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Wenn der Mehlwurm über das Schildkrötenballett spricht

Im Familienkonzert des Luzerner Sinfonieorchesters treffen wilde Tiere auf eine Prinzessin. Einer der Höhepunkte ist die Moderation von Kurt Aeschbacher. Doch auch ein anderer Protagonist macht auf sein grosses Können aufmerksam.
Kurt Aeschbacher kommentiert den «Karneval der Tiere», den das Luzerner Sinfonieorchester darbietet. (Bild: Philipp Schmidli (17. Juni 2018)

Kurt Aeschbacher kommentiert den «Karneval der Tiere», den das Luzerner Sinfonieorchester darbietet. (Bild: Philipp Schmidli (17. Juni 2018)

Für einmal ist das KKL gefüllt mit «Viechern». Allerdings weniger im Publikum. Und wenn eine Verkleidung auszumachen ist, dann handelt es sich eher um eine Prinzessin, denn um einen Elefanten.

So kommt es, dass trotz des Maskeradenaufrufs des Luzerner Sinfonieorchesters das Theater vor allem auf der Bühne spielt.

Angesagt ist «Karneval der Tiere» als Familienkonzert. Oder die «Viecherfasnacht», wie Moderator Kurt Aeschbacher meint. Der Fernseh-Profi führt unaufdringlich, aber mit Schalk und Schmunzeln durch das Konzert. Genussvoll beschreibt er den nackten Mehlwurm, welcher sich kennerisch über das Pariser Schildkrötenballett äussert. Oder die tanzende, ältere Elefantendame, die «mit den Ohren wackelt und ihren Körper lasziv in Richtung Publikum schaukelt». Die Kängurus werden bei ihm zu Austauschstudenten. Hauptfach: krisenfreies Zusammenleben der Tiere im Urwald. Aeschbachers Moderation ist mehr Sonntagsvergnügen für Erwachsene als Kindermärchen.

Ein junges Dirigiertalent

Die Musik steht dem in nichts nach. Das Werk wurde von Camille Saint-Saëns für kleine Orchesterbesetzung, ergänzt durch zwei Klaviere, geschrieben. Die Musiker, unter der Leitung der Konzertmeisterin Lisa Schatzman, gehen mit Lust und Verve in die Stücke. Sinnlich und farbig erklingt das «Aquarium», mit Schalk das Gegacker der «Hühner und Hähne». Ausgezeichnet sind das Flötensolo bei den «fliegenden 2200 Kolibris», das schwebende Cello zum Schwanengesang oder die elegante «Eselei» der beiden Pianosolisten Andriy Dragan und Nareh Arghamanyan. Verdankenswert, dass die Musiker trotz des begeisterten Kindergeplappers die Konzentration und Musikalität keine Sekunde vermissen lassen.

Nach der Pause sind es Auszüge des Balletts «Cinderella» von Sergei Prokofjew, die Gross und Klein im Saal begeistern. Am Pult steht das 23-jährige Dirigiertalent Patrick Hahn. Der Österreicher liefert sich einen witzigen Austausch mit Kurt Aeschbacher: «Man dirigiert mit der rechten Hand. Wenn ich dann müde werde, wechsle ich auf die Linke.»

Anschliessend zeigt sich musikalisch, über welch grosses Talent der junge Musiker verfügt. Er leitet präzise, lässt die Musik in weiten Bögen laufen. Steigerungen baut er wuchtig auf, spielt hervorragend mit dem Witz und den Brüchen in Prokofjews Musik. Plastisch und rauschhaft zeichnet er den Tanz. Wunderbar schweben die Oboen in der Mazurka, wirft die gedämpfte Trompete ihre Einsätze. Der hervorragende Cellosatz ist ein Vergnügen.

Manchmal huldigt Hahn gar dem Expressiven, klingen die Fortestellen plakativ, bleiben die reichen Farben etwas auf der Strecke. Aber es ist eine energiereiche, fast filmhafte Aufführung.

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