Weise Juden, schlaue Araber

«Es ist eine mühsame Arbeit und unvorstellbar schwierig, die Geschichten marokkanischer Juden zu sammeln. Ich behaupte nicht, dass mir dieses Kunststück gelungen ist», schreibt Moulay Lamrani zu seinen Recherchen über jüdisch-marokkanische Geschichten.

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«Es ist eine mühsame Arbeit und unvorstellbar schwierig, die Geschichten marokkanischer Juden zu sammeln. Ich behaupte nicht, dass mir dieses Kunststück gelungen ist», schreibt Moulay Lamrani zu seinen Recherchen über jüdisch-marokkanische Geschichten. Er folgert, dass die Märchen, auf die er stiess, ein Zeugnis davon ablegen, in welchem Mass die Sultane und Könige den jüdischen Gemeinden Schutz boten, die seit zwei Jahrtausenden in Nordafrika beheimatet sind.

Die Juden sind Teil des marokkanischen Erbes. Die grösste jüdische Gemeinde des Maghreb, in den 50er-Jahren 2,3 Prozent der Gesamtbevölkerung, bestand in Marokko. Seit der Gründung des Staates Israel wanderten viele Juden aus, so dass heute nur noch Reste der einst blühenden Gemeinde existieren. «Die Protagonisten marokkanischer Märchen sind immer ein ehrlicher, weiser Araber und ein schlauer, schelmischer Jude», schreibt Lamrani. Er beschloss, seine Perspektive zu erweitern und das Jüdische genauer zu betrachten. Das Interessante sei gewesen, «dass die Juden umgekehrt die Araber als schlau und schelmisch, sich hingegen als weise und ehrlich betrachteten.» Yariv Gurfinkel begleitet Moulay Lamranis Geschichten an der Gitarre. (red.)

Heute Di, Kultbau, 20 Uhr