Werdenberg: 28 Betten stehen im Dachstock

Kunstvoll schlafen im Schloss: Im Rahmen der Schlossmediale Werdenberg nehmen das Theater Konstellationen und die Compagnie 29/09 dreimal nachts mit auf eine Hör- und Schlafreise durch die Alpen. Jonas Knecht, künftig Schauspieldirektor am Theater St. Gallen, ist mit «Alpinarium» schon lange unterwegs.
Bettina Kugler
Jonas Knecht Regisseur, Mitbegründer des Theaters Konstellationen (Bild: Ralph Ribi)

Jonas Knecht Regisseur, Mitbegründer des Theaters Konstellationen (Bild: Ralph Ribi)

Wie muss es sich angefühlt haben für Flachländer, für Berliner Stadtpflanzen: nach einer Nacht mit Alpenklängen und Geschichten im Ohr, erzählt von echten Berglern in urchiger Mundart, gehört unter braunen Wolldecken mit Schweizerkreuz, am Morgen in die U-Bahn zu steigen, wieder aufzutauchen in einer lauten, verkehrsreichen Metropole? Der «Clash» mit den Bildern im Kopf wird grösser gewesen sein als in Fribourg, wo «Alpinarium» ebenfalls schon zu erleben war, grösser auch als vor elf Jahren nach der Nacht in der St. Galler Grabenhalle.

Bilder im Kopf animieren

Die Performance, eine nachtfüllende Toninstallation, hat selbst schon eine ausgedehnte Reise hinter sich. Sie war in Metz, Zürich, Dijon, Saarbrücken – und immer spielte der jeweilige Raum, der Schauplatz des Bettenlagers eine wichtige Rolle. «Je kruder der Ort, je weniger er mit den Alpen zu tun hatte, desto intensiver wirken die Bilder und Geschichten, die dabei im Kopf entstehen», diese Erfahrung hat Jonas Knecht in mehr als zehn Jahren mit «Alpinarium» an verschiedenen Spielorten gemacht. Wie stark sich diese Eindrücke und Bilder jeweils unterscheiden, zeigt sich beim gemeinsamen Morgenessen, mit dem die Klangreise endet. Auch auf Schloss Werdenberg wird es so sein. Im Dachstock werden 28 Betten aufgestellt; die Gäste werden von Schauspielern, dem «Alpinariumpersonal», zu Beginn umsorgt und können dann, bis sie sanft in den Schlaf gleiten, versonnen horchen, träumen, zu Klängen und Stimmen aus den Alpen dem eigenen Kopf-Theater zuschauen. Das Programm startet gegen 23 Uhr und geht etwa zwei Stunden, wird in der Nachtphase leiser und immer sanfter – bis zum Aufwachen. «Im Schloss wird es anders sein als im hermetischen Raum eines Theaters; man wird Vögel hören, die Tauben, die Aussenwelt spielt stärker hinein.» Und sicher auch die Vergangenheit.

Jedes Bett ist verkabelt

Jonas Knecht, ab der kommenden Spielzeit Schauspieldirektor am Theater St. Gallen, spricht von «Alpinarium» als einem «Herzensprojekt»: Entstanden vor mehr als zehn Jahren als immer wieder dem jeweiligen Ort und Rahmen angepasste Klangcollage, war es ein zündender Funke für sein weiteres Schaffen; er konnte darin auch seine Lust am technischen Tüfteln ausleben. Nicht umsonst hat Knecht zuerst Elektrotechnik studiert und als Ingenieur gearbeitet. «Der Aufbau für diese Performance ist höchst aufwendig; jedes Bett muss verkabelt werden. Wir haben <Alpinarium> technisch weiterentwickelt mit den Jahren; die erste Version war noch ziemlich gebastelt.»

Erst einmal braucht es genügend Betten: Mal waren das Feldbetten oder Pritschen, mal ausgeliehene Spitalbetten. Auch das prägt die Wahrnehmung. Das Verkabeln, den Schnitt der Tonspuren: Jonas Knecht mag diese Arbeitsphasen. «Solche Audioprojekte haben viel mit Animation zu tun; letztlich geht es darum, Bilder in den Köpfen in Bewegung zu bringen.»

Schloss Werdenberg (Bild: Hanspeter Schiess)

Schloss Werdenberg (Bild: Hanspeter Schiess)

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