Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Er erkennt einen Falter bereits an seinem Flug

Ein Jahr lang reiste der Autor und Journalist Peter Henning Schmetterlingen hinterher. Und schrieb darüber ein fachkundiges, vor Begeisterung sprühendes Buch.
Valeria Heintges
Feingliedrige Flugkünstler wie den Schwalbenschwanz sieht man immer seltener. (Leserbild: Toni Sieber)

Feingliedrige Flugkünstler wie den Schwalbenschwanz sieht man immer seltener. (Leserbild: Toni Sieber)

Die meisten Menschen richten ihre Reiseroute nach Sehenswürdigkeiten, besonderen Gebäuden, schöner Natur. Nicht so Peter Henning: Er plant die Route seines «Schmetterlingsjahrs» streng nach dem Auftreten der Schmetterlingsarten, die er beobachten will. Und reist darum im Februar nach Samos für den Griechischen Apollofalter, im März ins italienische Volterra auf der Suche nach dem Osterluzeifalter, ins spanische Segovia für den Isabellaspinner, zurück nach Volterra für den Erdbeerbaumfalter, weiter nach Montegrotto für den Grossen Fuchs, im Spätsommer zum österreichischen Patscherkofel für Weisslinge und Eichenspinner, ins Berner Oberland für Schwarze Apollofalter, nach Sils Maria für Bärenspinner und zum Schluss in den Bayerischen Wald für Grosse Schillerfalter.

Es ist die Reise eines Lepidopterologen, eines Schmetterlingforschers. Aber mehr noch die eines Begeisterten. Eines Menschen, der seine Passion auslebt. Schmetterlinge gehören für ihn «zu den farbenprächtigsten Geschöpfen der Natur», er preist «die schier unergründliche Vielfalt ihrer Verhaltensweisen» und ihre «faszinierenden Verwandlungen» dieser «nervösen, feinnervigen Wesen».

Alpine Wiesen mit nur dort lebenden Schmetterlingen

Immer wieder finden sich die begeisterten Formulierungen «eines Freundes, ja Verehrers». Peter Henning, der von 2000 bis 2005 das Literaturressort der «Weltwoche» leitete und heute in Köln lebt, verfolgt Schmetterlinge seit 50 Jahren. Und er ist in guter Gesellschaft: Ausführlich berichtet er etwa vom Erzähler Vladimir Nabokov, der sich auch deshalb an den Genfer See zurückzog, weil er dort seinem Hobby wunderbar frönen konnte. «Nabokov liebte die Schweiz», schreibt Henning, «liebte ihre alpinen Wiesen mit den nur dort fliegenden Faltern und die spektakulären Sonnenuntergänge.»

Hennings Werk ist gespickt mit Details, etwa dass Europas Wanderfalter, der Distelfalter, 15000 Kilometer jährlich zurücklegt, dass die Raupen des Federwidderchens zur Abschreckung ihrer Feinde Blausäure «bluten», dass der Ameisenbläuling seine Raupen in Ameisenbauten ablegen muss, oder dass der Schwarze Apollofalter die unterirdischen Wurzeln des Lerchensporns aufspüren kann, bevor die Pflanze sichtbare Halme trägt. Für seine Passion hat sich Henning unzählige «Hautabschürfungen, Verstauchungen und Risswunden» zugefügt und minutenlanges Stillstehen gelernt. Aber heute, schreibt der 59-Jährige stolz, könne er «einen Falter bereits aus grosser Entfernung allein daran erkennen, wie er fliegt», denn so spezifisch die Flügelzeichnung, so spezifisch sei auch der Flug jeder Art.

Das erste Exemplar gibt den Kick

Mit der Zeit hat sich Hennings Schmetterlingseuphorie gewandelt. Früher suchte er die Tiere mit dem Netz, um sie hinter Glas in Kästen zu bewahren. Heute hat er sich aufs Züchten verlegt – die Tochter muss die Schwärmer- und Pfauenspinnerpuppen füttern, während der Vater auf Reisen ist.

Am Ende hat Henning viel erklärt, reichlich doziert, «Gefühl des Triumphes und der Lebendigkeit» beim Aufspüren einer seltenen Art erlebt. Doch das erste Exemplar gibt den Kick, nicht das zweite, nicht die folgenden. Es folgt die Ernüchterung. Und die Erkenntnis: Schmetterlinge zu jagen ist, als jage man flüchtigen Geistern hinterher, deren inneres Wesen uns trotz aller Bemühungen verborgen bleibt.»

Peter Henning: Mein Schmetterlingsjahr, Theiss-Verlag, 204 S., Fr. 29.90

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.