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Zwei Künstler eröffnen weihnachtlichen Krippenweg im Appenzellerland

Felix Boekamp und Ilija Lazarević sind im Atelierhaus der Schlesinger-Stiftung in Wald zu Gast. Am Sonntag eröffnen sie ihre Freiluftausstellung mit Künstlerkrippen, die rund um das Dorf führt. Darunter sind schräge Exemplare.
Christina Genova
Felix Boekamp und Ilija Lazarević in der Stube des Atelierhauses mit ihren Künstlerkrippen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Felix Boekamp und Ilija Lazarević in der Stube des Atelierhauses mit ihren Künstlerkrippen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Noch stehen sie auf zwei Tischen, aufgestellt auf einer golden glänzenden Rettungsdecke: die knapp zwei Dutzend Krippen, die in den letzten Tagen bei Ilija Lazarević und Felix Boekamp in Wald eingetroffen sind. Die beiden Künstler sind dort seit September für ein Jahr im Atelierhaus Birli der Schlesinger-Stiftung zu Gast und haben eine Ausstellung von Künstlerkrippen organisiert.

Die Krippen werden ab ­Sonntag, von Plexiglashauben geschützt, in und um das Aus­serrhoder Dorf gezeigt – über­wiegend im Aussenraum. Der Rundgang dauert etwa eine Stunde. Wegbeschreibungen sind in einer Box beim Atelierhaus Birli erhältlich oder auf der Website der Schlesinger-Stiftung. Die Künstler haben die «Wanderkarte» nach Art eines Himmel-und-Hölle-Spiels gefaltet.

Ilija Lazarević und Felix Boekamp kennen sich vom gemeinsamen Studium an der Kunstakademie in Nürnberg. Boekamp lebt heute in Hamburg, Lazarević, der ursprünglich aus Belgrad stammt, in Nürnberg.

Felix Boekamps aus einer Pizzaschachtel gebaute Trash-Krippe mit Unterwelt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Felix Boekamps aus einer Pizzaschachtel gebaute Trash-Krippe mit Unterwelt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Krippe in der Pizzaschachtel

Künstler, die Weihnachtskrippen gestalten: Kann das gut gehen? Denn wo eine Krippe ist, da ist auch der Kitsch nicht fern. «Die Krippe kippt», nennt es der Theologe Rolf Bossart in seinem schönen Essay, den er zum Krippenprojekt beigesteuert hat. Wer wagt sich freiwillig auf ein solches Minenfeld? Erstaunlich viele. Die meisten der angefragten Künstler aus dem Netzwerk Ilija Lazarevićs und Felix Boekamps sagten zu deren Überraschung zu. «Vielleicht war das gerade der Reiz daran», sagt Boekamp.

Zahlreiche der Krippeninstallationen setzten sich denn auch lustvoll dem Kitschverdacht aus und transzendieren ihn geschickt zu Trash. So auch Felix Boekamp, der seine eigene Krippe aus allerhand Fundstücken zusammengeklebt hat. Die Basis bildet eine Pizzaschachtel, über dem Stall kreist ein Plastiksaurier, und auch der Osterhase darf nicht fehlen. Ausserdem verfügt die Krippe über eine Unterwelt. Weihnachtszeit ist Bastelzeit, und da wollen auch die Künstler in nichts nachstehen.

Für Leonid Kharlamovs Krippenrelief fielen 40 Euro Zollgebühr an. (Bild: Hanspeter Schiess)

Für Leonid Kharlamovs Krippenrelief fielen 40 Euro Zollgebühr an. (Bild: Hanspeter Schiess)

Auch Leonid Kharlamovs reduziertem Krippen­relief haftet etwas «Basteliges» an. Das Beste daran ist der Titel: «40 Euro für EU». Das ist die Zollgebühr, welche die Künstler berappen mussten, weil Kharlamov den Inhalt seines Pakets als Kunstwerk mit einem Wert von 200 Euro deklariert hatte.

Die dekonstruierte und neu zusammengesetzte Krippe von Milena Walter. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die dekonstruierte und neu zusammengesetzte Krippe von Milena Walter. (Bild: Hanspeter Schiess)

Zu einer totalen Dekonstruktion der Krippe hat sich Milena Walter entschlossen. Die Einzelteile, darunter Myrrhe, Moos, Stroh und Lammwolle, hat sie zu einem an einen Totempfahl erinnernden Objekt geschichtet. Von Maria Tackmann stammt ein Krippenbausatz. Die fünf Einzelteile können zu verschiedenen Stallvarianten zusammengesteckt werden. Manche Künstler konzentrieren sich auf einzelne Aspekte der Weihnachtsgeschichte. So auch Ilija Lazarević. Seine «New Location» besteht aus vier kleinen Wegweisern, die in unterschiedliche Richtungen zeigen. Denn wo genau Jesus geboren ist, weiss niemand. Norbert Möslangs Krippe heisst «engelhaar_verklebt» und sieht auch so aus. Von ihm stammt auch eine futuristische Krippe aus Plexiglas. Neben ihm sind mit Christian Hörler und Johannes Stieger zwei weitere Ostschweizer an der Ausstellung beteiligt.

Norbert Möslangs futuristische Krippe. (Bild: Hanspeter Schiess)

Norbert Möslangs futuristische Krippe. (Bild: Hanspeter Schiess)

Das Atelier wird zur Krippe

Die radikalste Krippenvariante stammt von Ina Ritter. Ihre Audioarbeit «Krippe» besteht aus einer lapidaren Aufzählung des traditionellen Personals im Loop: Maria, Josef, Jesus, Ochse, Esel und Co – wobei die beiden Letzteren in der Bibel gar nicht erwähnt werden. Auch Lorenz Goldstein setzt sich mit den Krippenfiguren auseinander: Er sendet ab der Eröffnung den Künstlern täglich das Bild einer Krippenfigur per E-Mail – alles Fundstücke aus dem Internet. Ilija und Felix werden die ­Figuren jeweils ausdrucken, laminieren und an den Fensterläden des Atelierhauses befestigen. Das «Birli» wird so nach und nach selbst zur Krippe.

Bis 23.12; Eröffnung Sonntag, 9.12, 12 Uhr vor dem Schulhaus Wald, Dorf 388, 9044 Wald AR. www.schlesingerstiftung.ch

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