Wenn die Rentenreform zuschlägt

Zwei ältere Angestellte, «zu nichts mehr gut», starten durch. Davon erzählt Gianni di Gregorio – erneut Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller – in «Buoni a nulla». Ein reines Vergnügen.

Geri Krebs
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Gianni di Gregorio: Schauspieler, Autor und Regisseur. (Bild: pd)

Gianni di Gregorio: Schauspieler, Autor und Regisseur. (Bild: pd)

«Du frisst alles in dich hinein, die Probleme sind da, in deinem Kopf, du solltest mal richtig wütend werden.» Die als Ratschlag verpackte Diagnose von Raffaele (Marco Messeri), dem gütigen Arzt und Freund von Gianni (Gianni di Gregorio), ist eindeutig, als der spätabends nach einem Schwächeanfall bei ihm landet. Gianni ist Angestellter eines Ministeriums in Rom, steht kurz vor der Pensionierung, als ihm sein Chef eröffnet, es sei nun alles anders. Er müsse noch drei Jahre arbeiten – in einem neuen Büro ausserhalb von Rom.

Gutmütige Angestellte

Der duldsame Gianni schickt sich ins Los, sitzt staunend in der neuen Arbeitswelt am Computer – dessen Programm er nicht kennt –, gepiesackt von der Chefin (Daniela Giordano) und ihrem schleimigen Assistenten. Mit ungläubigem Staunen verfolgt er, wie Bürokollege Marco (Marco Marzocca) sich von der glutäugigen jungen Cinzia (Valentina Lodovini) ausnützen lässt. Gianni merkt auch, dass er mit seiner eigenen Gutmütigkeit so manche fatale Ähnlichkeit mit Marco hat. Eine Freundschaft zwischen den beiden älteren Herren nimmt ihren Anfang, und sie beginnen trotzig der Welt die Stirn zu bieten.

Unterschiedliche Botschaft

Das suggeriert auch das Schweizer Filmplakat: Es zeigt Gianni und Marco in den Himmel blickend an einem Strand. Anders das italienische Originalplakat mit zwei im Büro sitzenden Gestalten, gezeichnet mit lockerem Strich im Retro-Stil, der an die bekannten Plakate zu Jacques Tatis «Monsieur Hulot»-Filme erinnert. Kann man im «Schweizer» Plakat die Werbung für ein «Buddy-Movie» erkennen, steht das Originalplakat in der Tradition des grossen französischen Komödianten, der sich schon vor über einem halben Jahrhundert eine absurde (Arbeits-)Welt vorknöpfte.

«Buoni a nulla» ist der dritte Film des 1949 geborenen Drehbuchautors und Schauspielers Gianni di Gregorio. Furore machte er 2009 mit seinem Erstling «Pranzo di Ferragosto». Hier schuf er jene «Gianni»-Figur, die er in «Gianni e le donne» erneut einsetzte. In «Buoni a nulla» habe er ursprünglich nicht mehr selber die Hauptrolle spielen wollen, zumal dieser Gianni sich deutlich unterscheide von der Figur in den vorherigen Filmen, erzählt di Gregorio in Zürich. Es sei sein Produzent gewesen, der ihn gedrängt habe, erneut die Hauptrolle zu spielen. Und er fügt an: «Ich werde jetzt dann 66. Dieser Stress beim Dreh, dauernd zwischen Regieführen und Spielen wechseln zu müssen, das ist doch nichts mehr für jemand in meinem Alter.»

Man könne, wenn man wolle, «Buoni a nulla» als Abschluss einer Trilogie betrachten. Der so herzensgute wie durchtriebene Gianni werde sich künftig wohl nicht mehr weiter mit den Widrigkeiten des Alltagslebens in Italien herumschlagen.

Jetzt im Kinok St. Gallen, weitere Kinos in der Region werden folgen.