Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

WERKBEITRAG: «Ich fand meine afrikanischen Wurzeln»

Die St.Galler Sängerin Nathalie Maerten hat sich auf Spurensuche nach Angola begeben und ist erstmals ihren dortigen Verwandten begegnet. Diese Eindrücke will sie in ihre zukünftige Musik einfliessen lassen.
Martin Preisser
Weite Reise nach Afrika: Nathalie Maerten fühlte sich wie zu Hause angekommen. (Bild: Sabrina Stübi)

Weite Reise nach Afrika: Nathalie Maerten fühlte sich wie zu Hause angekommen. (Bild: Sabrina Stübi)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

«Es gibt viele Künstlerinnen und Künstler in St.Gallen, denen ich auch einen Werkbeitrag der Stadt gegönnt hätte und die ihn wohlverdient hätten», sagt die bekannte St.Galler Pop- und Jazzsängerin Nathalie Maerten mit echter Grosszügigkeit. Sie freut sich natürlich, dass ihr jetzt das Fördergeld für die weitere künstlerische Arbeit hilft.

«New Beginning» heisst ihr warmes, sensibles Album mit dem Pianisten Claude Diallo, das 2013 herauskam. Einen Monat Spurensuche in Afrika, in Angolas Hauptstadt Luanda – auch ein Neuanfang. «Diese Reise war eine echte Mutprobe», sagt Natalie Maerten. Wenn die aus Gais stammende Künstlerin von ihrer afrikanischen Familie erzählt, klingt das erst einmal fast wie ein Märchen. Ihre Urgrossmutter war die Tochter des Königs von Cabinda, der nördlichen Exklave in Angola, die im Zusammenhang mit den Paradise Papers und der globalen Korruption gerade international Schlagzeilen macht. Nathalie Maertens Grossmutter hat bis 1961 im Kongo gelebt und ist dann mit ihrem Gatten, einem Schweizer Geschäftsmann, und der damals sechsjährigen Tochter, der Mutter der Sängerin, in die Schweiz geflohen.

Ein iPhone kann den Tod bedeuten

Angola ist gefährlich. «In Luanda kannst du wegen eines iPhones auf offener Strasse ermordet werden», warnte sie ihr Cousin. Eine Woche ist Nathalie Maerten daher erst einmal nur im Zimmer gesessen und hat auf die Strasse geschaut, auf Soldaten mit Kalaschnikows oder auf die Frau, die jeden Tag ihre Fische anpries.

Ihr Grossonkel hat die Nationalhymne Angolas komponiert, war Sportminister und ist Botschafter Angolas in Portugal. So fremd ihr Afrika war, gleichzeitig sei ihr vieles irgendwie vertraut vorgekommen. «Meine Spurensuche in Angola ist wie ein letztes Puzzleteil zu den bisherigen Erfahrungen in meinem Leben, ein ziemlich komplexes Puzzleteil, das mich in eine ganz neue Ebene bringt», sagt Nathalie Maerten. «Es war eine Reise ins Ungewisse, und doch hatte ich das Gefühl, jetzt komme ich heim, und spüre Afrika irgendwie als meine zutiefst inneren Wurzeln.»

Als Weisse mit dem Aufnahmegerät durch Luanda, Geräusche und Atmosphäre einfangen oder filmen, das war am Anfang nicht einfach. Dieser Monat in Angola – sie sei wie unter Dauerstrom gestanden. Es war ja auch nicht klar, wie die afrikanischen Verwandten, die Onkels, Cousins und Cousinen auf den plötzlichen Besuch ihrer Ostschweizer Verwandten reagieren würden. Sie haben mit Herzlichkeit reagiert und sie «daheim» willkommen geheissen. Mit dem angolanischen Theatermann José Mena Abrantes ging sie an Theaterproben und wurde für einen Auftritt gebucht, ebenso für ein Jazzfestival 2018. Die Familie hat eine Jam-Session organisiert. Spontan wurde im Hinterhof musiziert. Nathalie Maerten hat auch vorprogrammierte Beats mitgebracht, auf die verschiedene Künstler gesungen haben.

Viel Wärme und eine andere Zeitqualität

«Black Rose. Impressionen. Ein Essay» heisst eine kleine Ausstellung mit musikalischem und Filmmaterial, die im Februar im Lagerhaus St.Gallen zu sehen ist. Was hat die vielseitige Sängerin aus Angola mitgebracht? «Ich habe in Afrika viel Wärme gespürt, mehr als in unserem durchstrukturierten Land. Hier muss immer gleich eins nach dem anderen passieren, in Angola steht man auf, um zu überleben, und man wartet viel», sagt Nathalie Maerten. In ihren neuen Songs will sie eine Symbiose versuchen zwischen dem Strukturierten hier und dem Spontanen, Chaotischen, das sie auf dem Schwar­zen Kontinent als Lebensgefühl wahrgenommen hat. Und sie will die andere Zeitqualität Afrikas in ihre Musik einfliessen lassen.

Nathalies Grossmutter, die im Thurgau lebt, hatte grosse Angst, dass ihre Enkelin Angola besucht. Jetzt ist die Tochter der Königstochter aus Cabinda stolz, dass ihre Enkelin ihre Wurzeln, sicher auch ihre musikalischen, gefunden hat. Man darf gespannt sein, wie Nathalie Maertens neue Lieder klingen werden!

Übergabe der Förder- und Werkbeiträge der Stadt St.Gallen: Mo, 13.11., 18 Uhr, Palace, St.Gallen

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.