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Weltliteratur: Reisen auf dem Sofa

Der «Andere Literaturclub» versorgt seine Mitglieder mit Büchern aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa. Und eröffnet so völlig neue Literaturwelten.
Valeria Heintges
Eine von vielen Entdeckungen des «Anderen Literaturclubs»: Nona Fernández’ Roman «Die Strasse zum 10. Juli» spielt in Chile. (Bild: PD)

Eine von vielen Entdeckungen des «Anderen Literaturclubs»: Nona Fernández’ Roman «Die Strasse zum 10. Juli» spielt in Chile. (Bild: PD)

Juan ist in Arbeit versunken, hetzt von Termin zu Termin, ohne stillzustehen, ohne nachzudenken. Dann plötzlich ist Schluss, von einem Tag auf den anderen fährt er sein Auto nicht mehr weiter, lässt es im täglichen Monsterstau von Santiago de Chile einfach stehen. Er bricht alles ab, die Arbeit, das Leben. Nach wenigen Wochen verlässt ihn seine Frau Maite, fortan sitzt er allein in dem Haus, das mitten im Abbruchgebiet steht. Die Bagger fahren auf, reissen alles ab, um ein Einkaufszentrum zu bauen. Nur Juans Haus bleibt stehen.

Nona Fernández’ Roman «Die Strasse zum 10. Juli» steht voll in der Tradition des magischen Realismus lateinamerikanischen Erzählens, nutzt die magischen Momente aber, um mit ihnen nur umso drastischer den aktuellen Problemen Chiles auf den Grund zu gehen. Fernández’ Grundthese: Die Chilenen stressen sich durch den modernen Alltag und merken dabei nicht, dass sie auf den Trümmern der Vergangenheit fahren, auf den Gräbern der Toten, mehr noch: auf den Gräbern ihrer toten Kinder. Sie wurden auch gefoltert in der Militärdiktatur oder missbraucht in der Colonia Dignidad. Nona Fernández findet für ihre These starke Bilder und Metaphern, die sie brutal in die Gegenwart brechen lässt.

Literaturförderung und Übersetzungsprogramme

Nona Fernández’ «Die Strasse zum 10. Juli» ist im österreichischen Septime-Verlag erschienen. Es ist aber auch Teil des 2018er-Programms des «Anderen Literaturclubs» von Artlink. Artlink, das Büro für Kultur­kooperation, so heisst es auf der Webseite, ist die schweizerische Fachstelle für Kunst und Kultur aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa».

Artlink fördert, vor allem mit dem Süd-Kultur-Fonds der Deza, Kunstevents aus diesen Ländern in der Schweiz, vor allem Musikkonzerte und Filmfestivals. Teil der Literaturförderung sind Übersetzungsprogramme, Lesungen und vor allem der «Andere Literaturclub», der seinen Mitgliedern jährlich vier Bücher aus Afrika, Asien, La­teinamerika und Osteuropa zusendet.

Nur wenige Bücher in der europäisch-amerikanischen Tradition

Der «Andere Literaturclub» wurde von Litprom in Frankfurt ins Leben gerufen, und von der Erklärung von Bern in der Schweiz bekanntgemacht, die ihre Aufgaben 2008 an Artlink weitergab. Litprom und Artlink wählen jährlich zusammen das Jahresprogramm aus, das die rund 500 Mitglieder in Deutschland und die 700 in der Schweiz bekommen werden. In diesem Jahr sind das etwa neben «Die Strasse zum 10. Juli» der Roman «Mein pochendes Leben» der Südkoreanerin Ae-ran Kim, «Die Geschichte einer kurzen Ehe» des Sri-Lanker Anuk Arudpragasam und eine Anthologie mit «Literatur von Frauen aus dem globalen Süden», wie es im Untertitel heisst.

Eine Mitgliedschaft kostet 98 Franken, ein stolzer Preis, wenn man ihn auf vier Bücher umrechnet. Und es ist auch nicht so, dass alle Bücher grossartig wären, vielmehr zeigen sie, dass fremde Kulturen auch für uns zum Teil Erzählstile haben, an die man sich gewöhnen muss. In ihrer Gesamtheit aber illustrieren sie, wie vielfältig die Literaturen der Welt sind und welch kleinen Ausschnitt davon diejenigen Schriftsteller repräsentieren, die in der europäisch-amerikanischen Tradition stehen.

Links: artlink.ch, litprom.de

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