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Weiss die Tarnfarbe, dass ich bin?

Im Museum of Emptiness (MoE) lud die Betreiberin Gilgi Guggenheim ein Künstlerpaar zu einer Kunstaktion ein. Ihr «Meditated Vandalism» ist ein sanfter Rausch in Weisstönen.
Brigitte Schmid-Gugler
Museumsleiterin vor Gastbeitrag «Form Is Emptiness». (Bild: Jil Lohse)

Museumsleiterin vor Gastbeitrag «Form Is Emptiness». (Bild: Jil Lohse)

Wenn zwei Künstler, die für ihre üppig inszenierten Malschlachten bekannt sind, die sakrale Stille des MoE in St. Gallen bespielen, wird man hellhörig. Wie soll das zusammengehen, wo der Raum doch gerade seine Leere, sein konsequentes Weiss feiert.

Die beiden Künstler Gen Atem und Miriam Bossard, sie arbeiten gemeinsam in Zürich, stellten sich der Herausforderung und gaben ihr den Titel «Form ist Emptiness». Ganz im Sinne von Gilgi Guggenheim, die das Museum – oder den Forschungsraum – seit vergangenen Herbst in St. Gallen betreibt, fragen sie nach der Bedeutung von Raum, von Seh- und Übersetzungsgewohnheiten und ganz besonders nach der Substanz von Leere. Denkbar, aber nicht erwiesen ist, dass das eingeladene Künstlerpaar an den japanischen Ingenieur und Forscher Taichii Ohno dachten, als sie ihr Projekt für das MoE entwickelten. Jener pflegte Kreidekreise auf den Boden einer Fabrikhalle zu malen, um aus deren Mitte heraus die Umgebung auf sich wirken zu lassen, Blockaden zu erkennen und Kommunikationsprozesse neu anzukurbeln. Gen Atem – es ist sein Künstlername – lebte nach einer ziemlich wilden Zeit in New York und, bevor er zur Kunst zurückkehrte, einige Jahre in einem buddhistischen Kloster.

Mit grossem Respekt vor der Idee des Raumes

Atem und Bossard legten an den Anfang ihrer Ostschweizer Kunstaktion ebenfalls Kreidekreise an – sei’s als Symbole für das Verwisch- und Überschreitbare von mentalen und materiellen Mäuerchen, sei’s als Meditation über die Formgebung von Leerraum. Die abgeriebene Kreide der auf öffentlichen Grund gezeichneten Kreise wischten sie sodann sorgfältig auf, um sie unter die «Farbe» zu mischen. Mit dieser Masse bearbeiteten sie die der Fensterfront gegenüberliegende Wand im MoE als wäre dieses, in Anlehnung an das antike Heiligtum der Musen, die erregte Haut einer Schutzgöttin in Erwartung eines Initiations­rituals. In den Wohlklang ge­achteter Leere kann man sich sehend – und lauschend – vertiefen.

Brigitte Schmid-Gugler

Bis 7. Juli, MoE, Haldenstrasse 5, St. Gallen, museumoe.com

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