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Konzertchor Klangwerk Luzern: Wenn nur die Musik den Machtwahn besänftigen kann

Filigranes Barockorchester trifft auf gross besetzten Chor: Der Konzertchor Klangwerk Luzern und das Baroc-Adhoc-Orchester spielten Georg Friedrich Händels «Alexander’s Feast». Drei Luzerner Gesangssolisten machten die Besetzung komplett.
Katharina Thalmann
Dirigentin und Chorleiterin Moana N. Labbate. (Bild: PD)

Dirigentin und Chorleiterin Moana N. Labbate. (Bild: PD)

Alexander der Grosse feiert seinen Sieg über die Perser. Siegestrunken steigert er sich in wahnwitzige Machtvisionen. Nur etwas vermag ihn zu besänftigen: die Musik. Das ist der Plot von Händels gross angelegter Kantate «Alexander’s Feast». Das Werk wurde 1736 uraufgeführt, und bereits Händel selber erlebte Dutzende von Aufführungen mit: Es war ein Grosserfolg!

Doch warum soll das Werk auch 282 Jahre später gespielt und gepflegt werden? Weil die Grundaussage zeitlos ist: Kultur, Kunst und Musik vermögen in Menschen Empathie zu wecken und machen die Welt – wenn’s gut kommt – zu einem besseren Ort.

Der Chor beobachtet und kommentiert

Dieser Aufgabe nahm sich die Dirigentin und Chorleiterin Moana N. Labbate mit Begeisterung an. Die rund hundert Sängerinnen und Sänger bildeten einen voluminösen Klangkörper und füllten ihre Rolle sowohl musikalisch als auch visuell: Der Chor ist das Volk und beobachtet und kommentiert das Geschehen.

Begleitet wurde der Chor vom Baroc-Adhoc-Orchester, einem Zusammenschluss aus Luzerner Berufsmusikerinnen und -musikern, die eine Vorliebe für alte Musik teilen. Agil spielten sie auf (neuen) alten Instrumenten, wodurch ein bemerkenswertes Spannungsverhältnis entstand: spritziges Profiorchester mit 25 Mitgliedern hier, Grosschor mit über hundert Leuten dort. Wenngleich der federnde Ensembleduktus hie und da durch die Grösse des Chors gedehnt und bisweilen fast nivelliert wurde und das Klangbild etwas wuchtig wirkte, bildete das besetzungsmässige Gefälle einen interessanten Kontrast, dem man gerne zuhörte.

Das Zusammenspiel zwischen Orchester und Solisten gelang natürlich und selbstverständlich. Die drei Protagonisten sind in Luzern keine unbekannten Namen: Die Sopranistin Simone Durrer-Stock und der Bass Peter Brechbühler sind ehemalige Mitglieder des Opernensem­bles des Luzerner Theaters und unterrichten beide an der Hochschule Luzern – Musik, der junge Tenor Remy Burnens schloss sein Gesangsstudium vergangenes Jahr bei Peter Brechbühler ab und hat immer wieder Gastauftritte am Luzerner Theater.

Ein Heldentenor und ein fast kindlicher Sopran

Burnens hat das Zeug zum Heldentenor mit grossem Umfang besonders in der Höhe, mit ausgeprägtem Vibrato und konzentriertem Klang. Dies kam besonders in der berühmten Arie «War, he Sung, Is Toil and Trouble» zum Tragen. Peter Brechbühler, dessen Basspartie eher klein ausfällt, trat mit einer sonoren Klang­gebung hervor. Dem Trinklied «Bacchus, ever Fair and Young» verlieh er so eine bodenständig-süffige Note. Simone Durrer-Stock fiel durch ihren federleichten, fast kindlichen Sopran auf: Ihre Stimme klingt so hell, dass sie sogar Konsonanten wie D und S mit Licht durchflutet. Besonders die berührende Arie «He sung Darius, Great and Good» ging unter die Haut. Hie und da wäre dennoch auch ein bisschen Imperfektion wünschenswert gewesen. So etwa in «Thaïs Led the Way», wo Alexanders Frau Thaïs einen Rachefeldzug nach Persepolis anführt, um die Stadt, wie zuvor Helena in Troja, niederzubrennen.

Griechische Mythologie und Christentum im Vergleich

Nach der Pause wurde das Alexanderfest durch Händels Concerto grosso HWV 318 ergänzt. Es ist dies eines jener Instrumentalwerke, die Händel nach Vollendung des Hauptwerks zum gleichen Stoff komponierte und das somit mühelos in die Aufführung der Chorkantate integriert werden kann. Geigerin und Konzertmeisterin Christina Galatti und Geiger Daniel Frankenberg bildeten ein ansprechendes Soloduo, vom Ensemble mit viel Verve begleitet: Ihr Spiel sanft und sich ins Orchester einfügend, sein Klang kernig und gefällig.

Besonders die letzten vier Sätze des Chors hinterliessen bleibenden Eindruck: Meister Timotheus, der Alexander den Grossen mit Musik besänftigt und die mythologische Welt Griechenlands repräsentiert, wird mit St. Cäcilia, der christlichen Schutzheiligen der Kunst, verglichen. Die beiden teilen sich einen Preis und werden mit einer Fuge aus vier Themen gefeiert. Hier zeigte sich einmal mehr, mit welchem Herzblut der Konzertchor und Moana N. Labbate musizieren. Solch engagierte Initiativen sind wichtig für eine lebendige Lokalszene. Denn Musik wirkt nur, wenn sie auch gespielt und gesungen wird.

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