Wenig Begeisterung

Buch Die Serie über den Zauberlehrling habe sie «befreit», sagt J. K. Rowling. Die Kritiker sind vom «plötzlichen Todesfall» nicht überzeugt.

Sebastian Borger/London
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Jetzt in den Buchhandlungen: Der neue Roman von Rowling. (Bild: epa/Facundo Arrizabalaga)

Jetzt in den Buchhandlungen: Der neue Roman von Rowling. (Bild: epa/Facundo Arrizabalaga)

Begeisterung klingt anders. Seit gestern ist «A casual vacancy» im Verkauf, auf Deutsch erscheint das Buch als «Ein plötzlicher Todesfall» (Carlsen-Verlag). Trotz der absurden Geheimhaltung enthielten viele Tageszeitungen auf der Insel bereits Kurzkritiken. «Altmodisch, nachdenklich, zornig», fand die «Financial Times»-Kritikerin das erste Erwachsenen-Buch der Harry-Potter-Autorin Joanne («J. K.») Rowling. Die «Times» zog Parallelen mit Charles Dickens: «ein klein bisschen langweilig». Ein klein bisschen? «Vorsätzlich banal, voller Klischees, enttäuschend», urteilte die «New York Times». «Solide, traditionell», schreibt der «Guardian» und nimmt den Ausdruck «wunderbarerweise unbeaufsichtigte Vagina» zum Anlass für einen kleinen Scherz: Ob die Autorin nicht ihr nächstes Buch so taufen könne, «Harry Potter und die wunderbarerweise unbeaufsichtigte Vagina»?

«Ich liebe dicke, fette Romane»

Doch Rowling, 47, hat ihrem Zauberlehrling Ade gesagt. Das sei «mörderisch schwer» gewesen, hat sie der BBC verraten, aber auch: «Harry Potter hat mich wirklich befreit.» Das gilt bestimmt im finanziellen Sinn, schliesslich hat die Serie von sieben Büchern und acht Filmen Rowling in die Gruppe der 150 reichsten Briten katapultiert. Sie müsse niemandem mehr etwas beweisen, sagt die Autorin, «und das meine ich nicht arrogant». Tatsächlich kann ihr relativ egal sein, was die Kritiker vom neuen Buch halten. Der Vergleich mit Dickens jedenfalls sei doch «sehr schmeichelhaft». Sie liebe «dicke, fette Romane aus dem 19. Jahrhundert», der Todesfall sei eine moderne Version davon.

«Zu wenig Gelächter»

567 Seiten nimmt die deutsche Version in Anspruch; wie bei den Potter-Romanen stehen da keineswegs nur durchziselierte Sätze. Dafür gibt es reichlich Sex, dazu Drogensucht, Pädophilie, Klassenhass, Rassismus – was eben so läuft bei den Muggles in vermeintlich idyllischen englischen Kleinstädten. Rowling ist dort aufgewachsen, hatte als Teenager «Beklemmungen», hat Depressionen und Armut hinter sich. Sie lobt ihr Buch als komische Tragödie mit schwarzem Humor. Kritiker freilich vermissen den Humor. «Zu wenig Gelächter in all dem freudlosen Trübsinn», moniert «Daily Mail».

Also doch zurück zu Potter? Ein wenig Hoffnung hat sie ihren Fans gemacht: Zwei der Bücher «hätten noch ein Jahr gebraucht, aber ich stand unter Zeitdruck». Sie könnte sich «so etwas wie einen Director's Cut» vorstellen, um die unbefriedigenden Passagen auszubügeln.