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Weltluft für Niggli und Benteli

Plötzlich und unerwartet sind die Thurgauer Verlage Niggli und Benteli vergangenen Herbst verkauft worden – an einen Sirnacher aus Berlin. Der neue Verleger liebt Bücher, denkt aber auch wirtschaftlich; er will die Traditionsmarken stärken und international aufstellen, von Zürich aus.
Dieter Langhart
Bestehende Titel und die Frühjahrskataloge der Verlage Niggli und Benteli, die den Besitzer gewechselt haben. (Bild: Reto Martin)

Bestehende Titel und die Frühjahrskataloge der Verlage Niggli und Benteli, die den Besitzer gewechselt haben. (Bild: Reto Martin)

SULGEN/ZÜRICH. «Man muss das Verlagsgeschäft lieben», sagt Markus Sebastian Braun. Und: «Ich bin ein klassischer Individualverleger – da habe ich Freiheit, ohne rapportieren zu müssen.» Kernige Sätze eines Mannes, der Germanistik, Geschichte und Wirtschaft studiert hat in Berlin. Als Ökonom sagt er: «Verlage müssen sich rechnen», als Verleger sagt er: «Ein Verlag will all seine Titel verkaufen.»

Markus Braun ist seit gut zwei Jahrzehnten im Buchgeschäft. 1994–1996 war er Herausgeber und Verleger des populärwissenschaftlichen Magazins «Copernicus», 2000 gründete er das Verlagshaus Braun Publishing. Und kaufte vor einem halben Jahr die traditionsreichen Verlage Niggli und Benteli von der bsmediagroup in Sulgen, zu der auch Heer Druck und die Zeitschrift «Archithese» gehören.

Von Sulgen nach Zürich

Das hat etwas Staub aufgewirbelt. Weil niemand damit gerechnet hatte, weil alles sehr rasch ging, weil die bsmediagroup den sieben Mitarbeitern auf Ende Jahr kündigte, weil Salenstein der Sitz der Braun Publishing ist, Braun aber in Berlin lebt, weil sich abzeichnete, dass Niggli und Benteli nach Zürich ziehen würden. Dies ist inzwischen der Fall. In Zürich haben wir Markus Sebastian Braun und Verlagsleiter Chris van Uffelen getroffen.

Die Frühjahrskataloge liegen vor, Markus Sebastian Braun hat die Namen Niggli und Benteli und ihre Profile beibehalten, «eine schöne Ergänzung und Bereicherung», sagt Braun. Sie passen zu den Architektur- und Designbänden, die der Kunsthistoriker bei Braun Publishing verlegt: Benteli ist auf Kunst und Fotografie spezialisiert, Niggli auf Typographie, Architektur und Design (siehe Kasten).

Schweizer Wurzeln

Gegenüber Boersenblatt.net hat Braun nach dem Kauf geäussert: «Um den Stärken und dem Ruf beider Marken noch mehr gerecht werden zu können, werden wir ihr Profil schärfen, die Programme weiterentwickeln und ihnen den internationalen Markt erschliessen.» Der mache immerhin 70 Prozent beim Programm von Braun Publishing aus, den Thames & Hudson in London abwickeln. «Ich denke globalisiert», sagt Braun, der deutsch-schweizerischer Doppelbürger ist – seine Mutter ist aus Salenstein, wo die Braun Publishing ihren Sitz hat, und sein Grossvater war Bauer in Sirnach. Braun lebt mit seiner Familie in Berlin, ist aber zwei, drei Tage die Woche in Zürich. Für Niggli und Benteli hat er den Stuttgarter Kunsthistoriker Chris van Uffelen als Programmleiter engagiert. «Dem Niggli-Verlag hat es in den letzten Jahren an einer verlegerischen Leitung gefehlt», lautete seine Diagnose gegenüber «Saiten» im November. Er spüre durchaus seine Verantwortung gegenüber den Marken Niggli und Benteli. Und sagt: «Ich will Bücher verkaufen.»

Höhere Auflagen, tiefere Preise

Markus Sebastian Braun sieht sich nicht als Dienstleister für Museen, der gesponserte Kataloge produziere, die ohne rechten Vertrieb zu Ladenhütern würden. Braun will grössere Auflagen drucken und sie international in renommierten Buchläden verkaufen und gleichzeitig die Preise senken; will vergriffene Titel wieder auflegen oder Klassiker neu aufmachen wie die «Kandinsky Basis-Bibliothek» bei Benteli, will wieder Übersetzungen, wie sie schon Gründer Arthur Niggli gepflegt hatte. «Wir wollen unsere Nische richtig bearbeiten», sagt Chris van Uffelen, «sie ist klein, aber bedeutend.»

Zu rasch für das Personal?

Zurück zum Herbst 2014. Der Kauf sei ihm über einen Mittelsmann von den Besitzern der bsmediagroup angetragen worden, sagt Markus Sebastian Braun: «Daniel Stierli und Markus Bättig wollten innert zwei Wochen verkaufen.» Um sich auf ihre Kernkompetenzen Grafik und Druck zu konzentrieren, wie sie gegenüber «Saiten» angaben, während Braun bei den Verlagen «externe Kompetenz» vermisste.

Bättig und Stierli wollten sich auf Anfrage nicht mehr zum Verkauf äussern, auch nicht die ehemalige Programmleiterin Kerstin Forster und Verlagsleiterin Andrea Wiegelmann. «Kurz vor der Frankfurter Buchmesse wurden wir vor vollendete Tatsachen gestellt, und dann erhielten wir alle die Kündigung per Ende Jahr», hatte Forster zu «Saiten» gesagt. Laut Braun «hätten die sieben Mitarbeiter bleiben können, sie wollten aber nicht», während Forster und Wiegelmann angaben, sie seien im Ungewissen gelassen worden, niemand habe einen Vertragsentwurf gesehen.

Markus Sebastian Braun Verleger Benteli, Niggli und Braun Publishing (Bild: pd)

Markus Sebastian Braun Verleger Benteli, Niggli und Braun Publishing (Bild: pd)

Chris van Uffelen Kunsthistoriker, Programmleiter Niggli und Benteli (Bild: pd)

Chris van Uffelen Kunsthistoriker, Programmleiter Niggli und Benteli (Bild: pd)

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