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Verein Gambrinus fragt sich: Wer rettet den St. Galler Jazz?

Der St. Galler Jazzverein Gambrinus stellt sich derzeit grundsätzliche Fragen.
Personelle Änderungen stehen bevor.
Roger Berhalter
Gambrinus-Trio im Einstein-Bistro: Pino Buoro, Andreas B. Müller und Peter Hummel (von links) vom Vorstand des Jazzvereins wollen zurück- oder kürzertreten. (Bild: Michel Canonica)

Gambrinus-Trio im Einstein-Bistro: Pino Buoro, Andreas B. Müller und Peter Hummel (von links) vom Vorstand des Jazzvereins wollen zurück- oder kürzertreten. (Bild: Michel Canonica)

Von aussen betrachtet, geht es Gambrinus Jazz plus blendend. 180 Mitglieder zählt der Verein, der Newsletter geht an 2100 Empfänger, und seit Jahren darf der Verein auf grosszügige Unterstützung der öffentlichen Hand und von Stiftungen zählen. Der Kanton zahlt 20’000 Franken pro Jahr, die Stadt 27’000 Franken. «Finanziell sind wir gut aufgestellt», sagt Präsident Andreas B. Müller.

Und doch zeigen sich bei näherer Betrachtung Probleme. Pino Buoro vom Gambrinus-Vorstand organisiert pro Jahr rund 40 Konzerte. Fast jeden Montag treten Jazzmusiker im Bistro des Hotels Einsteins an der Wassergasse auf. Genau an jener Stelle, wo 1995 die Jazzbeiz Gambrinus eröffnete.

Damals blühte in der Stadt die Jazzszene. Unter der Leitung des Wirtepaars Suzanne Bertényi und Hector Zemma – beide auch Musiker – fanden unzählige Konzerte und Jamsessions statt. Die nahe Jazzschule am Hauptbahnhof spülte regelmässig junge, spielhungrige Musikerinnen und Musiker ins «Gambrinus», für Nachwuchs war gesorgt.

Zwanzig Konzertbesucher sind zu wenig

Die Gambrinus-Beiz gibt es längst nicht mehr, die Jazzschule wurde inzwischen geschlossen, und das jazz-affine Publikum in der Stadt scheint zu schwinden. Wenn an einem Montagabend wieder einmal nur 20 zahlende Gäste ins Bistro Einstein kämen, schäme er sich fast, sagt Pino Buoro. «Wir müssten es doch schaffen, mehr Stammpublikum anzulocken!»

Der Jazzverein stellt sich derzeit grundsätzliche Fragen, wie Andreas B. Müller sagt: «Braucht St. Gallen einen Jazzclub? Ist St. Gallen gross genug für einen Jazzclub?» An einer fünfstündigen Sitzung hat sich der Vorstand kürzlich Gedanken zur Zukunft gemacht.

Anlass sind zwei personelle Veränderungen, die im Verein anstehen. Andreas B. Müller wird im Sommer 2020 als Präsident zurücktreten. Und Pino Buoro möchte kürzertreten, weil er mit all der ehrenamtlichen Konzertveranstalterarbeit auf zu wenig Resonanz stosse und allmählich Verschleisserscheinungen spüre. «Offensichtlich machen wir etwas falsch», stellt Müller selbstkritisch fest.

Auch zur stilistischen Ausrichtung gibt es im sechsköpfigen Vorstand unterschiedliche Meinungen. Sollen es eher gediegene Konzerte mit Abendessen und Weinbegleitung sein wie bei «Live im Bistro»? Oder eher experimentelle Klänge wie in der Reihe «Soeben» im Exrex? Braucht es kleine Stubenkonzerte in der Stickerei oder lieber grosse Bühnenauftritte im Palace?

Gambrinus hat in den vergangenen Jahren vieles versucht und mehr als 20 Lokale bespielt, vom Kugl über die Lokremise bis zum Irish Pub. Doch sesshaft ist der Verein seit dem Abbruch des «Gambrinus» an der Wassergasse nirgends mehr geworden. Die Kooperationen mit verschiedenen Gastronomen dauerten jeweils nur kurz. Früher oder später gab es immer Konflikte wegen unterschiedlicher Interessen. «Ein Beizer möchte Umsatz machen, ein Jazzclub möchte Musik machen», sagt Andreas B. Müller.

Lange hat Gambrinus versucht, sein Nomadentum ins Positive zu drehen und sich als «stadtweiten Jazzclub» zu positionieren. Doch laut Peter Hummel vom Vorstand kam das bei den Leuten nicht an. Gambrinus habe sich vielmehr verzettelt: «Wir haben kein Profil mehr.»

Ein neuer Präsident, ein neuer Vorstand

Wie weiter? Die Antwort des Vorstands ist einfach und schwierig zugleich: Neue Leute müssen her. Auf jeden Fall ein neuer Präsident und am besten gleich ein neuer Vorstand. «Wir wollen den Weg freimachen für neue Ideen», sagt Müller. Gesucht sei «jemand mit einer Vision, die Hand und Fuss hat». Man wolle einen breiten Versuch starten, um Vorstandsmitglieder anzuwerben. Bis nächsten Sommer bleibt noch Zeit, um die Zukunft des St. Galler Jazz zu retten.

Interessenten melden sich unter vorstand@gambrinus.ch

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