Weltbekannt und hier vergessen: Aby Warburg

KONSTANZ. Eine Ausstellung widmet sich dem Hamburger Kulturwissenschafter Aby Warburg (1866–1929), der drei Jahre in der Heilanstalt Bellevue in Kreuzlingen verbracht hatte, von 1921 bis 1924. Gezwungenermassen.

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KONSTANZ. Eine Ausstellung widmet sich dem Hamburger Kulturwissenschafter Aby Warburg (1866–1929), der drei Jahre in der Heilanstalt Bellevue in Kreuzlingen verbracht hatte, von 1921 bis 1924. Gezwungenermassen. Denn der 1918 psychisch Erkrankte sah sich als Opfer eines «Justizmords», vollzogen in der psychiatrischen Klinik Binswangers. Er wollte zurück nach Hamburg und konnte dies 1924, weitgehend geheilt, auch tun. Noch fünf Jahre sollten ihm für den Abschluss seines Lebenswerks bleiben. Dazu gehören der Neubau für seine Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg K.B.W. und der Bildatlas «Mnemosyne».

Rastloser Schreiber

Warburg war auch in Kreuzlingen rastlos tätig. Allein seine Tagebücher aus jener Zeit umfassen mehr als 4500 handschriftlich verfasste Seiten, dazu kommen unzählige Briefe. Besonders eng war der Kontakt zu Fritz Saxl, der die Bibliothek leitete und sie zum Zentrum der damaligen kulturwissenschaftlichen Auseinandersetzungen machte. Saxls «Vorträge der Bibliothek Warburg» und die «Studien» gehören zum besten, was die Kulturwissenschaft bis heute hervorgebracht hat, schreibt Kurator Kurt Schmid.

Während die Hamburger Bibliothek aufblühte, war Warburg wissenschaftlich weitgehend isoliert. Den Anschluss schaffte er am 21. April 1923, als er in der Klinik einen Vortrag hielt, der – posthum publiziert – zu seinem bekanntesten Werk werden sollte: «Das Schlangenritual».

Die Ausstellung im Bildungsturm gibt einen Einblick in Warburgs Aufenthalt, in Saxls Publikationstätigkeit – und in das, was darauf «interaktiv» entstand. Bei der Vernissage sprechen Waltraut Liebl-Kopitzki, Stadt Konstanz, Aleida Assmann über «Die Angst als Ursprung für Kultur und Gedächtnis: Aby Warburg als Pionier der Kulturwissenschaften» und Kurator Kurt Schmid. Er bezeichnet die Schlange als internationales Symbol der Antwort auf die Frage: Woher kommen elementare Zerstörung, Tod und Leid in die Welt!? (dl)

Di, 18.8., 19 Uhr, Wolkensteinsaal/Bildungsturm; bis 20.9.