ist «Helvetica» bei RTS nicht mehr online, finden wir. Die Originalfassung macht Spass und es gibt sogar Mundartpassagen, etwa wegen der Bündner Schauspielerin Ursina Lardi als Bundespräsidentin.

«Helvetica» kommt gemäss SRF im Herbst ins Programm. Früher und zeitgleich wie in der Westschweiz läuft «Bulle» an. In der Deutschschweiz allerdings unter dem Namen «Kleine Lügen».

Das passt zur Serienstrategie der SRG. Dort will man vermehrt Produktionen aus den verschiedenen Landesteilen zeitgleich in den anderen zeigen. Das erklärt auch, weshalb die zweite Staffel der SRF-Krimiserie «Wilder» ab nächster Woche in der Westschweiz gleich mit mehreren Episoden anläuft.

Der Grund: Die Romands sind bei «Wilder» in Rückstand. Sie sollen aber aufs Finale nicht länger warten müssen als die Zuschauer in der Deutschschweiz.