Kommentar
Heidi Klum malt jetzt auch: Wenn gelangweilte Promis Corona-Pseudokunst machen

Prinz Charles tut es, Rolf Knie und Britney Spears auch - viele Prominente malen. Doch warum eigentlich?

Anna Raymann
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Heidi Klums liebstes Accessoire ist neu ein Pinsel.

Heidi Klums liebstes Accessoire ist neu ein Pinsel.

Bild: Instagram

Weisser Sandstrand, knapper Bikini – so sehen die Urlaubsbilder einer Heidi Klum aus. Doch das überraschende Accessoire des Models ist auf diesem Bild nicht die Sonnenbrille, sondern der Pinsel. Heidi Klum ist die neuste Vertreterin des Genres der Promi-Malerei. Unter ihnen sind es viele: Prinz Charles malt sanfte Landschaften, George W. Bush prominente Köpfe und Britney Spears Blümchenbilder wurden längst verlacht.

In der Schweiz hat sich die legendäre Gesellschaftskolumnistin Hildegard Schwaninger nach einem Kunst-Workshop im Luxushotel Dolder im Lockdown der Malerei gewidmet. Sie befindet sich mit Heidi Klum also in bester Gesellschaft, die sich von der vom Virus erzwungenen Ruhe inspiriert sah. Auf ihrer Leinwand schwebt das Gesicht ihres Mannes, «Tokio Hotel»-Gitarrist Tom Kaulitz, wie eine Halluzination Robinson Crusoes über blauen Wellen.

Wallende Wohlfühkunst

Kindlich naiv ist der Strich, weder Farben noch Komposition sind bemerkenswert. Eine Interpretation des Werks erübrigt sich, das Portrait verbirgt keine Botschaft, keine Haltung. Ähnlich wie schon bei Britney Spears ist man verleitet zu lachen. Natürlich ist das Wohlfühlkunst, die nichts verhandelt, wohl auch nicht verhandeln will – schon gar nicht die Gesellschaft.

Wo aber bleibt die wahre Corona-Kunst? Wo sind die Romane, die Theaterstücke, die die Krise verarbeiten? Die Installationen und Filme, die neue Ideen für eine Post-Corona-Gesellschaft entwerfen? Kunst war schon immer ein Medium, das den Menschen half, die Kapriolen des Weltgeschehens besser zu verstehen. Wenn nun also die Malerei gelangweilter Prominenter das einzig gestalterische Werk dieser Zeit ist, wäre das geistig doch sehr erschütternd.

Teure Signaturen

«Malen ist etwas, das jeder kann», sagt Schwaninger im «Persönlich»-Interview. Künstlerin, das weiss auch sie, ist sie deswegen noch lange nicht. Für Heidi Klum jedenfalls ist es ein Corona-Hobby, das sich gut vermarkten lässt. Allein die Kopien der Aquarelle von Prinz Charles verkauften sich für umgerechnet zwei Millionen Franken. Wenn Ex-Clown Rolf Knie seine weissen Zirkustiger malt, darf er dafür auf bis zu 40000 Franken hoffen. Und selbst für die fünf belächelten Blümchen der Britney Spears zahlte ein Käufer auf einer Auktion noch 10000 US Dollar.

Kunst um des Geldes Willen ist selten interessant. Heidi Klums ungelenke Malerei ist aber berechnend verrechnetes Merchandise für die eigene Marke, während die Veranstaltungen ausfallen, die sie sonst verlässlich in die Schlagzeilen bringen.

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