«Wer als Letzter lacht»

Am Lucerne Festival wird Giuseppe Verdis letzte Oper «Falstaff» konzertant aufgeführt – mit einem überragenden Ambrogio Maestri in der Titelpartie.

Rolf App
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Jeder grosse Komponist verabschiedet sich auf seine Weise von der Welt. In Giacomo Puccinis «Turandot» kommt tiefe Verzweiflung zum Ausdruck, Richard Wagner entschwebt mit «Parsifal» in rätselhafte mythische Sphären. Und Giuseppe Verdi landet mit «Falstaff» im zutiefst Menschlichen und beim Humor. Weshalb es denn auch nahe liegt, diesen «Falstaff» am Lucerne Festival aufzuführen, das diesen Sommer den Humor in der Musik zum Thema macht.

Ein Baum von einem Mann

Es handelt sich am Mittwochabend zwar um eine konzertante Aufführung im Kultur- und Kongresszentrum KKL. Doch haben seine Zuhörer von allem Anfang an nicht die geringsten Probleme, sich die krachend scheiternden Liebesabenteuer des dicken Ritters Falstaff so plastisch vorzustellen, als würden sie sich auf der Opernbühne ereignen.

Denn schon bei den ersten Takten der Bamberger Symphoniker unter Jonathan Nott betritt mit Ambrogio Maestri ein Baum von einem Mann die Szene, dessen Stimme ebenso raumfüllend ist wie seine physische Präsenz. Und der sich nun zusammen mit seinen Gehilfen Bardolfo (Jean-Paul Fouchécourt) und Pistola (Federico Sacchi) mit Lust ins Abenteuer stürzt. Falstaff braucht Geld, also versucht er zwei wohlhabende, aber verheiratete Damen zu bezirzen.

Gewitzte Gegenspielerinnen

Maestri hat den Falstaff schon mehr als 200mal gespielt, er ist ihm in Fleisch und Blut übergegangen. Witzige Regieeinfälle der Spielleiterin Doris Sophia Heinrichsen tun ein Übriges, um den Abend zum Erfolg zu führen – und Falstaffs gewitzte Gegenspielerinnen. Vor allem die in jeder Hinsicht hinreissende Eva Mei als Mrs. Alice Ford ist es, die sich ihm gut gewachsen zeigt. Und die ausserdem ihrem eigenen, ganz zu Unrecht eifersüchtigen Mann (Fabio Capitanucci) in den Senkel stellt. Ford will seine Tochter Nannetta (Carolina Ullrich) mit Dr. Cajus (Emanuele Giannino) verheiraten, aber seine Frau und ihre Freundinnen Mrs. Quickly (Elisabeth Kulman) und Mrs. Meg Page (Jana Kurucová) verhindern es. So dass sich am Ende Nannetta in den Armen ihres Geliebten Fenton (Paolo Fanale) wiederfindet, während Falstaff bei den Worten «Alle sind Geprellte» mit den Fingern ins Publikum zeigt.

Während bei den mitsingenden Herren schon die eine oder andere Schwachstelle auszumachen ist – Capitanucci, zum Teil Fanale –, ist diese Nannetta mit ihrer wunderbar schwebenden und zugleich kraftvollen Stimme ein weiterer Höhepunkt des Abends. An dessen Erfolg haben die Bamberger Symphoniker grossen Anteil. Sie beherrschen das Feine wie das Grobe dieser genialen Partitur, sie sind auch Verdis abrupten Stimmungswechseln gewachsen. Etwa wenn er die letzte Szene zauberhaft-zart beginnt – und im wüsten Tumult enden lässt. Und in der Einsicht, dass am besten lacht, «wer als Letzter lacht».