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Wenn einer lauter Reisen tut

Er ist Journalist, Autor, Globetrotter. Jetzt legt der Ostschweizer Michael Hug sein erstes Buch vor – eine persönliche Auseinandersetzung mit seiner «Mitte-Lebens-Krise» und mit der weiten Welt.
Dieter Langhart
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Michael Hug hat kein Sitzleder. Oder höchstens, wenn er sich hinsetzt und Artikel schreibt für unsere Zeitung. Von etwas muss er ja leben und seine Kinder allein grossziehen. Doch wenn Michael Hug nicht schreibt, reist er. Seit jungen Jahren. Erst beruflich, dann aus Sehnsucht.

Immer wieder zieht es ihn fort aus den engen Tälern im Bannkreis des Säntis, hin zu den Städten dieser Welt. In den Reisepausen schreibt er, gewinnt den Ostschweizer Medienpreis, schreibt Blogs, gibt ein Kultur- und Reisemagazin heraus oder hält Vorträge über das, was er erlebt hat – etwa auf einem Containerschiff in Richtung China.

Der Berg Athos ruft

«Ich habe die Krise» heisst das erste Kapitel seines ersten Buchs «Mediterranea». Im Herbst 2009 verliert Hug seine Bleibe, doch statt eine neue zu suchen, fährt er los. Auf den Berg Athos. Ausgerechnet das hab ihm seine verstorbene Grossmutter geraten, sagt ihm das Medium Colgata.

Im Kloster Simonos Petras versteht er weder Sprache noch Rituale, ärgert sich, zweifelt an seinem Unternehmen, bricht es ab, findet daheim eine neue Bleibe. Die Schlummermutter ist Vegetarierin, das Zimmer kalt, da wird er es nicht lang aushalten.

«Das Ankommen ist mir egal»

«Mediterranea» klingt als Titel schön, ist aber etwas irreführend, denn Michael Hugs Fahrten reichen bis Dubai und Kopenhagen. Er hat viel zu erzählen in seinem Buch, und er tut es auf eine unnachahmliche Art. Es ist sehr persönlich geschrieben und weitet doch den Blick, wenn der Autor sich und sein Tun reflektiert. Und immer wieder blitzt wohltuende Selbstironie aus den Zeilen – mit 55 muss sich Hug nichts mehr beweisen.

Beim Reisen ist mir nicht der Plan wichtig und das Ankommen ist mir auch egal. Was unterwegs geschieht, interessiert mich, und sind es noch so kleine Geschichten, schreibt Hug am zweiten Tag an Bord der «Hydra» kurz vor Port Said. Und: Das Leben selbst ist wie eine Reise. Bisweilen gerät Michael Hug in philosophische Untiefen, das erträgt der humorvoll spritzige Ton seines Buchs weniger gut. Doch wenn er sein Tun, seine Erlebnisse reflektiert, gelingen ihm Passagen wie: Abends laufe ich ziellos durch die Strassen. Was ich suche, weiss ich nicht. Suche ich denn etwas? […] Wie ein Steppenwolf habe ich in den Steppen der Städte, in den Schluchten der Strassen, den Bars der Nacht nach dem Leben gesucht, nach meinem Leben. Doch dann: Mein Leben werde ich wieder selber in die Hände nehmen! Bald! Hailandzack!

Nur: Kairo und Gizeh, wo er dies schreibt, sind noch nicht die letzten Stationen seiner Reise. Davor war er mit Eliza in Istanbul, danach wohnt er bei der Chaosmum, dann in einem Zirkuswohnwagen namens Emil, dann zieht es ihn mit Goldapfl nach Kopenhagen, dann endet das Buch mit der «Entliebung».

Bebartete Mönche

Michael Hug schreibt süffig, wechselt gern Stil und Ton. Da tauchen Mundartwörter auf wie dellinomol oder kreative wie bebartete Mönche oder hellgesehene Wasserader oder Sperrangeloffenheit. Da gelingen ihm starke Bilder: Der Beter vom Minarett gegenüber schreit mich aus dem Schlaf, aber auch geschwollene, geschraubte Konstruktionen. Köstlich, wie Hug die Hamam-Massage in Istanbul schildert und xwie lebendig die heruntergekommenen Wohnquartiere in Gizeh und die Touristenfänger bei den Sehenswürdigkeiten. Doch zu langfädig geraten die enzyklopädischen Erklärungen zum Containerschiff oder zur Meeerjungfrau in Kopenhagen. Und ärgerlich ist im Vorabdruck für die Presse unsorgfältige Lektorat, das auch Layout-Schnitzer nicht ausmerzt.

Michael Hug: Mediterranea, Hützen, St. Gallen, 278 S., erscheint am 23.10. www.michael.hug.huetzen.com

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