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WERKSCHAU: Ein Schaufenster voller Spielideen

Im Rahmen des Kinder- und Jugendtheaterfestivals «Jungspund» in St. Gallen liessen sich neun ­professionelle Gruppen in ihre Spieltruhen blicken. Zu sehen gab es Überraschendes und höchst Aufregendes.
Brigitte Schmid-Gugler

Brigitte Schmid-Gugler

brigitte.schmid@tagblatt.ch

«Wer zu den Poplern gehört, bitte mal Arm aufstrecken!» Ach, du heiliger Strohsack, das fängt ja gut an. Der Zuschauerraum in der Lokremise ist etwa zur Hälfte besetzt an diesem Samstagmorgen. Der Anlass richtet sich an Erwachsene und unter denen soll’s ja auch einige geben, die dem ­Nasenbohren nicht abgeneigt sind. Die Anwesenden sind allesamt Profis der Sparte Kinder- und Jugendtheater aus allen Sprachregionen der Schweiz. Während dreier Stunden dürfen sie sich zirka zehnminütige Ausschnitte ansehen von bereits ausgereiften und aufgeführten oder erst angedachten Produktionen aus der ganzen Schweiz. Die Plattform dient dem Austausch und Kontakteknüpfen.

Die Auswahl der am Samstag vorgestellten Ausschnitte zeigte einmal mehr, wie vielfältig, bunt, ehrgeizig und aktuell diese Szene ist, die kaum je über die komfor­tablen Mittel von subventionierten Theaterhäusern verfügen.

Ernste und lustige Themen, leichtfüssig erzählt

Das Popelforscher-Quartett – es unterscheidet zwischen Poplern, Nichtpoplern und Heimlich­poplern – kommt aus Vorarlberg und lässt das Kopfhörer tragende Publikum an ersten Ergebnissen teilnehmen. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie im Saal gekichert und gelümmelt würde, sässen Kinder drin und hörten, dass das Popeln der Gesundheit derart förderlich sei, dass künftig eine synthetische Form dem Kau­gummi und einer «Nasenschleimzahnpasta» beigemischt werden soll. Es gehe darum, die Kinder zu ermuntern, Tabus zu benennen, nachzufragen und zu hinterfragen, erläuterte die Tänzerin und Schauspielerin Diana Rojas.

Dann die Piraten. Kinder mögen sie. Erwachsene auch. Der Re­gisseur Roman Weishaupt hat das Stück «Giaglina Ida & Stgilat Pilat – eine sonderbare Freundschaft» inszeniert. Marina Blumenthal und Lorenzo Polin touren damit schon eine ganze Weile durchs Bündnerland – und hoffentlich bald auch noch weiter, mindestens bis in die Ostschweiz. Denn dann könnten Kinder und Erwachsene noch viel länger dabei zusehen, wie das Piraten-Eichhörnchen mit dem Sprachfehler und die herrlich aufgeplusterte, gackernde und tänzelnde Henne Ida, die keine Eier legen kann, Freunde werden. Das bisher erst in romanischer Sprache ­aufgeführte Stück thematisiert Anderssein und Ausgrenzung auf wunderbar verspielte und kindgerechte Weise. Auch die St. Galler Schauspielerin Eliane Blumer geht mit dem von Frauke Jacobi inszenierten Stück «Cinderella» der Frage nach, was mit einem passiert, wenn man nicht dazu gehört, ausgelacht, geschnitten wird

Um das Fremde, das angstmachende ­Unbekannte geht es im Stück von Theater Dampf mit dem Titel «De Anderscht von Anderscht­wo». Komiker und Geschichtenerzähler Ueli Bichsel hat’s geschrieben; vor­gestellt wurde es in der Lok­remise im Puppenstubenformat. Mäus, der Erfinder und Spieler, und Chümel, der Kon­trollfreak bekommen Besuch von Achmed, einem Flüchtling. Wie reden mit dem? Überhaupt: Was machen mit einem solchen? Wegjagen? Aufnehmen? Essen teilen oder besser sofort alles wegschliessen?

Und schliesslich wurde im poetischsten Setting – blaue und schwarze Plastikfolie, Kleiderständer und Livemusik – die berührendste Geschichte um den Hafenkater Zorbas und die kleine Möwe erzählt. Dass man so schlicht und doch eindringlich von Tieren erzählen kann, die bei einer Ölkatastrophe kläglich ­verenden, das ist grosse, sehenswerte Figurentheaterkunst!

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